Kandidaten im Check

Corona und der Bürgermeisterwahlkampf in der Samtgemeinde Fintel

Und ab dafür: Anne Cordes verteilt fleißig im Wahlkampf Tütchen mit bienenfreundlicher Blumensaat. Das Motto der Aktion lautet „Zeit zum Aufblühen“.
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Und ab dafür: Anne Cordes verteilt fleißig im Wahlkampf Tütchen mit bienenfreundlicher Blumensaat. Das Motto der Aktion lautet „Zeit zum Aufblühen“.

Fintel – Am 12. September wählt die Samtgemeinde Fintel einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin. Amtsinhaber Tobias Krüger (parteilos) widmet sich bekanntlich anderen Aufgaben – nach sieben Jahren, in denen er Verwaltungschef war. Obwohl noch gut viereinhalb Monate Zeit ist, nimmt der Wahlkampf allmählich an Fahrt auf. Aber wie geht man eigentlich auf Stimmenfang in Corona-Zeiten? Was sind die Herausforderungen, wie kommen die Kandidaten mit den Menschen überhaupt in Kontakt? Das wollte unsere Zeitung von den zwei bisher bekannten Bewerbern Anne Cordes und Sven Maier, für die beide der Wahlkampf eine Premiere ist, wissen.

„Es ist schon etwas Spezielles und für alle Beteiligten nicht einfach“, sagt der 33-jährige Maier. „Natürlich sind persönliche Gespräche mit den Menschen vor Ort wesentlich interessanter, intensiver und aufschlussreicher als etwa Onlinegespräche im Rahmen von Videokonferenzen. Allerdings finde ich den Austausch in diesem Rahmen besser, als gar keine Möglichkeit zu haben, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Eine gute Mischung aus persönlichen Gesprächen im kleinen Kreis und Unterhaltungen auf digitaler Ebene halte er für den richtigen Weg.

Natürlich sind persönliche Gespräche mit den Menschen vor Ort wesentlich interessanter, intensiver und aufschlussreicher als etwa Onlinegespräche.

Sven Maier

Sven Maier ist der Kandidat mit Verwaltungserfahrung. Seit zweienhalb Jahren leitet er das Amt für Finanz- und Bauwesen im Lauenbrücker Rathaus. Unterstützung erfährt der Horneburger bekanntlich von der CDU und den Grünen in der Samtgemeinde, seine Mitbewerberin geht gemeinsam mit der SPD ins Rennen um das hohe Amt. Der gebürtige Schwabe selbst ist parteilos und will es auch bleiben. „Vor einigen Wochen habe ich damit angefangen, in regelmäßigen Abständen und unter Einhaltung der Coronaregeln Betriebe und Unternehmen in der Samtgemeinde zu besuchen.“ Im Rahmen von „Tagespraktika“, wie er seine Stippvisiten nennt, habe er dabei auch mal hinter die Kulissen schauen und einen Eindruck direkt vor Ort bekommen können, was die Unternehmen und ihre Mitarbeiter beschäftige und an welchen Stellen die Samtgemeinde gegebenenfalls unterstützen könne. „Diese Art der Gespräche bringen mir persönlich sehr viel, da ich so noch einmal einen differenzierteren Blick auf viele Bereiche und die Sorgen und Nöte der Menschen bekomme.“

Neben Flyer verteilen, dem Angebot der Erreichbarkeit über telefonische Bürgerfragestunden, E-Mail und die sozialen Medien versuche er, mit verschiedenen Vereinen und Organisationen über Videokonferenzen ins Gespräch zu kommen. „Schöner fände ich es natürlich, wenn ich zum Beispiel Veranstaltungen von Vereinen besuchen könnte“, räumt der Kandidat ein, „aber dies ist im Moment leider immer noch nicht möglich.“

Er strahlt mit seinem zweiten Ich auf der Wahlkampf-Broschüre um die Wette: Sven Maier.

Und Anne Cordes? Die sei, räumt sie ein, eigentlich nie ein Freund von Videokonferenzen und Chatfunktionen gewesen. „Aber die digitalen Plattformen zeigen uns eine gute Möglichkeit auf, in der Corona-Zeit in Kontakt zu bleiben und sich im Wahlkampf den Bürgern vorzustellen.“ Und davon mache sie inzwischen reichlich Gebrauch. Mit aktuellen Videos und Fotos rund um die Samtgemeinde zeigt die Fintelerin auf Facebook und Co. Gesicht. „Ich gebe einen Einblick darüber, was ich so mache und denke.“ Die 54-Jährige ist ein waschechtes Finteler Deern – Verwaltungserfahrung bringt sie keine mit, wohl aber Führungskompetenz aus der freien Wirtschaft: Bei „jbs“ in Visselhövede arbeitet sie in leitender Funktion im Produktqualitätsmanagement. Nicht wenige schreiben ihr als Bürgermeisterkandidatin eine Außenseiterrolle zu – „dabei meine ich es mit meiner Kandidatur wirklich ernst.“ Erst neulich habe sie als naturverliebter Mensch mit ihrem SPD-Wahlkampf-Team Tütchen mit bienenfreundlicher Blumensaat an 1 000 Haushalte in der Samtgemeinde verteilt. Das doppeldeutige Motto der Aktion: „Zeit zum Aufblühen“. „Dabei ergab sich das eine oder andere Gespräch über den Gartenzaun, was mich sehr gefreut hat.“ Auch die Polizeistation in Fintel und die Abwasserreinigungsanlage (Ara) in Lauenbrück habe sie unter anderem schon besucht, weitere Termine sollen folgen. Und: „Wann immer es möglich war, habe ich an öffentlichen Ratssitzungen teilgenommen und viel erfahren über die laufenden Projekte und die politische Arbeit der Räte in den einzelnen Gemeinden und in der Samtgemeinde.“

Die digitalen Plattformen zeigen uns eine gute Möglichkeit auf, in der Corona-Zeit in Kontakt zu bleiben und sich im Wahlkampf den Bürgern vorzustellen.

Anne Cordes

Vor dem Hintergrund nach unten weisender Inzidenzen und dass die Impfungen zunehmen, sei es nun ihre Hoffnung, dass persönliche Begegnungen mit Bürgern in nicht allzu weiter Ferne stattfinden können. „Ich möchte ja zum Beispiel auch noch mehr über die Arbeit einzelner Vereine erfahren und von ihren Erfolgsgeschichten, Sorgen und Nöten hören.“

Wer am Ende bei der Bürgermeisterwahl die Nase vorn haben wird, entscheidet sich Mitte September. Dann haben die Einwohner der Samtgemeinde Fintel ab 16 Jahren auch erstmals wirklich eine Wahl – und zwar zwischen mindestens drei Kandidaten. Ein weiterer Aspirant will als Einzelbewerber nämlich ebenso seinen Hut noch in den Ring werfen und sich und seine Ziele demnächst über unsere Zeitung vorstellen. Es bleibt spannend im Einzugsgebiet zwischen Fintau und Eurostrand.

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