Einstimmiges Votum des Stadtrats / Bargfrede glaubt nicht an Tonabdichtung

Forderung: Verpressung von Lagerstättenwasser stoppen

Visselhövede · Der Rat der Stadt Visselhövede fordert den sofortigen Stopp der Verpressung von Lagerstättenwasser in Grapenmühlen und in der Gilkenheide. Diesem Antrag des CDU-Ratsherrn Willi Bargfrede folgte das Gremium am Donnerstag einstimmig.

Diese Forderung wird demnächst in den Briefkästen des Landkreises Rotenburg, de Landesbergamts sowie in den Umwelt- und Wirtschaftsministerien in Land und Bund landen.

Bargfrede hat nämlich bei seiner Arbeit an der Wittorfer Chronik Belege gefunden, das bereits in den Jahren 1901 und 1906 in Tonschichten in Visselhövede, Jeddingen und Drögenbostel bis zu einer Tiefe von knapp 700 Metern gebohrt wurde.

„Und ich bin mir sicher, dass diese Bohrungen damals nicht korrekt geschlossen wurden, sondern nur die oberen Rohre abmontiert und dann das Loch oberflächlich mit Sand verfüllt wurde“, mutmaßte Bargfrede im Stadtrat.

Das Alter der Bohrungen, gepaart mit der für diese Region neuartigen Erscheinung von Erdbeben, lässt den Wittorfer „stark daran zweifeln, dass die Abdichtung durch die Tonschichten noch funktioniert“.

Nach Angaben der Konzerne wird nämlich das Lagerstättenwasser in einer Tiefe von 1 000 bis 1 500 Metern verpresst, während das Trinkwasser in wesentlich geringerer Tiefe gefördert wird und dazwischen dicke Tonschichten liegen.

Bargfrede hat außerdem in Erfahrung gebracht, dass das Lagerstättenwasser auch anders behandelt und entsorgt werden kann: „Ein weiteres Argument für ein Stopp der Verpressung.“

Nach einigen ungeklärten Krankheitsfällen in seinem Dorf seien auch Wasserproben gezogen worden, die „keine messbaren Ergebnisse brachten was Benzol und ähnliche Stoffe angeht“, stellte der Ortsbürgermeister aber auch klar.

SPD-Fraktionschef Lothar Cordts ist zwar ein wenig skeptisch, dass die Forderung des Rats einer kleinen Stadt wie Visselhövede Einfluss auf dieses Verfahren nehmen könne, aber „alle sagen: Wir müssen dagegen was tun, aber es passiert nichts. So setzen wir ein Zeichen“. · jw

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