Investitionen in Lauenbrück: Zwei Vererdungsbeete und eine Lagerfläche

Samtgemeinde Fintel erweitert Abwasserreinigungsanlage für 1,1 Millionen Euro

Zwei neue Klärschlammvererdungsbeete der Abwasserreinigungsanlage der Samtgemeinde Fintel.
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Über zwei neue Klärschlammvererdungsbeete verfügt nun die Abwasserreinigungsanlage der Samtgemeinde Fintel. Mit der zugehörigen Lagerfläche hat die Schaffung der neuen Kapazitäten rund 1,1 Millionen Euro gekostet.

Fintel – „Das war zu viel“, weiß Abwassermeister Ingo Bellmann. Ganz einfach gesagt: Die Bürger der Samtgemeinde Fintel produzieren größere Mengen Abwasser, als es für die bislang bestehenden Kapazitäten der Abwasserreinigungsanlage Lauenbrück gut war. Für die Einrichtung bedeutete das Schwierigkeiten bei der Verwertung des anfallenden Klärschlamms auf drei Feldern:

Die bisherige Zufuhr zu den Vererdungsbeeten war zu groß. „Und das war ein Problem“, weiß Samtgemeindebürgermeister Sven Maier. Also nahm die Samtgemeinde Fintel 1,1 Millionen Euro in die Hand und schuf Abhilfe.

Fünf statt drei: Nun verfügt sie über zwei zusätzliche Klärschlammvererdungsbeete. Ebenfalls im Budget enthalten war eine asphaltierte Räumungsfläche, die die Zwischenlagerung fertig mineralisierter Erde ermöglicht. Dass dafür die Aufwendung eines siebenstelligen Eurobetrags notwendig wurde, traf in der Lokalpolitik nicht nur auf Verständnis, erinnert sich Maier. „Abwasser kostet Geld. Das scheint nicht allen bewusst zu sein. Wenn alles läuft, interessiert es keinen. Aber wenn man mal was verändern muss, hört man fragen wie: ,Wie kann das sein, dass das gleich 1,1 Millionen Euro kostet?‘“, blickt der Samtgemeindebürgermeister auf vorangegangene Diskussionen zurück.

Schlüsselübergabe zwischen Samtgemeinde und Baufirma: Lutz Winter von der Pauly Group (r.) übergibt den Schieberschlüssel an Bürgermeister Sven Maier (l.).

Trotzdem kamen Projekt und Ausgaben. Bauzeit: August bis Oktober. Nun hat die Samtgemeinde die zusätzlichen Kapazitäten auch schon in Betrieb genommen – natürlich im Rahmen einer feierlichen Steckschlüsselübergabe mit ausführenden Firmen und Vertretern der Samtgemeinde.

Auf den neuen Feldern will man der Klärschlammmassen Herr werden. „Das ist letztlich auch eine Kostenfrage. Entweder der Schlamm kostet Geld oder er bringt welches ein“, fasst Stefan Raatz zusammen. Der Fachdienstleiter Bauen und Planung erläutert: Klärschlammfelder, die zu stark beschickt werden, sorgen für Ausgaben. Doch die Samtgemeinde hätte lieber Einnahmen. Wie das geht, verrät Lutz Winter. „Die Bakterien an den Wurzeln der Pflanzen sorgen dafür, dass der Schlamm mineralisiert und damit zu Erde wird“, erklärt der stellvertretende Bereichsleiter Projektierung der Pauly Group, ehemals Eko Plant. Stete Zufuhr ermöglicht dem Grün geregeltes Wachstum. Führt man den Beeten jedoch zu viel Schlamm zu, gehen die Schilfpflanzen einfach unter. Die für den Prozess notwendigen Bakterien können dann ihrer Arbeit nicht nachgehen und der Schlamm muss teuer verbrannt werden. Ein funktionierendes Vererdungssystem produziert jedoch eine Erde, die zum Beispiel in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen und daher verkauft werden kann.

Auf der nebenan gelegenen Asphaltfläche hat die Samtgemeinde Möglichkeit, die mineralisierte Erde zwischenzulagern.

11 300 Quadratmeter umfassen die beiden Beete plus Nachlagerebene zusammen – eine Fläche, die vor Beginn der Planungen noch gar nicht Teil der Abwasserreinigungsanlage war. Zunächst hatte man zusätzlichen Grund erwerben müssen, erklärt Raatz. Bei der Anlage der Asphaltebene hat die Samtgemeinde praktisch gedacht – und den angefallenen Aushub direkt dafür verwendet, passende Wälle für die Beete zu schaffen.

Bis zu 10 000 Kubikmeter Nassschlamm können nun über ein System von Rohrleitungen, Pumpen und Schiebern pro Jahr auf die fünf Flächen fließen. Damit das Konzept überhaupt funktionieren kann, gehört auch die Entwässerung des Schlamms dazu. Die gelingt über Verdunstung und Flüssigkeitsentzug durch die Schilfpflanzen einerseits, über die Drainage unter den Beeten andererseits. „Die Feststoffe des Klärschlamms verbleiben im Beet, wo sie mithilfe von Mikroorganismen mineralisiert werden. So verringert das naturnahe Verfahren die Schlammmenge um mehr als 90 Prozent. Zusätzliche Energie benötigt die Anlage lediglich für die vollautomatische Steuerungselektronik und die Pumpen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Pauly Group. Im Normalbetrieb ist das Klärschlammbeet nach acht bis zehn Jahren gefüllt, erklärt Winter. Das veredelte Endprodukt macht dann Zwischenstation auf dem Asphalt, auf den Beeten geht es dann von vorne los. Der Prozess verläuft nahezu geruchsfrei. „Wenn der Klärschlamm ausreichend stabilisiert ist, riecht man nichts“, erläutert Winter. Das gilt dann auch für den wertvollen Stoff mineralisierte Erde. Es ist wohl doch was dran: Geld stinkt nicht.

Von Andreas Schultz

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