Bürger fordern bei Erdöl-Informationsgespräch mehr Einbindung

Förderung in den Startlöchern

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Sprudelt in Sothel bald das Öl wie in Texas?

Sothel - Mit so viel Andrang hatte Günter Bassen nicht gerechnet: Sothels Ortsvorsteher hatte nach der – ebenfalls nicht öffentlich angekündigten ersten Informationsveranstaltung Ende August – doch nur die Mitglieder des Ortsrates und einige Anlieger zum Gespräch mit Vertretern des Ölförderunternehmens PRD Energy geladen.

Gesprächsbedarf sahen indes auch an die 30 Bürger am Montagabend, darunter auch einige Scheeßeler Ratsmitglieder. Diese mussten sich jedoch die Frage gefallen lassen, was sie denn eigentlich bei der Infoveranstaltung zu suchen hätten.

Der Vorwurf der mangelnden Transparenz bei der geplanten Wiedererschließung des Ölfeldes unter dem Hatzter Moor war dann auch nicht primär an die fünf angereisten Vertreter des Unternehmens gerichtet. Vielmehr sah sich der Ortsvorsteher im Laufe der mehr als zweistündigen Debatte mehrfach dem Vorwurf der Zeitschinderei ausgesetzt und damit, mit Fakten hinter dem Berg zu halten.

Einer der Kritikpunkte: Die mangelnde Einbindung des Ortsrates. So hatte sich das Unternehmen bei der Planung der Zuwegung direkt an die Gemeinde Scheeßel gewandt. In der Produktionsphase sollen bis zu sieben Lkw täglich das Rohöl in eine Hamburger Raffinerie beziehungsweise das Reservoirwasser zur Entsorgung nach Bremen bringen. Die Förderung aus der Erdöllagerstätte Völkersen durch bis zu vier Bohrlöcher ist über mehrere Jahrzehnte geplant.

Einige Bürger haben Bedenken wegen eines möglichen Eintritts von Chemikalien ins Grundwasser, Emissionen sowie mögliche Beschädigungen von Gebäuden, wie sie etwa durch tektonische Aktivitäten aus der Erdgasförderung bekannt sind, und Risiken für die Trinkwasser führende Rotenburger Rinne. Trotz aller Mühe der fünf Experten von PDR, die Bedenken nicht nur rhetorisch, sondern auch auf sachlicher Ebene zu zerstreuen – ganz ausräumen konnten sie sie wohl nicht. Ebenso tat sich das Unternehmen mit konkreten Zusagen schwer, etwa das Festhalten des Zustands von Gebäuden durch einen Gutachter, Hinzuziehung von Seismologen oder eine Fracking-Verzichtserklärung.

Fakt ist: Die Rechte auf ein Bewilligungsfeld sind bereits für drei Jahre erteilt, das kanadische Unternehmen plant, Anfang Oktober die Anträge für den Bohrplatzbau und -betrieb einzureichen. Immerhin soll der Ortsrat diese Unterlagen erhalten. Bassen versprach eine öffentliche Debatte in Form einer Dorfversammlung – allerdings erst, wenn neue Informationen vorlägen. Ein Mitspracherecht haben die Sotheler ohnehin nicht, selbst die gesetzlich geforderte Stellungnahme der Gemeinde sowie der Unteren Wasser- und Naturschutzbehörde haben für das Bergamt, das letztendlich die Entscheidung fällt, keinen bindenden Charakter.

Von der geplanten Ölförderung profitiert das Land, das zehn Prozent der Steuereinnahmen aus den Förderabgaben erhält. Darüber hinaus verdienen die drei Verpächter der Flächen an der Förderung mit – zu diesen gehört auch Ortsvorsteher Günter Bassen, wie er auf Nachfrage einräumte. hey

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