1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg
  4. Fintel

Anwohner sind verärgert über Randale auf dem Lauenbrücker Grundschulgelände

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lars Warnecke

Kommentare

Noch ist der Bürgerweg, der über das Schulgelände führt, für Hunde gesperrt. Eine Aufhebung dieses Verbotes würde abends aber für mehr Durchgangsverkehr und damit für eine soziale Kontrolle sorgen.
Noch ist der Bürgerweg, der über das Schulgelände führt, für Hunde gesperrt. Eine Aufhebung dieses Verbotes würde abends aber für mehr Durchgangsverkehr und damit für eine soziale Kontrolle sorgen. © Warnecke

Für die einen ist es ein großer Spaß, für andere unerträglicher Lärm: Nächtliche Treffen von Jugendgruppen auf dem Gelände der Lauenbrücker Grundschule sind für einige Anwohner zum Problem geworden. Das Thema kochte jetzt im Jugend- und Sozialausschuss der Gemeinde hoch.

Lauenbrück – Es scheint der Vorführeffekt zu sein: Weder Jugendliche noch Mengen herumliegenden Mülls sind an diesem späten Abend in Lauenbrück auf dem Gelände der Grundschule an der Wümme zu sehen. Der kleine Fußballplatz dort gilt als Treffpunkt von jungen Erwachsenen. Anwohner, deren Terrassen teils direkt zu dem schlecht einsehbaren Gelände weisen, berichten von wilden Bolzpartien, Alkoholgelagen und Vermüllung.

Und von verbalen Attacken auf sie. Tanja Schwiebert-Knipp und Holger Holste zählen zu den leidtragenden Nachbarn. Beide wohnten sie am Donnerstag dem Lauenbrücker Jugend- und Sozialausschuss bei, um ihrem Ärger gehörig Luft zu machen. „Es ist einfach nicht mehr zumutbar!“, befand Schwiebert-Knipp mit Blick auf die nächtlichen Ruhestörungen, die vor allem im Frühjahr und Sommer überhandgenommen hätten. „Für uns Anwohner wäre es wichtig, dass das Gelände umzäunt und abends abgesperrt wird.“

Ein entsprechender Antrag lag dem Ausschuss auch schon in schriftlicher Form vor. Er gab überhaupt Anlass, das Thema mit auf die Tagesordnung zu setzen. Früher, erklärte die Mutter von zwei Kindern, habe man mit den jungen Leuten wenigstens noch reden können, woraufhin die sich in der Regel auch einsichtig gezeigt hätten und weitergezogen seien. „In den letzten Jahren ist das aber nicht mehr machbar – heute wird man einfach nur bepöbelt.“ Zwar habe sie schon mal bei der Polizei angefragt, was man in der Sache machen könne, „die hat mir aber dazu geraten, lieber nichts zu sagen.“ Eine Empfehlung, für die auch Holste, ihr Mitstreiter, kein Verständnis habe: „Die da rumlaufen und auch schon mal bis morgens um fünf ihre wilden Partys feiern, kommen teilweise mit Autos von auswärts angefahren“, will er beobachtet haben. Eine Gruppe komme, eine andere gehe. „Weder die Samtgemeinde macht etwas noch die Polizei. Nur wenn Regeln aufgestellt werden, dann muss man dafür sorgen, dass die auch eingehalten werden.“

Schild weist auf Spielregeln hin

Tatsächlich weist am Eingang zum Pausenhof ein Schild großformartig auf gewisse Spielregeln hin. So heißt es an einer Stelle: „Außerhalb der Schulzeit sowie außerhalb von Sonn- und Feiertagen ist eine sachgemäße und pflegliche Nutzung des Schulhofes und der Spielgeräte für Kinder bis zwölf Jahre sowie beaufsichtigende Begleitpersonen bis zum Einbruch der Dämmerung, längstens jedoch bis 19 Uhr gestattet.“

Sie jedenfalls plädiere dafür, dass die Gemeinde einen „vernünftigen“ Ort schaffe, wo Kinder und Jugendliche über zwölf Jahren sich aufhalten dürften. Da gebe es in Lauenbrück ihren Worten nach noch zu wenig Möglichkeiten. „Deshalb sind die jungen Leute ja auch auf dem Schulhof, aber auch an der Tankstelle, am Bahnhof und an den Bushaltestellen.“

Der Bolz- und Spielplatz neben der Grundschule hat für jugendliche Gruppen offenbar eine besondere Anziehungskraft.
Der Bolz- und Spielplatz neben der Grundschule hat für jugendliche Gruppen offenbar eine besondere Anziehungskraft. © -

Wie Ausschussvorsitzende Anja Oppermann (SPD) ausführte, sei das Schulgelände normalweise Angelegenheit der Samtgemeinde Fintel. Allerdings sei der quer über das Gelände führende Bürgerweg ein Gemeinderecht, was auch dazu führe, dass der auch außerhalb des Schulbetriebes offengehalten werde. Warum man nicht einfach das noch geltende absolute Hundeverbot für diesen Weg aufhebe, wollte Ratsfrau Tanja Bladauski (SPD) wissen. „So hätte man das belebter und die Jugendlichen würden dort abends nicht mehr alleine sitzen“, schlussfolgerte sie. Das Verbotsschild abzunehmen, griff Bürgermeister Jochen Intelmann (SPD) den Faden auf, wäre wiederum Sache der Samtgemeinde. „Da könnten wir sie ja mal zu auffordern.“

Karin Stabbert-Flägel, beratendes Mitglied im Gremium, brachte zur Problemlösung noch einen weiteren Gedanken ins Spiel: „Man sollte schon die Samtgemeinde bitte, dort ordnungsrechtlich tätig zu werden und unter Umständen ein Hausverbot auszusprechen“, erklärte die SPD-Frau, die selbst früher im Polizeidienst tätig war. „Wenn dann der Fall eintritt, dass jemand wiederholt auffällt, dann ist die Polizei verpflichtet, eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch aufzunehmen.“

Zielgruppe verfehlt

Von einem gänzlichen Abschotten des Geländes, wie es ebenfalls zur Diskussion stand, riet Alexandra Aeplinius (SPD) indes ab. „Generell sollte man es für kleinere Kinder als Ergänzung zu unseren Spielplätzen offenhalten“, befand sie. Wichtig sei es ihrer Meinung nach in der Tat, attraktive Alternativen zu schaffen, wo die Gruppen sich treffen könnten. Nur würden die vor dem Hintergrund, dass sie mitunter von auswärts kämen, ja eigentlich gar nicht zu der Zielklientel zählen, verdeutlichte Arne Homfeldt (CDU). Da müssten schon andere Maßnahmen greifen.

Dass sich das Problem in den kommenden Sommerferien, mit Beginn der Bauarbeiten für den neuen Grundschulkörper, ganz sicher schlagartig von selbst lösen werde, darauf verwies Ingo Norrenbrock (SPD), der ebenfalls ein Beratermandat im Ausschuss innehat: „Dann wird durch die Baustelle auf der Seite kein Fußballspielen mehr möglich sein – der Bereich ist dann durch einen Bauzaun abgesichert.“ Auch langfristig gesehen sei mit nächtlichen Ruhestörungen wohl nicht mehr zu rechnen, betonte Intelmann. „Dort wird nie wieder ein Fußballplatz hinkommen – jetzt sind es noch maximal vier Monate, in denen man die Fläche nutzen kann.“ Sei die neue Schule im Sommer 2023 fertig, könne man das komplette Gelände auch einzäunen und abends abschließen. „Das wäre wünschenswert“, kommentierte es Tanja Schwiebert-Knipp.

V

Auch interessant

Kommentare