„Stille Bilder“ eines widersprüchlichen Malers / Kai Quedens stellt im Kunstturm aus

Flache Leinwand, unendliche Weite

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Kai Quedens stellt im Kunstturm an der Nödenstraße aus. ·

Rotenburg - Von Heidi StahlIm Kunstturm an der Nödenstraße eröffnete am Sonnabend der Vorsitzende des Rotenburger Kunstvereins, Peter Mokrus, die Ausstellung des friesischen Malers Kai Quedens von der Insel Amrum. 35 in kraftvollen Farben gemalte Landschafts- und Hafenbilder bringen eine typisch norddeutsche Stimmung mit dem Hauch von unendlicher Weite in den engen Turm.

Wer ist dieser Kai Quedens, der sich selbst als Mal-Worker bezeichnet? Er passt in keine Schublade. Er malt Landschaften, ist aber kein Landschaftsmaler. Er trägt einen Nadelstreifenanzug, an dem seine Frau ihm den Hemdkragen zurecht zupft, mit einem Udo-Lindenberg-Sticker am Revers. Er begrüßt das zahlreich erschienene Publikum auf friesisch, was keiner versteht, verfällt sogleich in eine nervöse Übersetzung und erklärt auf seine etwas spröde Art seine Ei-Tempera-Maltechnik. Er verwende nur Eier von glücklichen Amrumer Hühnern vermischt mit Farbpigmenten und Leinöl, sagt der Künstler, deshalb könne er auch nur im Atelier malen: „der Nordseewind würde mir die pulverisierten Farbpigmente verwehen, bevor ich sie mischen kann.“ Er malt jeden Tag, er hat tausend Bilder im Kopf, braucht keine Muse, keine Inspiration, um seine Ideen bildnerisch umzusetzen. „Ich arbeite,“ sagt er. Die Weite, die das enge Land seiner Insel umgibt, in Farben und Formen auf die Fläche zu drücken, das ist seine Passion: „Die Leinwand ist flach, die Weite des Himmels und des Meeres sind unendlich.“

Woher kommt dieser Kai Quedens? Als Inselkind auf Amrum aufgewachsen, im Fotogeschäft seines Onkels zum Kaufmann ausgebildet, bis dieser Onkel ihm einen Aquarell-Malkasten schenkt und damit seinen besten Mitarbeiter verliert. Er geht nach Hamburg, studiert an der Fachhochschule der Künste bei Siegfried Jonas, gewinnt 1998 den renommierten Helen-Abott-Förderpreis für bildende Künste, der mit immerhin 25 000 Euro dotiert ist, seine Bilder hängen in der bekannten Galerie Gerdsen in Hamburg und sind seit 2008 in der NDR-Sammlung „Licht und Weite“ vertreten. Ausstellungen in vielen norddeutschen Galerien zeigen seit 1989 seinen künstlerischen Werdegang. In diesem Jahr hat der NDR ein Künstlerportrait von ihm auf Amrum gefilmt, das Ende Oktober gesendet wird.

So ganz von ungefähr kommt seine kunstschaffende Begabung nicht. Sein Urgroßvater war ein Landschaftsmaler auf Amrum und saß in der Inseltradition als Strandräuber öfter im Gefängnis, als ihm lieb war. Sein Vater, Georg Quedens, ist ein Amrumer Original, Heimatforscher, Fotograf und Herausgeber zahlreicher Bücher und Fotobände über Nordfriesland, der Inselbesuchern mit seinen Vorträgen über die Geschichte Amrums wohl bekannt ist, und der für seine Verdienste als Inselhistoriker 2009 das Bundesverdienstkreuz erhielt.

Nach 25 Jahren in Hamburg ist Kai Quedens mit seiner Familie wieder zu seinen Wurzeln nach Amrum zurückgekehrt und malt nun in seinem Atelier in Norddorf. Hier konzentriert der geübte Beobachter der Natur das Wesentliche der Landschaft in vereinfachte Formen und kraftvolle Farben. Seine Arbeiten legen den Betrachter der Bilder nicht fest, sie machen eher ein Angebot, ein Angebot um zur Ruhe zu kommen. Heute fehlt uns oft die Zeit für eingehende Naturbetrachtung, Hektik hält uns umfangen und Natur halten wir weniger mit dem Auge als mit dem Fotoapparat fest. Quedens zeigt das Wesentliche der norddeutschen Landschaft und Natur als Träger von Stimmungen der wechselnden, herben Urkraft von Wind und Wetter und führt so zu unverfälschtem Sehen.

Die Ausstellung „Stille Bilder“, die von den VGH Versicherungsagenturen Hansemann und Pfeiffer gesponsert wird und die auf Initiative von Barbara Unterhinninghofen vom Kunstverein nach Rotenburg gekommen ist, ist noch bis zum 12. November im Kunstturm zu sehen und man sollte sie wirklich nicht versäumen. Der Besuch an der Nödenstraße lohnt sich.

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