Politik und Schulvertreter sprechen über Schule während und nach Corona

Fragezeichen und Optimismus

Wie das Rotenburger Ratsgymnasium die Corona-Zeit erlebt hat, das wollen Lars Klingbeil und Dörte Liebetruth (r.) wissen. Schulleiterin Iris Rehder, ihre Kollegen sowie Schüler und Elternratsvertreter berichten.  
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Wie das Rotenburger Ratsgymnasium die Corona-Zeit erlebt hat, das wollen Lars Klingbeil und Dörte Liebetruth (r.) wissen. Schulleiterin Iris Rehder, ihre Kollegen sowie Schüler und Elternratsvertreter berichten. Foto: Witte
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Rotenburg – Eine große Runde ist im Rotenburger Ratsgymnasium zusammengekommen. Schüler- und Elternratsvertreter sowie Lehrkräfte sitzen – natürlich mit großzügigem Abstand zueinander – in der Aula. Sie wollen den beiden SPD-Politikern Lars Klingbeil und Dörte Liebetruth eine Rückmeldung darüber geben, wie der Unterricht während der Corona-bedingten Schulschließung funktioniert hat. Die Beteiligten ziehen ein Zwischenfazit. Denn, das wird in der Runde schnell klar, vieles ist noch ungeklärt, und die weitere Entwicklung an den Schulen mit Fragezeichen versehen. Gleichzeitig biete die veränderte Situation auch Chancen für die Unterrichtsgestaltung, wenn alles wieder normal läuft – gerade mit Blick auf die Digitalisierung.

Bedenken der Eltern, Probleme der Schüler und Herausforderungen der Lehrkräfte. All das hören sich der heimische Bundestagsabgeordnete und die Verdener Landtagsabgeordnete an, um die Eindrücke mitzunehmen und als Hilfe für die Arbeit in Berlin und Hannover zu nutzen. Schüler hätten schon Zukunftssorgen geäußert, berichtet Klingbeil von den Nachrichten, die ihn erreicht hätten. Sorgen darüber, wie es mit dem Abschluss läuft und wann ein geregelter Unterricht überhaupt wieder möglich ist.

Stufenweise werden die Schüler aktuell wieder zurück an die Schulen gelassen, allerdings jeweils nur mit einem Teil der Klasse. Von dem regulären Unterrichtsgeschehen ist damit auch das Ratsgymnasium noch weit entfernt. Das zeigt sich an diesem Vormittag auch im Schulgebäude: Nur ein paar Räume sind belegt, es ist ruhig in den Fluren. Ob und wie die Schulen nach den Sommerferien wieder regulär arbeiten, ist noch nicht klar.

Schulleiterin Iris Rehder sieht dahingehend noch eine wesentliche Corona-Herausforderung auf das Ratsgymnasium zukommen. Denn aktuell läuft der Präsenzunterricht in abgespeckter Form unter der Berücksichtigung eines Hygienekonzepts. Die Schüler und Lehrer müssen vorgegebene Ein- und Ausgänge einhalten, Desinfektionsspender stehen bereit und Klassen wechseln nicht die Räume. Der Landkreis habe als Schulträger viel unterstützt bei der Realisierung eines solchen Konzepts. „So wurde kurzfristig viel umgesetzt“, erzählt die Schulleiterin.

Schwierig könne es aber werden, wenn mit der Umstellung auf G9 ein weiterer Jahrgang nach den Sommerferien dazu kommt und die Schülerzahlen deutlich höher sind. Um das Konzept einzuhalten, könne es dann möglich sein, dass Fachräume von einzelnen Klassen belegt werden müssen. Das könne insofern problematisch werden, erklärt Rehder, als dass der jetzige zwölfte Jahrgang für die Abiturvorbereitung eigentlich nicht umhin komme, auch in Fachräumen zu arbeiten. „Und wir haben schon viele Räume“, gibt der stellvertretende Schulleiter Jan Kruse zu Bedenken, dass es für andere Gymnasien noch enger werden könnte.

Fehlende Klarheit gibt es aber auch hinsichtlich der Zeugnisvergabe, berichtet Schulleiterin Iris Rehder. Und während die Gymnasien in Niedersachen in diesem Jahr nicht vor der Frage standen, wie die Abiturprüfungen durchgeführt werden können, gilt es hingegen durchaus noch zu klären, wie und unter welchen Bedingungen diese für den ersten G9-Jahrgang 2021 wieder ablaufen könnten. Das bringt Elternvertreterin Martina Patschull-Vellguth auf den Plan. „Das ist ein drängendes Problem“, bestätigt Klingbeil ihr. Sowohl die Bundespolitik als auch der niedersächsische Kultusminister Grant Henrik Tonne (SPD) beschäftigten sich derzeit damit, in dieser Frage möglichst schnell Klarheit zu schaffen.

Momentan unterrichten die Lehrkräfte einen Teil der Schüler vor Ort, ein Teil wird nach wie vor von Zuhause aus beschult. Für alle Seiten ist das eine Herausforderung. Für die Eltern, erzählt Elternratsvertreterin Sylvia Wendt, sei es oft zeitlich als auch inhaltlich schwierig, die Kinder beim Lernen zu unterstützen. Gerade berufstätigen Eltern stellte sich dabei die Frage, wann mit dem Regelbetrieb auch die Entlastung in dieser Hinsicht kommt. Zumal es, betont Wendt, im Landkreis Rotenburg keinen aktiven Fall mehr gibt. „Ich kann das Unverständnis hinsichtlich der wenigen Fälle verstehen“, sagt Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth dazu. Doch das könne sich schnell ändern, wie in einigen Landkreisen zu sehen ist. Ein Risiko gebe es nach wie vor, und mit dem veröffentlichten Stufenplan fahre man aktuell gut.

Doch auch die Qualität des Homeschoolings variiere stark, kritisieren die Elternvertreter. Die Unterrichtsleistung sei nicht dieselbe. „Der Unterricht ist anders im Moment“, erklärt Janca Baecker als Vorsitzende des Personalrats am Ratsgymnasium. Dadurch, dass die Klassen geteilt sind und noch nicht alle Jahrgänge wieder an der Schule, müsse sowohl Online- als auch Präsenzunterricht vorbereitet werden „Der Arbeitsaufwand ist immens“, sagt Baecker. Der stellvertretende Schulleiter Jan Kruse erklärt, dass es in den vergangenen Wochen auch viel zusätzliche Zeit gekostet hat, mit den Schülern in Kontakt zu bleiben, und bei denjenigen nachzufragen, die sich nicht melden oder Aufgaben nicht abgeben.

Diese soziale Komponente, wie Kruse sie nennt, ist für die Schüler ebenfalls von Bedeutung. „Wir haben uns gefreut, wieder in die Schule zu kommen“, so Schülervertreter Tim Hatjen. Dabei spiele nicht nur eine Rolle, dass sie ihre Mitschüler wiedersehen und sich persönlich austauschen können, sondern auch der Unterricht. Homeschooling sei nicht mit Präsenzunterricht zu vergleichen. Gerade für jüngere Schüler sei es teilweise schwierig, sich Inhalte selbst zu erschließen. Ebenso falle ihnen teilweise der Umgang mit den technischen Geräten noch schwer oder es gibt Probleme mit den Anwendungen.

Hier schließt Baecker sich an, dass es auch für Lehrkräfte noch an Weiterbildungen in diesem Bereich fehle. „Wir brauchen Konzepte für den Unterricht der Zukunft“, fügt sie außerdem an. Das sei abgesehen von der Verfügbarkeit der Endgeräte eine wichtige Frage, die es in Sachen Digitalisierung noch zu klären gelte. Technisch jedenfalls sei vieles im Werden, was die Digitalisierung betrifft. Gerade erst hat das Gymnasium einen neuen Server bekommen, berichtet Kruse. Aber auch weitere Endgeräte folgen. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Kruse jedenfalls stellt klar: „Das Thema Digitalisierung dürfen wir auch nach Corona nicht aus den Augen verlieren.“

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