Ortsfeuerwehr Helvesiek verlegt ihre Übungsdienste komplett ins Internet

Wasser marsch in der virtuellen Welt

Haben aus der Not eine Tugend gemacht: Dank Ausbildungsleiter Jan Bald (l.) und Gruppenführer Bernd Viets können die Helvesieker Brandschützer ihr Wissen ganz anschaulich und interaktiv über Whatsapp auffrischen.
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Haben aus der Not eine Tugend gemacht: Dank Ausbildungsleiter Jan Bald (l.) und Gruppenführer Bernd Viets können die Helvesieker Brandschützer ihr Wissen ganz anschaulich und interaktiv über Whatsapp auffrischen.
  • Lars Warnecke
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Helvesiek – Wer rastet, der rostet, fordert der Volksmund uns auf, zur Tat zu schreiten – das ist im Leben nicht anders als bei der Feuerwehr. Denn wenn es brennt oder ihre Hilfe anderweitig gefragt ist, bei Unfällen oder umgestürzten Bäumen zum Beispiel, muss jeder Handgriff sitzen. Normalweise wird das unter den Kameraden regelmäßig in der Gemeinschaft trainiert – an den Dienstabenden. Nur hat der Übungsbetrieb, bei dem man sich logischerweise nicht so einfach aus dem Weg gehen kann, in den vergangenen Monaten wegen Corona ruhen müssen – so auch bei der Ortswehr Hevesiek. Die aber zeigt sich erfinderisch, hat aus der Not eine Tugend gemacht – und ihr Brandschutz-Training prompt ins Internet verlegt. „Und das funktioniert, auch wenn wir das Rad nicht neu erfunden haben, erstaunlich gut“, spricht Bernd Viets, Gruppenführer der Helscher, aus Erfahrung.

Drei virtuelle Dienste liegen hinter den freiwilligen Helfern schon. Alles, was die dazu brauchten: eine stabile Leitung, einen PC oder Laptop – und Whatsapp. Ideengeber war Jan Bald, der Ausbildungsleiter der Samtgemeinde Fintel. „Aus- und Weiterbildung haben innerhalb der Wehr einen extrem hohen Stellenwert“, weiß der 52-Jährige zu berichten. „Dementsprechend habe ich mir überlegt, wie man die Leute trotz der aktuellen Bedingungen weiterhin motivieren kann.“ Also sei er mit dem Gruppenführer in Kontakt getreten – eine fruchtbare Kooperation, wie sich alsbald herausstellen sollte. „Ich wusste ja, dass Bernd sich mit solch technischen Dingen bestens auskennt, ich selbst zähle mich da eher zu den Internet-Dinos.“ Und siehe da: Aus dem anfangs angedachten, aber eher doch konventionellen Konzept, Ausbildungsinhalte peu à peu in bloßer Schriftform über eine Whatsapp-Gruppe auf die Smartphones der Feuerwehrmänner- und -frauen zu bringen, war mit einer gewissen Vorlaufphase ein interaktives Training entstanden, das in seiner lebendigen Darstellung seinesgleichen sucht. „Ich habe Jan‘s Idee einfach ein bisschen weitergesponnen und den Unterricht so vorbereitet, als würde ich den live in unserem Feuerwehrhaus abhalten“, berichtet der 42-Jährige.

Was das konkret bedeutet: Bei einem Testballon, bei dem es zunächst noch um Kartenkunde gegangen war, konnten die Helvesieker Brandschützer gleich beim zweiten Mal ganz praxisnahe in ein Planspiel eintauchen, ohne sich dafür begegnen zu müssen. Viets klärt auf: „Auf Grundlage einer von unserem Ausbildungsleiter erstellten Powerpoint-Präsentation habe ich am iPad Kurzfilme vorproduziert, die ich dann die Abende über online stelle.“ Darin trete er selbst auch als Moderator auf.

In Kombination mit Standbildern, erläutert Jan Bald, sei so ein Szenario geschaffen worden, wie ein Einsatz auch im realen Leben ablaufen würde. Als Kulisse habe hierfür sein eigenes Haus hergehalten, welches sein Mitstreiter via Bildbearbeitung noch mit einigen Details wie etwa Rauch und in Not geratenenden Personen ausstaffierte. „Einige Motive, die Jan mir zuspielte, habe ich sogar noch dunkler gestalten müssen, weil die Alarmierungszeit ja nachts sein sollte“, schmunzelt der Technik-Nerd.

Und dann ging es auch schon ans Eingemachte: Von der Alarmierung über die Lageerkundung bis hin zum Löschangriff – alles kam für die Kameraden unter der Fragestellung, was diese denn gerade sehen und wie sie in welchem Fall entscheiden würden, auf den Prüfstand. Auch zur Befehlskette war beispielsweise ihr Wissen gefragt. Kommunziert wurde dabei in Textform.

Zwischen 25 und 30 Mitglieder aus der insgesamt 41-köpfigen aktiven Abteilung hätten sich an den virtuellen Übungseinheiten an drei Dienstagabenden beteiligt, davon ein Großteil aber nur als Beobachter, wie Bernd Viets ausführt. „Das war aber gut so, andernfalls wären unsere Abende ellenlang geworden.“ Die Resonanz auf das Angebot sei jedenfalls durch die Bank positiv ausgefallen und werde seiner Einschätzung nach und der des Ausbildungsleiters wohl auch noch auf lange Sicht als Ersatz herhalten müssen.

Das befürchtet auch Ortsbrandmeister Michael Albers: „Bis zum 1. September liegt unser klassischer Übungsbetrieb ja erstmal noch auf Eis“, sagt der 43-Jährige. Dienstabende, an denen seine Kameraden in vorab fest eingeteilten Kleingruppen im nicht gerade geräumigen Spritzenhaus am Helvesieker Osterende zusammenkommen würden, das möchte er sich und seinen Leuten jedenfalls nicht zumuten. „Außerdem müsste ja zwischendurch immer alles wieder desinfiziert werden“, nennt er den Mehraufwand, der im eingeschränkten Status zu betreiben sei. „Nein, ich bin schon ganz froh darüber, dass wir eine Alternative gefunden haben, auch wenn diese ebenso nicht ganz ohne Aufwand einhergeht.“

Komplett unbewegt worden war das Einsatzfahrzeug der Helscher Kameraden während der letzten Wochen und Monate aber nicht, mussten die doch schon fünfmal wieder real ausrücken – mit einem sicherlich guten Gefühl, ihr Wissen gerade erst aufgefrischt zu haben. Zwar über den virtuellen Kanal, aber dafür keineswegs auf die staubtrockene Art.

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