Rückblick: Fintels Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger im Gespräch

„Wir konnten weiterarbeiten“

Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger
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Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger

Lauenbrück – Corona-Pandemie? Ja. Aber nicht ausschließlich hat sie das Jahr in der Samtgemeinde Fintel geprägt. Sondern auch besondere Ideen und Gedanken. Welche, darüber haben wir ein Gespräch mit Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger geführt.

Herr Krüger, das Jahresende wird auch gerne als Zeit des Rückblicks genutzt. Was ist aus Ihrer Sicht in der Samtgemeinde 2020 positiv verlaufen?

Ein ungewöhnliches Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Das Leben war und ist geprägt durch den Umgang mit der Coronapandemie. Während des Lockdowns im Frühjahr, als noch vieles still stand, haben sich inzwischen an vielen Stellen für den Alltag neue Lösungen entwickelt. So konnten wir auch an allen wichtigen Themen in der Samtgemeinde Fintel weiterarbeiten. Im Bereich der Digitalisierung haben wir große Fortschritte gemacht. Positiv hervorheben möchte ich auch, dass es uns gelungen ist, das ganze Jahr über die Betreuung in den Kindertagesstätten und die Ganztagsbetreuung in den Schulen im Rahmen der Corona-Bestimmungen aufrechtzuerhalten. Auch der Betrieb der Rathäuser und der Abwassereinigungsanlage konnte gewährleistet werden.

Und was hat eher nicht so gut geklappt?

Der Neubau des Feuerwehrhauses in Helvesiek und die Erweiterung der Grundschule in Lauenbrück sind nicht so gut vorangekommen wie gehofft. Der Spatenstich für den Neubau des Feuerwehrhauses in Helvesiek ist erst im November erfolgt. Wir wollten schon deutlich weiter sein. Die Bürokratie, als Vergaberecht verkleidet, hat uns hier einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Die Ausschreibung für die Erweiterung der Grundschule in Lauenbrück läuft bereits. Es gibt gleich mehrere Firmen, die Interesse an der Ausführung bekundet haben. Dies ist die gute Nachricht.

Und die schlechte?

Dass wir Zeit verloren haben, weil das beauftragte Planungsbüro keine Hilfe war. Mittlerweile haben wir für klare Verhältnisse gesorgt und einen neuen Partner für die Begleitung des Projekts gewonnen.

Wie ist Fintel bisher durch die Corona-Krise gekommen?

Ich bin mir sicher, dass jeder hierzu seine eigene Einschätzung hat. Für die Samtgemeindeverwaltung kann ich sagen, dass wir uns mit der Zeit den Gegebenheiten angepasst haben.

Welches war für Sie eigentlich der arbeitsintensivste Monat dieses Jahres und warum?

Der März war schon ein besonders intensiver Monat, geprägt von täglichen Sitzungen im Krisenstab. Gerade die erste Zeit des Lockdowns war eine große Herausforderung für alle.

Stichwort HVV: Hat sich der Beitritt Lauenbrücks gelohnt?

Aktuelle Nutzerzahlen liegen nicht vor und wären auch durch die Corona-Pandemie nicht aussagekräftig. Die Pandemie wird aber nachhaltig das Arbeitsumfeld beeinflussen. Das Thema Homeoffice wird in immer mehr Branchen zur Normalität. Oft auch als Kombination mit einzelnen Präsenztagen im Büro. Das Homeoffice im Zuhause auf dem Lande mit dem Bahnanschluss an die Metropolen Hamburg und Bremen wird für immer mehr Menschen zur Idealvorstellung. Die weiterhin hohe Nachfrage an Baugrundstücken in der Samtgemeinde bestätigt dies.

Noch wichtiger wäre allerdings doch ein schneller Internetanschluss.

Richtig. Aus diesem Grund sind für die nächsten Jahre ja auch rund zwei Millionen Euro für den weiteren Glasfaserausbau in der Samtgemeinde eingeplant. Dieser Betrag wird noch vervielfacht durch Zuschüsse vom Landkreis sowie Bund und Land.

Wie sah es im Bereich Wohnungsbau aus?

Die Bauleitplanung für neue Baugebiete in den Gemeinde Fintel und Vahlde ist abgeschlossen. Derzeit wird die Erschließung durch die Gemeinden vorbereitet. In Fintel sollen die Arbeiten möglichst im Frühjahr beginnen, sodass mit der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts „In den Drohn“ zum kommenden Herbst zu rechnen ist. Auch in Helvesiek und Stemmen läuft die Planung für weitere Baugebiete. Für die Ausweisung von Wohnbauflächen im Bereich „Richterkamp“ konnte die Gemeinde Lauenbrück die Gesellschaft für Entwickeln und Bauen, eine Tochtergesellschaft der Volksbank Lüneburger Heide, gewinnen. Die GEB führt die bisherigen Planungen weiter.

Wo drückt beim Thema Gewerbeansiedlung noch der Schuh?

In Fintel konnte sie tatsächlich vorangebracht werden. Die Gespräche zwischen allen Beteiligten lassen annehmen, dass in 2021 die planerischen Voraussetzungen für weitere Gewerbeflächen erfolgen können. Die Entwicklung in Lauenbrück kommt hingegen nicht voran. Es gibt zwar konkrete Konzepte und Kaufinteressenten, es mangelt aber an der Verkaufsbereitschaft von Grundstückeigentümern um die Ausweisung zu ermöglichen. Hierbei geht es nicht einmal um die Höhe des Kaufpreises, sondern darum, dass nur ein Tausch von Flächen in Frage kommt.

Was gilt es im kommenden Jahr zu bewältigen? Wo kann sich die Samtgemeinde weiterentwickeln?

In diesem Jahr haben wir uns neben der Erweiterung der Grundschule in Lauenbrück auch mit dem Raumkonzept der Grundschule Fintel sowie der Fintauschule beschäftigt. Der Bund hat ein kurzfristiges Förderprogramm für Investitionen in Grundschulen mit Ganztag angekündigt. Womöglich werden wir schon kurzfristig die Weichen für umfangreiche Investitionen an der Grundschule Fintel stellen. Im Sommer fand übrigens auch die Auftaktveranstaltung politischer Vertreter der Samtgemeinde und aller Mitgliedsgemeinden für das Projekt „Weiterentwicklung in der Samtgemeinde Fintel und ihrer Mitgliedsgemeinden“, kurz WiSuM, statt. Dieses Projekt ist bisher einmalig hier in der Samtgemeinde und verfolgt das Ziel, Synergiemöglichkeiten in der Zusammenarbeit zwischen Samtgemeinde und Mitgliedsgemeinden aufzuzeigen. Beispielsweise unterhält aktuell neben der Samtgemeinde jede der fünf Mitgliedsgemeinden einen eigenen Bauhof in unterschiedlicher Größe. Hier drängt sich die Frage auf, ob eine organisatorische Zusammenlegung aller Bauhöfe nicht sinnvoll ist.

Ziel ist es also, Kosten zu reduzieren wo möglich?

Oder zumindest die Qualität der Dienstleistung zu verbessern. Und dafür gibt es noch viele Beispiele. Die Details sind so umfangreich, dass wir alleine hierüber einige Stunden sprechen könnten. Geplant ist, dass wir im kommenden Jahr hierzu neben schriftlichen Informationen auch öffentliche Veranstaltungen anbieten. In Zeiten von Corona bleibt abzuwarten, in welcher Form wir dies ermöglichen können. Anregungen und Verbesserungsideen aller Art nehmen wir schon jetzt gerne entgegen. Einfach eine E-Mail an kontakt@sgfintel.de mit dem Stichwort WiSuM senden.

Und das Thema kommunaler Klimaschutz?

Anfang 2021 wollen wir einen Klimamanager einstellen und das Thema intensiver voranbringen. Die Personalkosten werden übrigens mit 75 Prozent gefördert.

Die Haushaltslage sieht derzeit alles andere als rosig aus. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Im Moment werden die Kommunen mit viel Geld vom Landkreis, Land und Bund unterstützt. Ich habe lange nicht mehr so entspannte Haushaltsplanberatungen wie für das Jahr 2021 erlebt. Für das kommende Jahr planen wir mit einem Überschuss. Die Herausforderung kommt aber in den nächsten Jahren. Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung und den zu erwartenden Steuereinnahmen sind aktuell nicht möglich. Tendenziell rechne ich aber mit geringeren Einnahmen. Auf der anderen Seite wollen wir die Einnahmesituation durch Erträge aus den Baulandverkäufen der nächsten Jahre verbessern. In Kombination mit der kritischen Prüfung von Einsparmöglichkeiten haben wir rechtzeitig die Weichen gestellt, um die finanzielle Situation beherrschbar zu gestalten.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2021?

Dass wir durch Corona-Impfungen und sorgsamen Umgang mit Hygieneregeln zur Normalität zurückkehren können.

Es ist Ihr letztes Jahresrückblick-Interview, das sie unserer Zeitung geben. Bei der Bürgermeisterwahl nächstes Jahr treten Sie nicht wieder an. Gibt es schon konkrete Pläne für „die Zeit danach“?

Aktuell gibt es für mich einige Optionen, aber noch nichts Konkretes. Jeder, der mich kennt, weiß aber, dass ich nichts dem Zufall überlasse und natürlich einen Zeitplan habe.  lw

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