Geplante Kräftebündelung

Zentraler Bauhof: Skepsis im Finteler Gemeinderat überwiegt

Für den Finteler Bauhof wäre ein neues Dach vonnöten. Bisher ist die Sanierung am Geld gescheitert.
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Für den Finteler Bauhof wäre ein neues Dach vonnöten. Bisher ist die Sanierung am Geld gescheitert.

Fintel – Ein zentraler Bauhof für die Samtgemeinde Fintel, statt mehrere kleine Einheiten – wenn es nach der Arbeitsgruppe „WiSuM“ geht (die Abkürzung steht für „Weiterentwicklung in der Samtgemeinde und ihren Mitgliedsgemeinden“), könnte ein solches Konstrukt vieles vereinfachen. Über ein Dreivierteljahr haben Politik und Verwaltung an dem gleichnamigen Projekt gearbeitet, das unter anderem eben das zum Inhalt hat: eine organisatorische Zusammenlegung. „Der Grundgedanke dahinter ist, dass es möglicherweise sinnvoll ist, die separaten Bauhöfe in Lauenbrück und in Fintel, aber auch die Minijobber in den kleineren Mitgliedsgemeinden zusammenarbeiten zu lassen – auf welcher Ebene auch immer“, erläuterte Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger in der jüngsten Sitzung des Finteler Gemeinderates. Von heute auf morgen ließe sich so etwas natürlich nicht umsetzen, „aber es wäre sicher ein schönes Thema für die nächste Ratsperiode“, befand er.

Aus dem Bauch heraus möge eine solche interkommunale Kooperation sinnvoll erscheinen – beispielsweise beim Maschinen- und Personaleinsatz. Ob es auch tatsächlich praktisch sei, das habe man versucht, in der Projektgruppe herauszufinden. „Im Ergebnis können wir schon heute ableiten, dass es deutliche Bedarfe gibt, das Thema weiterzuverfolgen“, berief sich der Rathauschef auf einen mehrseitigen Zwischenbericht, der den Ratsmitgliedern in der Sitzung im ehemaligen Gasthof Röhrs auch vorlag. „Vor allem aus Helvesiek, Stemmen und Vahlde, also den kleineren Gemeinden, haben wir deutliche Hinweise, dass wir einen zentralen Bauhof brauchen.“ Dort sei der tägliche Betrieb schon eine ziemliche Herausforderung, befand Krüger, gerade wenn der ehrenamtliche Bürgermeister, wie in Helvesiek der Fall, noch berufstätig sei. „Es geht ja auch um eine Qualitätssteigerung – denn gerade in einer kleinen Mitgliedsgemeinde bedarf es beim Thema Arbeitsschutz eine Anpassung.“

Und: „In Lauenbrück gibt es die zusätzliche Situation, dass das Bauhof-Gebäude Mängel aufweist, die behoben werden müssten. Da ist viel Geld zu investieren“, erläuterte er. Darüber hinaus habe aber auch Fintel Bedarf angemeldet – dort, klärte Bürgermeister Wilfried Behrens (SPD) auf, müsse ganz konkret das Dach der Liegenschaft erneuert werden.

Noch keine Standortdiskussion

Zur rechtlichen Ausgestaltung führte Krüger aus, dass ein öffentlich-rechtlicher Vertrag geschlossen werden sollte. Der sehe vor, dass das Konstrukt eines zentralen Bauhofes mitgliederoffen sei. Soll heißen: Selbst wenn nicht alle Gemeinden gleich bekunden würden, das Thema weiter beackern zu wollen, könnten diese später noch dazustoßen.

Was aus seiner Sicht keinen Sinn mache, sei es, schon im ersten Schritt in eine Standortdiskussion zu verfallen. „Man sollte erstmal organisatorisch zusammenfinden und mit dem Personal über das Thema sprechen“, riet der Verwaltungschef. Ob an der Standortsituation gerüttelt werden solle, könne man in fünf bis zehn Jahren dann immer noch sehen.

Und die Finteler Kommunalpolitiker? Die spitzten zwar die Ohren, zeigten sich von den Plänen aber wenig begeistert. „Wir wollen es nicht abblocken, aber speziell die Situation in unserer Gemeinde ist eine besondere – da scheint es schwierig“, verdeutlichte Bürgermeister Behrens, der auch selbst in der Arbeitsgruppe mitgewirkt hat. Was das genau bedeutet, führte Steffen Florin (CDU) aus: „Die Stärke hier ist, dass unsere Bauhof-Mitarbeiter sehr flexibel und kurzfristig viele Sachen erledigen können. Wenn wir das Ganze zentral organisieren, befürchte ich, dass wir nachher über jede Menge Bürokratie und Schreibkram reden werden müssen.“ Durchaus könne er die kleineren Gemeinden gut verstehen, ebenso, dass Lauenbrück Bedarf angemeldet habe, „aber gerade in Fintel sind wir Stand jetzt mit dem Team bestens aufgestellt.“ Zudem, ergänzte Behrens, sehe er auch den hohen Arbeitsaufwand, der in der flächenmäßig größten Mitgliedsgemeinde herrsche: „Wir habe allein 45 Kilometer Gemeindestraßen – dadurch ist unser Bauhof schon massiv ausgelastet.“ Daher halte er es auch für richtig und wichtig, dass die „top-motivierte Mannschaft“, sollte man denn eine Kooperation eingehen, auch in Fintel verbleiben müsste.

Dem konnte SPD-Ratsherr Werner Kahlke nur beipflichten: „Wir haben hier einen relativ funktionierenden Bereich. Je größer der Laden wird, desto weniger identifizieren sich die Mitarbeiter mit dem Ganzen.“ Diese Beobachtung habe er jedenfalls schon in seinem eigenen Berufsleben gemacht. Begeisterung sieht also anders aus – wenngleich Fintels Bürgermeister appellierte, am Grundgedanken der Zusammenarbeit, wie auch immer die aussehen wird, festzuhalten. Tobias Krüger, der eigenem Bekunden nach das Thema noch in den Räten der anderen Mitgliedsgemeinden vorstellen möchte, schloss mit folgenden Worten ab: „Es macht bestimmt Sinn, zu gegebener Zeit die Bauhof-Mitarbeiter zu befragen, wie die sich das vorstellen können.“

Welche Kriterien für einen zentralen Bauhof außerdem noch gelten

• Ein zentraler Bauhof müsste einen umfassenden Leistungskatalog vorweisen, in dem all die Dinge abgebildet werden, die die seperaten Bauhöfe jetzt auch schon wahrnehmen. Der Vorteil: Die Preise wären in einem solchen Verzeichnis tatsächlich benannt und kalkuliert.

• Die Finanzierung würde über die zu erwirtschaftenden Einnahmen generiert werden und eben nicht über die Samtgemeindeumlage.

• Die Mitgliedsgemeinden müssten sich dazu verpflichten, Aufträge an den zentralen Bauhof zu erteilen.

• Der zentrale Bauhof organisiert zwar alles, kann für sich aber auch überlegen, ob er für bestimmte Tätigkeiten einen Dienstleister beauftragt, wie es beispielswiese jetzt schon beim Winterdienst der Fall ist.

• Da es sich bei dem Konstrukt um eine interkommunale Kooperation handeln würde, würde das Steuerrecht fallen. Die Mitgliedsgemeinden hätten so keine Umsatzsteuer mehr für diesen Bereich zu zahlen.

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