Journalist Andreas Malessa empfielt, sich weniger abzuhetzen

Zeit besser nutzen

Vertauschte Rollen: Frau „Schopmann-Schmidt“ (Wiebke Riebesehl) interviewt in Fintel den Journalisten Andreas Malessa. - Foto: hr

Fintel - Von Hannlore Rutzen. Frau „Schopmann-Schmidt“ alias Wiebke Riebesehl interviewte in Fintel mit Witz und Humor den aus Funk und Fernsehen bekannten Journalisten, Autoren und ordinierten Pastor Andreas Malessa. Und, sie legte sogar einen roten „Teppich“ aus.

Vor 120 interessierten Zuhörern gestand Malessa, zum dritten Mal in Fintel zu sein. Das erste Mal mit seiner Schulklasse und dann als Gesangsduo mit Arno Backhaus. Malessa war und ist ein brillanter Redner mit einer warmherzigen Stimme. Der Journalist sprach unterhaltsam über „Wer schneller lebt, wird eher fertig“. Als das Wort Stress vor 1 000 Jahren noch gar nicht bekannt war, habe es ihn schon gegeben. Der Mönch Bernhard von Clairvaux habe sich 1148 um die Gesundheit des Papstes gesorgt und habe empfohlen: Entziehe dich Belastungen, die dich verhärten. Heute hat man das Gefühl: „Öffne ein Fenster (am PC) und Panik bricht aus. Man scheint weniger Zeit zu haben und muss sie besser nutzen“, meinte der Experte.

Quälende Arbeit beispielsweise sei purer Stress, Zusammenarbeit stärkt, beteuern Viele. „Du aber bist in einem Hamsterrad und musst schneller, besser und billiger sein.“ Die Menschen seien teilweise miteinander verkeilt, ziehen nicht mehr, sie werden mitgezogen, werden gelebt und besessen. „Alles für andere geben, für die Gesellschaft, für die Firma, heißt nicht machtvolles Tun, sondern machtvolles Lassen“, meinte Malessa.

Daran sei zu arbeiten. Der Referent empfahl, weniger zu hetzen und sich vom Stress zu verabschieden, auch wenn dadurch das Selbstwertgefühl und die Außendarstellung abgewertet zu sein scheinen.

Sind Zeitsparmaschinen wie Wasch- und Spülmaschinen, Mikrowellen oder Kaffeemaschinen wirkliche Zeitgeschenke und Instrumente gegen den Stressabbau? Was also können wir tun, um uns den stressigen Belastungen zu entziehen?

Unterhaltsam schilderte er an Beispielen: im „Stress sein“ steigert das Selbstwertgefühl (ich werde gebraucht, bin wichtig). Wenn ich meinen Verpflichtungen durch gute Leistungen nachkomme, verringert sich meine Bringschuld gegenüber anderen. Im Stress zu sein lasse sogar den Tod (und das Leben um mich herum) und die Endlichkeit des Lebens vergessen. Ist Stress nicht auch eine „Entschuldigung“, um eine Bringschuld gegenüber Mitmenschen zu ignorieren? Wenn ich ständig im Stress bin und beschäftigt, wie kann ich da alte Gewohnheiten noch bewältigen?

Andreas Malessa resümierte: „Jeder Mensch ist ein Unikat. Sein Leben und seine Zeit stehen in Gottes Hand.“ Durch konsequente Ehrlichkeit wird die Bringschuld verringert. Man könne es nicht allen recht machen. Für die Unzulänglichkeiten und was man anderen schuldig geblieben sei, für Versäumnisse, verpasste Gelegenheiten dürfe man von Gott die Vergebung in Anspruch nehmen. Die rasante Entwicklung in der Technik mache es einem schwer, sein Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten. Egal ob arm oder reich, gebildet oder nicht, welchen Geschlechts auch immer, die Menschen müssten sich nicht durch Leistung beweisen. „Gott nimmt sie so wie sie sind, zu jedem sagt er: Du bist mein Ebenbild“, so der Journalist.

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