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Flüchtlingshilfe in der Samtgemeinde Fintel: Woran es noch fehlt und woran nicht

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Von: Lars Warnecke

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Aktuell steht das samtgemeindeeigene Wohngebäude an der Graf-Wilhelm-Straße in Lauenbrück frei. Auch hier sollen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine untergebracht werden.
Aktuell steht das samtgemeindeeigene Wohngebäude an der Graf-Wilhelm-Straße in Lauenbrück frei. Auch hier sollen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine untergebracht werden. © Warnecke

Auch in der Samtgemeinde Fintel bereitet man sich auf die Ankunft von Flüchtlingen aus der Ukraine vor. Richtig planen, hieß es am Donnerstag im Sozialausschuss, könne man aber derzeit nicht, fehlten den Kommunen doch noch Zahlen bezüglich der Verteilung.

Lauenbrück – Seit Wochen schon sind Hunderttausende auf der Flucht, um den Kriegswirren in der Ukraine oder sogar dem Tod zu entgehen. Nach und landen diese Menschen auch im Landkreis Rotenburg – in privaten Unterkünften wie auch in der ehemaligen Kaserne in Visselhövede, wo die Kreisverwaltung ein Auffanglager zur Erstunterbringung eingerichtet hat und dieses seit Donnerstag betreibt.

Nach einem Verteilerschlüssel, der bis dato noch gar nicht bekannt ist, sollen die dort ankommenden Flüchtlinge später den Kommunen zugewiesen werden – so auch der Samtgemeinde Fintel. „Wir wissen, dass da etwas auf uns zukommt, aber nicht was; die Lage ist hoch dynamisch“, erklärte Verwaltungsmitarbeiter Olaf Böhling am Donnerstagabend in einer Sitzung des Sozialausschusses. Derzeit lebe man sprichwörtlich von der Hand in den Mund. Daher arbeite man im Rathaus bereits an Plänen, die helfen sollen, die Situation jetzt und in Zukunft zu beherrschen.

13 angemietete Objekte

Wo also hin mit den geflüchteten Menschen aus der Ukraine, unter denen sich bekanntlich vor allem Frauen und Kinder befinden? 13 Wohnungen, so Böhling, habe die Samtgemeinde zwecks Unterbringung angemietet – aktuell seien darin 55 Personen untergebracht, davon 36 Asylbewerber mit laufendem Verfahren. „Bei denen weiß man noch nicht, ob sie bleiben können oder wieder in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden müssen.“ Darüber hinaus verfügt die Kommune über ein eigenes Objekt an der Graf-Wilhelm-Straße in Lauenbrück – und eben diesem soll eine besondere Funktion zuteilwerden. Denn, wie Böhling ausführte: „Wenn wenn wir ad hoc Personen unterbringen müssen, werden wir es dort erst mal tun.“

Wir wissen, dass da etwas auf uns zukommt, aber nicht was; die Lage ist hoch dynamisch.

Olaf Böhling, Fachdienstleiter Steuerung und Personal

Zu der Möglichkeit, die Menschen privat bei sich aufzunehmen, erklärte der Fachdienstleiter Steuerung und Personal, dass einige Bürger aus der Samtgemeinde davon durchaus schon Gebrauch machen würden. „Da ist es dann natürlich so, dass die Unterbringung auf eigene Kosten erfolgt – mit der Option, vom Landkreis finanzielle Hilfe zum Lebensunterhalt für diese Personen zu bekommen.“ Regeln müssten dies die Gastgeber selbst – und zwar bei der Ausländerbehörde. „Wir würden es aber unterstützen, indem wir entsprechend den Kontakt herstellen.“

Keine Frage, der Bedarf an Unterbringungsoptionen wächst. „Daher möchten wir die Bürger auch bitten, sich schon jetzt mit uns in Verbindung zu setzen, sollten sie eine Wohnung frei haben – wir gucken dann, falls erforderlich, inwieweit wir das anmieten und gegebenenfalls auch ausstatten können.“ Ein Dankeschön richtete Böhling an jene, die der Verwaltung tatsächlich bereits Angebote gemacht hätten. „Die Unterstützung ist schon bemerkenswert.“

90 Tage „Schonfrist“

Zum Status der Kriegsflüchtlinge erläuterte er, dass die erst mal 90 Tage bleiben könnten, ohne irgendetwas zu tun – „weil sie sich im Schengengebiet aufhalten“. Nach Ablauf dieser Frist müssten sie sich allerdings bei der Ausländerbehörde melden, woraufhin sie nach dem Aufenthaltsgesetz einen Sonderschutzstatus erhielten. „Dann können sie zunächst ein Jahr lang hierbleiben.“ Erweiterbar sei dieser Status anschließend noch zweimal um jeweils sechs Monate „Wie es danach weitergeht, ist noch sehr vage, ich denke aber, dass man bis dahin auf europäischer Ebene andere Lösungen gefunden haben wird“, so der Rathausmitarbeiter.

Eine Anmerkung, die im Ausschuss durchaus auf offene Ohren stieß, machte SPD-Ratsfrau Cathrin Intelmann: „Ein großer Teil der Leute, der bei uns ankommt, wird ja auch traumatisiert sein. Daher müssen die Menschen unter anderem dringend informiert werden, dass es sich um Feuerwehreinsätze handelt, wenn hier die Sirenen heulen.“

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