Serie: 60 Minuten

Lauenbrücker Feuerwehr macht Knut-Tag zum Dorf-Spektakel

Die Mitglieder der Jugend-Feuerwehr packten ordentlich mit an, um die eigene Kasse mit Spendengeldern zu füllen.

Lauenbrück – Samstagnachmittag in Lauenbrück: Schon von Weitem lässt sich erahnen, dass im Schwarzen Weg etwas los ist. Junge Männer auf Fahrrädern, Familien mit leeren Bollerwagen und ein Jugendlicher mit einer selbst gebauten XXL-Holzschubkarre, die an einen Sarg erinnert, kommen vom Feuerwehrhaus. Die Fracht der Neuankömmlinge wird von eilfertigen Jugendlichen in Feuerwehrkleidung schon erwartet: „Das sind wieder drei“, ruft ein Junge. Gemeinsam mit zwei Kumpels rennt er einer Gruppe älterer Herrschaften entgegen. Die beiden Tannenbäume, die ein Herr mittleren Alters hinter sich her schleift, werden ebenso beschlagnahmt wie das mit einem Seil an einen Gepäckträger gebundene Exemplar. Von noch mehr Kreativität beim Transport zeugt ein auf ein Rollbrett geschnallter Schlitten.

Hinter der Würstchenbude steht ein Container, bis zum Rand voll mit Tannen gefüllt; die Jugendlichen, die darauf thronen, nehmen alle Bäume an bis auf einen; der wird von zwei jungen Brandschützern zerkleinert und landet in einer Feuertonne. Die ist auch nötig, es ist nur wenige Grad über Null. Wer länger steht – und das tun die meisten hier, schließlich geht es nicht primär um die Entsorgung des pieksigen Grüns, sondern auch um einen gepflegten Klönschnack –, weiß die Wärme zu schätzen, ebenso wie den gereichten Glühwein. „Wart ihr Weihachten bei den Eltern?“, „Musst du schon wieder arbeiten?“, „Hattest du Neujahr auch so'n Schädel?“ oder „Meine Heizung ist ausgefallen“, sind nur einige der Gesprächsfetzen.

Kinder mit Eltern, die Roller auf dem großen gepflasterten Vorplatz vor dem Feuerwehrhaus geparkt, nehmen den Rüstwagen mit all seinen offenen Klappen in Augenschein, das sorgsam mit roten und gelben Kabeln, Funkgeräten und allerlei Technik bestückt ist. Ganz Mutige lassen sich auf den Beifahrersitz hieven. Mütter schießen ein paar Schnappschüsse mit dem Handy.

An den Köpfen derer, die in Grüppchen zusammenstehen, fliegt immer mal wieder ein Tannenbaum vorbei, begleitet von Gelächter oder andächtigen „Ohhhh“-Rufen – je nach Flugweite. Der Weitwurf-Wettbewerb zum Knut-Tag ist neu; auch wenn es nur 50 Cent sind, die pro Versuch, die anderen zumeist „starken Männer“ zu übertrumpfen, zu den Spenden und Erlösen aus dem Getränkeverkauf in die Kasse der rund 20 Mitglieder zählenden Jugendfeuerwehr fließen – es läppert sich. Eine Stunde nach dem Start haben sich schon mehr als 30 zumeist männliche Kontestanten im Weitwurf geübt; die Bestmarke steht, wie sich aus der Liste entnehmen lässt, derzeit bei stolzen 5,97 Meter. Ein ungefähr 14-Jähriger wirft zwei Meter. Einer seiner Freunde lächelt mitleidig, die anderen feixen. „Wo ist die Abwurfgrenze?“, will ein Mann wissen. Seine Technik lässt vermuten, dass er die schottischen Hochlandspiele mit dem legendären Baumstammwurf im Kopf hat; allein, die Spitze landet ganze 2,50 Meter entfernt. „Niedlich“, meint der Werfer, um es gleich noch mal zu probieren.

Derweil werden zwischen Pommes und Bratwurst heiße Tipps gehandelt: „Du musst am Stamm anfassen, sonst wird das nichts!“ Doch auch im zweiten Versuch sichert er sich keinen der drei ausgesetzten Preise, zwei Getränkegutscheine und ein Tannenbaumgutschein fürs kommende Fest.

Die meisten Besucher hat es an die Biertischgarnituren im Feuerwehrhaus verschlagen. „Na, Ortsbrandmeister“, so eine humorige Anrede, „alles fürs Osterfeuer?“ Nein, erklärt der Angesprochene, die Tannenbäume wurden in einer örtlichen Anlage zu Hackschnitzel für eine örtliche Heizungsanlage verarbeitet. In den Genuss der Energie kommen – voll nachhaltig – unter anderem das Rathaus und ein Seniorenheim.

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