Neue Bestimmung für Wohnwagen

Flutkatastrophe: Wie Michaela Mache aus Lauenbrück einer Zirkusfamilie half

Michaela Mache ist glücklich, dass sie einer Zirkusfamilie, die es bei der Flutkatastrophe in Ahrweiler besonders hart getroffen hat, helfen konnte.
+
Michaela Mache ist glücklich, dass sie einer Zirkusfamilie, die es bei der Flutkatastrophe in Ahrweiler besonders hart getroffen hat, helfen konnte.

Lauenbrück – Montagmorgen in Lauenbrück, im Mobilheimpark Aukamp. Auf dem Grundstück von Michaela Mache, direkt neben dem schnuckeligen Holzhäuschen, in dem die 75-Jährige wohnt, klafft seit ein paar Tagen eine Lücke. Die war, wenn sie nicht gerade irgendwo wieder in der Weltgeschichte unterwegs war, stets gefüllt. Mit ihrem Wohnwagen. Den hat sich die frühere Journalistin zugelegt, als sie in Rente ging.

Elf Jahre ist das nun her. Was sie seitdem mit dem Camper schon alles erlebt hat, auf ihren Winter-Reisen nach Frankreich und Spanien zum Beispiel, wo Mache über die WWOOF-Organisation (die Abkürzung steht für World-Wide Opportunities on Organic Farms) auf Biohöfen gearbeitet hat, wäre alleine schon eine eigene Geschichte wert, über die es sich zu berichten lohnen würde. „Ich bin eben heimatlos und doch überall zu Hause“, sagt die freiheitsliebende Lauenbrückerin über sich.

Von einem Zuhause könnten viele Menschen aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, deren Häuser bei der Hochwasserkatastrophe komplett zerstört worden waren, nun erst einmal aber nicht mehr sprechen. Darum habe auch ihr vorgeschwebt, den Opfern im besonders schwer betroffenen Kreis Ahrweiler zu helfen – nicht mit Geld, sondern mit Wohnwagen, als Leihgabe oder zum festen Verkauf. „So hätten die Betroffenen die Möglichkeit gehabt, sofort und ganz unbürokratisch wieder ein Dach über dem Kopf zu haben.“ Dies sei jedenfalls ihr erster Gedanke gewesen, den sie dem Grünen-Ortsverband der Samtgemeinde Fintel auch so vorgestellt habe.

Nur sei eine solche Aktion, wie sie sie angedacht habe, parteiintern auf eher verhaltene Resonanz gestoßen, erzählt die rüstige Seniorin. „Am Ende berichtete mir in einem Telefonat eine persönliche Bekannte, die gerade im Katastrophengebiet war, um dort die Pferde von Freunden zu versorgen, dass den Leuten im Moment ohnehin nicht damit geholfen wäre, ihnen Wohnwagen zur Verfügung zu stellen, weil es dafür gar keinen Platz gäbe.“

Also habe sie das Thema erst einmal fallen lassen – nur um wenige Tage später davon wieder eingeholt zu werden, und das zu ihrer eigenen Überraschung. Was war passiert? „Da mein Camper gar nicht mehr durch den nächsten Tüv gekommen und eine Reparatur für mich zu kostspielig gewesen wäre, habe ich ihn im Internet bei eBay-Kleinanzeigen verkaufen wollen – für 1 200 Euro“, berichtet Mache.

Elf Jahre lang war dieser Wohnwagen treuer Begleiter der Lauenbrückerin. Jetzt dient er anderen als Dach über dem Kopf.

Tatsächlich habe sich auf ihr Inserat ruckzuck auch jemand gemeldet – und zwar nicht etwa, um den Wohnwagen für das private Reisevergnügen nutzen zu wollen, sondern als Ersatzheim. Die Lauenbrückerin klärt auf: „Bei dem Anfragenden handelte es sich um einen vierfachen Vater, der einen Familien-Zirkus betriebt.“ Nun sei eben dieser Zirkus, der zum Zeitpunkt des Hochwassers in Ahrweiler gastiert haben soll, quasi dem Erdboden gleichgemacht worden sein. „Wie ich erfahren habe, soll deren komplettes Gelände abgesoffen sein – mitsamt den Zelten und eben auch den Wohnwagen“, berichtet sie. Und plötzlich muss sie Schmunzeln: „Irgendwie ist es ja auch verrückt: Ich hatte diese Idee – und unabhängig davon kommt sie wieder auf mich zu.“

Michaela Mache musste nicht lange überlegen – und verkaufte an den notgeplagten Mann. „Er hat mir dann noch 750 Euro gegeben, verschenken wollte ich meinen alten Wohnwagen nämlich auch nicht ganz.“ Noch am selben Abend hätten Zirkusmitarbeiter den Hänger, der ihr über so viele Jahre auf Reisen ihr treuer Begleiter war, abgeholt – inklusive dem kompletten Mobiliar. „Das waren zwei wirklich ganz zauberhafte Jungs“, erinnert sie sich an das Treffen, das aber nur von kurzer Dauer gewesen sei.

Denn: „Damit die Familie wenigstens so schnell wie möglich wieder ein Dach über dem Kopf hat, wollten sie gleich in der Nacht wieder zurückfahren.“ Nur hätten sie dabei den Schlüssel für die Wohnwagentür bei ihr liegengelassen. „Natürlich habe ich gleich am nächsten Tag bei dem Zirkus-Chef angerufen – der meinte aber, man habe die Tür auch schon ohne Schlüssel geöffnet bekommen.“ Den Käufer habe sie noch gefragt, was seine Familie denn noch brauchen könnte – mit der Antwort, dass noch ein oder zwei Wohnwagen vonnöten seien. „Daraufhin habe ich bei eBay-Kleinanzeigen entsprechend einen Aufruf gestartet – der hat aber leider nichts gebracht“, bedauert die 75-Jährige.

Inzwischen, habe sie erfahren, seien die Mitglieder der Zirkusbelegschaft auch schon alle irgendwo untergekommen. Den Kreis Ahrweiler habe die Familie mitsamt ihrem ehemaligen Wohnwagen bereits verlassen können. Auf ein Leben „ohne“ will die Lauenbrückerin aber auch in Zukunft nicht verzichten. „Ich werde mir ganz sicher noch einen Neuen zulegen“, sagt sie. Danach soll es mit ihrer Hündin nämlich wieder auf Tour gehen – wohin auch immer das sein wird.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Meistgelesene Artikel

Kleine Proteste beim „Zukunftsgespräch“ <br/>mit Lars Klingbeil und Olaf Scholz

Kleine Proteste beim „Zukunftsgespräch“
mit Lars Klingbeil und Olaf Scholz

Kleine Proteste beim „Zukunftsgespräch“
mit Lars Klingbeil und Olaf Scholz
380 000 Euro für Sofortmaßnahmen in der Rotenburger Innenstadt

380 000 Euro für Sofortmaßnahmen in der Rotenburger Innenstadt

380 000 Euro für Sofortmaßnahmen in der Rotenburger Innenstadt
Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg ausgerufen

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg ausgerufen

Warnstufe 1 für den Landkreis Rotenburg ausgerufen
Pläne für Visselhöveder „Altensiedlung“: Eigentümer will bauen

Pläne für Visselhöveder „Altensiedlung“: Eigentümer will bauen

Pläne für Visselhöveder „Altensiedlung“: Eigentümer will bauen

Kommentare