Kommunalwahl

Wissen, wann Schluss ist: Vahldes Bürgermeister Jürgen Rademacher gibt sein Amt auf

Mahr als zwölf Jahre hat er die Geschicke der Gemeinde Vahlde als Bürgermeister geleitet. Sein Amt legt Jürgen Rademacher demnächst in jüngere Hände.
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Mahr als zwölf Jahre hat er die Geschicke der Gemeinde Vahlde als Bürgermeister geleitet. Sein Amt legt Jürgen Rademacher demnächst in jüngere Hände.

Vahlde – Wenn Anfang November in Vahlde der neue Gemeinderat zur konstituierenden Sitzung zusammenkommt, wird auch er wieder im Dorfgemeinschaftshaus dabei sein. Nicht als Bürgermeister, der er dann unterm Strich zwölfeinhalb Jahre gewesen sein wird. Nein, dieses verantwortungsvolle Amt will Jürgen Rademacher nun endgültig hinter sich lassen. „Natürlich möchte ich meinem Nachfolger dann aber noch ganz offiziell alles Gute wünschen“, so der 65-Jährige.

Ganz bewusst sagt der CDU-Mann „Nachfolger“, habe doch Tobias Koch, sein gegenwärtiger Stellvertreter von der SPD, schon angekündigt, die Geschicke des Dorfes weiterlenken zu wollen. Ein Vahlder Bürgermeister aus dem sozialdemokratischen Lager – noch dazu einer, der knapp 30 Jahre jünger ist? Rademacher weiß „sein“ Dorf mit Koch in gute Hände gelegt, denn Parteiengeplänkel, betont der Landwirtschaftsmeister, habe es im Rat eh noch nie gegeben. Ganz im Gegenteil: „Ich glaube, wir sind der verrückteste Rat im ganzen Landkreis, der auch schon mal spontan selbst Hand anlegt, wenn es um Wegeausbesserungen geht oder um das Aussägen von Totholz.“

Harmonie bestimmt in Vahlde die Politik. Und das soll seinen Vorstellungen nach auch nach der Kommunalwahl so bleiben. Er selbst kandidiert nicht mehr für einen Sitz, über die überparteiliche Wählergemeinschaft, wohl aber einmal mehr für ein Mandat im Finteler Samtgemeinderat, in dem er seine Fraktion bisher als Vorsitzender angeführt hat. So ganz könne er die Finger von der Politik eben doch nicht lassen, räumt Rademacher in einem für ihn ganz typischen spitzbübischen Ton ein. „Außerdem gibt es in den nächsten fünf Jahren in der Samtgemeinde noch einige Aufgaben, bei denen meiner Meinung nach Erfahrung gefragt ist.“ Das Thema Schule nennt er, ebenso die Feuerwehr und die Kindergärten.

Und politische Erfahrung, die bringt er mit. 1981 ist Rademacher das erste Mal in den Vahlder Gemeinderat gewählt worden. Da war er gerade mal 25. Mit 40 sollte er dann schon Bürgermeister werden. „Bei uns in Vahlde ist es ja so, dass derjenige, der die meisten Stimmen bekommt, auch das Amt annehmen soll.“ Er habe seinerzeit noch darauf verzichtet, erzählt er. „Mir wurde der Druck irgendwann einfach zu groß – das wollte ich nicht.“ Rademacher legte eine Pause von der Politik ein, die immerhin zehn Jahre währen sollte. Er wandte sich anderen ehrenamtlichen Aufgaben zu, im Vorstand der Kirchengemeinde Fintel etwa. Um zu rekapitulieren, wo er in seinem Leben sich sonst noch engagiert hat, muss er einen Spickzettel zücken: 30 Jahre im Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft Fintel, zehn Jahre Schöffe am Verdener Landgericht, 20 Jahre Vorsitzender der Jagdgenossenschaft, Tätigkeiten im Wasser- und Bodenverband und zwölf Jahre Kirchenvorsteher – die Liste ist lang. „Da kommen rund 150 Jahre ehrenamtliche Arbeit zusammen – und ich habe immer gewusst, wann Schluss ist“, sagt er. Hinterherbetteln sei eben nicht so sein Ding.

Ich glaube, wir sind der verrückteste Rat im ganzen Landkreis.

Jürgen Rademacher

Auch mit Blick auf sein Bürgermeisteramt, in das er 2006 hineingewählt worden war, welches er sich eine halbe Legislaturperiode aber noch aus Gründen der Einarbeitung mit seinem Vorgänger Arthur Behrens geteilt hatte, sieht er jetzt den für ihn richtigen Zeitpunkt gekommen, Schluss zu machen. Klar, Spaß habe ihm der Job eigentlich fast immer gemacht, wenngleich der im Laufe der Jahre auch immer arbeits- und zeitintensiver geworden sei. Nebenberuflich, meint der 65-Jährige, könne man das Ganze heute sicher nicht mehr stemmen. „Ich habe noch Glück, weil ich meine Landwirtschaft in den letzten Jahren schon reduziert habe.“ So macht er auch kein Geheimnis daraus, dass er einen Gemeindedirektor, wie er gerade in der Politik diskutiert wird, der dann gewisse Verwaltungsaufgaben delegiert und so die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden entlasten könnte, unbedingt befürwortet. „Die Zusammenarbeit mit der Samtgemeindeverwaltung hat aber auch sonst immer prima geklappt“, betont er.

Demnächst erwartet der Noch-Bürgermeister das fünfte Enkelkind. Auch dies, meint er, sei ein Grund, mal ein paar Gänge zurückzuschalten. Er wolle jetzt, mit 65, wieder mehr für seine Familie da sein. „Irgendwann sind meine Aktivitätsreserven ja auch mal aufgebraucht – da kam in der Kombination Fraktionsvorsitz und Bürgermeister schon eine Menge zusammen.“

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An welche das Dorf prägenden Projekte er sich in den zurückliegenden zwölfeinhalb Jahren noch besonders gut erinnert? Den Umbau des Dorfgemeinschafshauses und des Kindergartens im Jahre 2009 nennt Rademacher einen Meilenstein. „Das waren mal eben 600.000 Euro, die wir damals verbraten haben.“ Auch der Krippenanbau 2017 sei für „seinen“ Rat eine Hausnummer gewesen. Und dann habe er ja noch gemeinsam mit einem Notar die Grundstücke im Baugebiet am Baumtor verkauft.

Bevor er den Staffelstab im November also mit einem guten Gefühl an den Nachfolger weiterreichen wird, sollen unter seiner Federführung noch drei im Haushaltsplan enthaltene Posten abgearbeitet werden. Es gehe um eine Friedhofsangelegenheit, nennt er eine Baustelle, für das geplante neue Feuerwehrhaus müsse darüber hinaus noch die Standortfrage geklärt werden. Und Geschwindigkeitsmessegeräte sollen im Dorf auch noch Einzug halten. „Im Grunde passiert in den nächsten Jahren dann nicht mehr viel “, weiß Rademacher. Die trockenen Tücher lassen grüßen.

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