Forscher spricht in Stemmen über die Arten- und Lebensvielfalt von Morgen

Zwischen Fakten und Optimismus

Grüne mit prominentem Gast: Gabriele Schnellrieder (v.l.), Referent Prof. Norbert Jürgens und Hans-Jürgen Schnellrieder. Foto: Bonath

Stemmen – Wer hat recht: die Klimawarner und Anhänger der „Fridays-for-Future”-Bewegung oder die Optimisten, wie der Wissenschaftler Prof. Dr. Norbert Jürgens, der sich seinen Glauben an das Fortbestehen der Erde nicht nehmen lässt? Der Biologe aus Scheeßel – er hielt am Freitagabend im Landgut Stemmen während einer Versammlung der Grünen des Finteler Samtgemeinde-Ortsverbands einen Vortrag über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität – lehrt in Hamburg das Fach Biodiversität und Ökologie der Pflanzen. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf biologische Abläufe und Fragen der Vegetation in wüstenhaften Gebieten des afrikanischen Kontinents. Er, der sich über viele Jahre seines wissenschaftlichen Lebens in Afrika aufhielt, wurde zusammen mit rund 35 Besuchern von Hans-Jürgen Schnellrieder, Sprecher der Grünen im Landkreis Rotenburg und Schatzmeister im Ortsverband Fintel, begrüßt.

In dem packenden Referat ging es – Hunderte Millionen Jahre wechselnder Geschichte des Planeten Erde waren der große „Rahmen” – um die Evolution, um das Werden und Wachsen der Pflanzen- und Tierwelt und den Menschen als „Krönung”. Jürgens machte deutlich, dass der Erdball seit jeher ein riesiger Ort natürlicher Abläufe war und in Zukunft bleiben wird. „Man kann das Leben auf der Erde nicht erklären. Wir brauchen immer mehr Daten“, so Jürgens‘ Aussage bei all seinen Warnungen vor den Gefahren des Klimawandels und der fortschreitenden Schrumpfung der Biodiversität. Auch wenn der Mensch in sehr vielen Fällen nicht pfleglich mit der Erde umgehe und immer noch Raubbau betrieben werde, lasse er sich dies nicht nehmen, wenn er an die Zukunft denke: „Ich bin Optimist.”

Der Wissenschaftler hatte einen 497-seitigen Wälzer mit nach Stemmen gebracht: „SASSCAL 2012-2018” (Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management) – problemorientierte Forschung, an der die afrikanischen Länder Angola, Botswana, Namibia, Südafrika und Sambia, etwa ein Drittel der Größe des Kontinents, beteiligt sind. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Jürgens war maßgeblich mit an der Koordination beteiligt. Er und seine Kollegen wurden während der wissenschaftlichen Arbeit unter anderem von Bundeskanzlerin Angelika Merkel vor Ort in Afrika besucht. Ziel der Forschungsaufgaben war, belegt durch zahlreiche Messdaten, mit dazu beizutragen, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und Wasserressourcen im südlichen Afrika einzudämmen.

Zwischendurch hin und wieder ein Sprung vom riesigen „schwarzen” Kontinent in den vergleichsweise engen Kreis Rotenburg. Die Probleme ähneln sich, in Afrika, in anderen Teilen der Welt und auch im Wümme-Kreis sei die Artenvielfalt auf dem Rückzug. Für den Biologen ein Hinweis, hellhörig zu sein, aber nicht in Panik zu verfallen.

Jürgens hatte einen kleinen Schaukasten mitgebracht, der noch von seinem Vater stammt: Schmetterlinge und Käfer, darunter ein Hirschkäfer mit stattlichen Greifzangen. Ein Teil dieser Tiere sei seinen Worten nach inzwischen unwiederbringlich verschwunden. Diese Verluste seien dramatisch. Das schließe jedoch ein, dass sich im Laufe sehr großer Zeitabschnitte neues Leben bilde.

Vor sechs Jahren wurde Jürgens, der in Hamburg auch Mitglied der Akademie der Wissenschaften ist, für sein Lebenswerk mit dem Elisabeth-Appuhn-Preis ausgezeichnet. Gewürdigt wurde speziell seine Arbeit im südlichen Afrika. In diesem Rahmen publizierte er nach einer Langzeitstudie in Namibia eine Erklärungshypothese für das Vegetationsphänomen der Feenkreise. Es handelt sich dabei – der Referent zeigte Fotos – um rätselhafte vegetationslose, kreisförmige Kahlstellen inmitten von Grasflächen. Der Wissenschaftler löste das Rätsel: unterirdische Termitengänge, von den Insekten als Wasserspeicher mit hoher Luftfeuchtigkeit zum Überleben gebraucht, werden bei Nahrungsmangel nachts verlassen. Die kleinen Tiere begeben sich bei Dunkelheit an die Erdoberfläche, fressen Bereiche bis zu zwölf Meter im Durchschnitt kahl und werden, wenn sie nicht aufpassen, von Feinden gefressen.

Dem Vortrag schloss sich eine Mitgliederversammlung der Grünen unter Leitung von Hans-Jürgen Schnellrieder an. Auf Kreisebene, so der Sprecher der Partei, hätte die Partei inzwischen 204 Mitglieder. 34 Prozent Frauenanteil mache jedoch eine weitere Mitgliederwerbung nötig. Zufriedenstellend sei das Ergebnis im Kreis Rotenburg bei der Europawahl, ebenso die Veranstaltungen im Zusammenhang mit „Fridays for Future”.

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