Konzert im Finteler Zirkuszelt

„Hop Frog“: Zwischen Vorgabe und Freiheit

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Hannes Lingens (v.l.), Pierre Borel und Joel Grip steckten das Publikum mit ihrer Faszination für „Bebop-Vater“ Thelonious Monk an.

Fintel - Ein halb offenes Zirkuszelt, in der Luft hängen hingetupfte Saxophonphrasen, unterlegt mit Bass und Beats – darüber steht ein fetter Regenbogen. Eine Szene wie aus dem Festivalkalender der großen Städte? Könnte, ist sie aber nicht. Die Szene ist im beschaulichen Fintel zu verorten, genauer gesagt im Garten von Gesine Lingens und Thomas Meyer-Rohde.

Seit vielen Jahren schlagen die beiden einmal im Jahr auf ihrem Grund und Boden das bunt gestreifte Zelt auf und laden Vollblutjazzer zu sich ein. Die einzige Konstante der wechselnden Besetzungen: Sohn Hannes Lingens am Schlagwerk, dieses Mal unterstützt von dem Schweden Pierre Borel und dem Franzosen Joel Grip. Beide waren schon einmal hier, allerdings in unterschiedlichen Formationen und mit anderem Programm. Dieses Mal im Gepäck: Thelonious Monk, exzentrischer Komponist und Urvater des Bebop. Warum ausgerechnet er? „Weil er dieses Jahr hundert würde“, meint Bassist Joel Grip. Altsaxofonist Pierre Borel schätzt die Mischung aus Vorgabe und Freiheit und schwärmt: „Seine Musik hat sehr viel Charakteristisches, bietet aber auch viel Spielraum für Eigenes.“

In der Tat, das ist zu hören: Mit sauberer Intonation löst sich Borel immer wieder von den Anfangsphrasen, schleudert den Zuschauern wahre Skalenfeuerwerke entgegen, um dann wieder hypnotisch und monoton auf einem Ton zu verharren und dem Bass und Schlagwerk Raum für ihre Soli zu geben.

Musiker kennen sich aus Berlin

Die drei spielen nicht zum ersten Mal zusammen – sie kennen sich aus gemeinsamen Berliner Zeiten; das Monk-Repertoire haben sie erst einmal vor Publikum gegeben, vor einer Woche in Halle.

Nicht nur Gastgeber Thomas Meyer-Rohde ist begeistert. Der anfängliche Frust ob wetterbedingter Absagen und gerade mal um die 30 Besuchern wie weggeblasen: Im Unterschied zu den ersten Jahren, wo nicht immer die „eigene Harmoniebedürftigkeit“ befriedigt worden sei, ist sein Urteil heute: „Das ist gut hörbar!“ Das findet auch Marina Horn. „Das swingt und perlt“, meint die Rotenburgerin, die eigentlich gekommen war, um hier Leute zu treffen. Denn: Ins Gespräch kommt der bunte Mix aus Familie, Freunden, Fintelern, Kunden und Arbeitskollegen an den Stehtischen fast wie von allein. Musikkenner Manfred Kröger „aus dem Dorf“ ist wegen der Musik hier, „aber auch wegen der Atmosphäre, die ist einfach toll“, schwärmt er.

Auch wenn diese Form des Jazz für viele hier nicht das ist, was täglich im CD-Schlitz landen würde: „Live ist das gut nachvollziehbar“, hört man in der Pause immer wieder in den Grüppchen. Sie alle werden mit einem swingigen zweiten Teil entlohnt. Wie bei „Think of One“, das Monk unverkennbar als Mitbegründer des Bebop outet, oder „Rhythm a Ning“ mit einer hochenergetischen Performance, in der die „Hop Frog“ (so der Arbeitstitel des Trios“) das Publikum nach dem zweiten Set voller Glückseligkeit entlässt. 

hey

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