Schwarzstorch-Projekt

Wildkameras dokumentieren Bruterfolg

Alfred Nottorf mit einem Bild, das zwei Schwarzstörche zeigt.
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Alfred Nottorf setzt sich seit vielen Jahren für den Schwarzstorch ein.

Stemmen/Unterlüß – 15 Wildkameras sind in vielen Teilen Niedersachsens auf Horste des streng geschützten und sehr seltenen Schwarzstorchs gerichtet worden. Dabei handelt es sich um ein bisher einmaliges Projekt der Niedersächsischen Landesforstverwaltung und der Staatlichen Niedersächsischen Vogelschutzwarte. Waldökologen und Vogelschützern geht es darum, sich mithilfe der Technik ein möglichst umfassendes Bild über die aktuelle Situation der scheuen Waldbewohner zu machen.

Ihre Bruterfolge gehen „insbesondere im niedersächsischen Flachland schleichend aber stetig zurück”, heißt es in der Projektskizze. Liegt es an der steigenden Prädatoren-Lage, also an Räubern wie zum Beispiel dem Uhu, Seeadler und dem Waschbär, die zum Zweck ihrer Nahrungsaufnahme Horste plündern und Schwarzstorch-Nachwuchs töten?

Betreut wird das auf drei Jahre angelegte Projekt von Christoph Rothfuchs, Förster für Waldökologie beim Forstamt Unterlüß (Kreis Celle). Er arbeitet dabei eng mit dem Stemmer Alfred Nottorf zusammen, der Beauftragter für Nordniedersachsen der Vogelschutzwarte und zudem Schwarzstorch-Spezialist ist. Die beiden Männer kennen sich seit bereits 30 Jahren, denn Rothfuchs war von 1990 bis 2005 als Förster für Waldökologie beim Forstamt Rotenburg tätig.

Die Wildkameras sind in einer Reihe niedersächsischer Wälder installiert worden, darunter im Wendland, der Südheide sowie im Elbe-Weser-Dreieck. Die Tiere würden dadurch nicht gestört. Das sei jetzt bei beginnender Brutzeit auch besonders wichtig. Rothfuchs: „Da in der Schwarzstorch-Betreuung die Ruhigstellung der Horst-Zonen absolute Priorität hat, werden von den Betreuern nur der Brutbeginn und zum Schluss der Bruterfolg beziehungsweise der Brutabbruch dokumentiert. Bis auf die zwei Besuche werden die Horste während der Brutzeit nicht aufgesucht. Bei Brutabbruch kann über die Gründe oft nur spekuliert werden. Derzeit wird von einer gesteigerten Prädatoren-Lage insbesondere durch Seeadler und Waschbär ausgegangen.”

Die aktuelle Situation in den drei Horsten des Landkreises Rotenburg kann Alfred Nottorf in regelmäßigen Abständen per Kamera und gestochen scharfen Bildern auf seinem Laptop abrufen.

Der 82-jährige Stemmer schätzt die offensichtlichen Vorteile dieser Möglichkeit, vergisst dabei aber nicht den Stellenwert der „echten” Natur: „Die Möglichkeiten, die die Technik bietet, sind für unsere Arbeit hochinteressant und wichtig. Dadurch werden die notwendigen Horstkontrollen vermieden und riskante Störungen der sensiblen Schwarzstörche ausgeschlossen. Aber trotzdem gilt für mich weiterhin: Das unmittelbare Naturerleben möchte ich auch künftig auf keinen Fall missen.”

In der Projektskizze heißt es: „Erste Versuche mit dem Anbringen von Wildkameras ergaben erstaunliche Erkenntnisse. So konnte in einem Fall eindeutig die Prädation durch einen jungen Seeadler nachgewiesen werden.“ In Schleswig-Holstein hätten sich mehrere Kolkraben an den Nestern vergriffen. „Es gab bei den wenigen Versuchen mit Wildkameras an Schwarzstorch-Horsten auch Hinweise auf innerartliche Auseinandersetzungen.”

Die Wildkameras sollen Aufschlüsse über die Bruterfolge der scheuen Vögel bieten.

„Das Projekt”, betont Forstamtmann Rothfuchs, „soll ein klares Bild liefern, welches die Ursachen für die Brutabbrüche sind. Bei natürlichen Prädatoren-Hintergründen wird man beim konkreten Horstschutz nicht viel verbessern können. Sollte der Waschbär als vornehmlicher Prädator nachgewiesen werden, müssten gezielte Horstschutz-Maßnahmen in der Zukunft angedacht werden.”

Sollte das Projekt, das sich zunächst auf einen Zeitraum von drei Jahren erstreckt, noch wichtige Fragen offenlassen, kann und soll es verlängert werden.

Fast 60 Jahre beschäftigt sich Alfred Nottorf mit der Bestandsermittlung und den Schutzmaßnahmen für den Schwarzstorch für die Vogelschutzwarte mit Sitz in Hannover. Ein Vogel, der ihn fasziniert. Die Begeisterung habe bei ihm der bekannte Hobby-Ornithologe Ludwig Müller-Scheessel aus Rotenburg ausgelöst. Müller-Scheessel hatte sich sehr für die Wiederverbreitung des Brutvogels, dessen Bestand in Niedersachsen nahezu erloschen war, eingesetzt. Die Population erholte sich nach 1950 nach und nach. Nicht zuletzt durch die unermüdliche Naturschutzarbeit von Alfred Nottorf und seinen Freunden, zu denen auch der Burgdorfer Christoph Rothfuchs und der Rotenburger Norbert Fiebach gehört.

Nottorf hat zusammen mit Mitstreitern in vielen Teilen Deutschlands Schwarzstorch-Horste neu eingerichtet und repariert und ist auch noch heute aktiv. „In Deutschland wird der Bestand der Schwarzstorchpaare auf circa 800 und in Niedersachsen auf etwa 50 bis 70 geschätzt.” Der Stemmer arbeitet im Auftrag der Vogelschutzwarte und wird immer wieder von Landes- und kommunalen Forst- und Naturschutzbehörden um Rat und Hilfe gebeten. „Erst vor wenigen Wochen war ich auf Einladung der Unteren Naturschutzbehörde im Ennepe-Ruhr-Kreis zwischen Düsseldorf, Essen und Wuppertal zur Beratung und zum Bau einer künstlichen Horstunterlage.”

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