Kinderpsychologe Bernhard Prankel warnt vor arglosem Umgang mit Bildern

„Fotos nicht ins Internet“

Rotenburg - Von Guido Menker. „Private Fotos haben im Internet gar nichts zu suchen – und zwar unabhängig von sexuellen Inhalten.“ Bernhard Prankel, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, versteht die Unbesorgtheit mancher Eltern nicht.

Mit der Edathy-Affäre ist eine Diskussion darüber entbrannt, wo Missbrauch beginnt und wann Grenzen übertreten werden. Prankels Forderung: Private Bilder nicht ins Netz. „Das gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene.“

Selbst wenn hinter der Aufnahme vom Nachwuchs – etwa beim nackten Herumtoben im Garten – keine böse Absicht stecke, sei mit der Veröffentlichung nicht mehr zu vermeiden, dass es Menschen gibt, die die Fotos kopieren, sammeln und verwerten. Bernhard Prankel: „Der Zugang privater Bilder zur Öffentlichkeit ist eine Katastrophe.“ Viele Eltern gingen seiner Ansicht nach zu arglos mit Bildern ihrer Kinder um. Fakt ist: Es scheint Nacktfotos von Kindern zu geben, die noch nicht in die Strafparagrafen einbezogen werden, weil sie bislang nicht als pornografisch eingestuft worden sind. Es gibt aber auch für solche Fotos einen Markt, so Prankel.

In der Politik wird mittlerweile über schärfere Gesetze nachgedacht. Justizminister Heiko Maas (SPD): „Wir wollen klären, wie wir das gewerbsmäßige Handeln mit Nacktbildern von Kindern oder Jugendlichen unter Strafe stellen können.“ Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) will schärfere Regeln für Kinderfotos prüfen, die aufreizend, aber nicht explizit pornografisch sind.

Doch wo liegen die Grenzen? Eine schwere Frage. Dem Experten geht es aber in erster Linie um die Betroffenen. Prankel macht den Schaden für Kinder deutlich: Sehr junge Kinder erleben beim Missbrauch den Schmerz, bewerten den Akt des Missbrauchs aber nicht moralisch. Ältere Kinder empfinden den Missbrauch als „normal“ und tragen dieses Verhalten unweigerlich nach außen; sie werden zum Beispiel im Kindergarten durch distanzloses Verhalten auffällig.

Die Seele könne also akut oder chronisch schwer geschädigt werden. Bei chronischem Missbrauch weisen viele Opfer später Bindungs- und Verhaltensstörungen auf. Wenn Fotos im Netz landen, bleiben sie dort mitunter jahrelang. Dies könne die Opfer später wieder einholen und sie im Einzelfall sogar erpressbar machen, selbst wenn es juristisch unbedenkliche Bilder seien.

Wird ein Fall von Missbrauch bekannt, sei Hilfe dringend nötig. „Wenn die Eltern nicht Mittäter sind, dann sind sie natürlich die Ersthelfer für das Kind“, so Prankel. Sie müssten die Kinder zunächst schützen, das heißt sicherstellen, dass der Missbrauch aufhört, ihnen nahe sein und für sie sorgen. „Auch eine Anzeige bei der Polizei kann sie schützen. Ebenso bieten das Jugendamt, Therapeuten und Beratungsstellen Hilfe an“, macht der Kinder- und Jugendpsychiater und Psychologe im Gespräch mit der Kreiszeitung deutlich, der mit seinem Klinikteam immer wieder auch Opfer sexueller Gewalt behandelt.

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