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Um fast einen Euro teurer: Abwassergebühr in der Samtgemeinde Fintel soll deutlich steigen

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Von: Lars Warnecke

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Die Kläranlage in Lauenbrück ist Herzstück der Abwasserreinigung in der Samtgemeinde Fintel.
Die Kläranlage in Lauenbrück ist Herzstück der Abwasserreinigung in der Samtgemeinde Fintel. © Heyne

Vor dem Hintergrund der Energiekrise soll die Abwassergebühr in der Samtgemeinde Fintel zum Jahresbeginn deutlich angehoben werden. Dafür haben sich die Mitglieder des Finanzausschusses ausgesprochen.

Lauenbrück – Mehrkosten an allen Ecken und Enden – und auch die Abwassergebühr für Haushalte in der Samtgemeinde Fintel wird aufgrund der Energiekrise voraussichtlich zum Anfang des nächsten Jahres deutlich steigen. Eine entsprechende Beschlussempfehlung hat die Verwaltung jetzt dem Finanzausschuss zur Beratung vorgelegt. „Die Kosten sind exorbitant gestiegen – wir haben nach bestem Wissen und Gewissen alle Zahlen durchgerechnet und sehen im Ergebnis nur die Möglichkeit, die Gebühren ab 2023 anzuheben“, erklärte Kämmerer Clemens Mahnken in der Sitzung.

Neue Energieverträge, Erschließungsarbeiten in den Neubaugebieten in Helvesiek und Stemmen – das und mehr hätten laut dem Rathausmitarbeiter eine neue Gebührenkalkulation zwingend erforderlich gemacht, um die zentrale Abwasserbeseitigung auf der Kläranlage auch in Zukunft noch kostendeckend durchführen zu können.

Offene Fragen zu Kanalbaubeiträgen

Konkret zeichnet sich eine Anhebung des Kubikmeterpreises von 3,25 auf 4,28 Euro ab, was einem Aufschlag von fast einem Euro entspräche. Zusätzlich, so sieht es der Vorschlag vor, soll für jeden Zwischenzähler eine Gebühr von zehn Euro erhoben werden. Dass die Samtgemeinde kostendeckend kalkulieren müsse, ihr gar keine andere Möglichkeit bliebe, darauf kam Ratsherr Werner Kahlke (SPD) zu sprechen: „Auch wenn mich die 4,28 Euro natürlich nicht erfreuen, sondern eher schockieren.“ Aber: „Vor dem Hintergrund, dass wir in der Regel sonst immer erst nacheilend kalkulieren, ist es gut, dass das jetzt rechtzeitig passiert. Irgendwo müssen die Kosten ja hin – und wenn wir sie nicht abbilden, schlagen sie uns in den allgemeinen Haushalt rein.“

Über einen Passus in der Vorlage stolperte Anja Oppermann (SPD): „Dort steht geschrieben, dass die eingegangenen Kanalbaubeiträge mit jährlich 1,5 Prozent für 2023 nicht aufgelöst werden sollen. Sonst hätten wir hier doch einen Ertrag, der gegengerechnet würde – kann mir das mal jemand erklären?“ Dazu führte Ausschussvorsitzender Jochen Intelmann (SPD) aus, dass eine solche Aufhebung von Sonderposten früher nicht Jahr für Jahr gemacht worden sei, sondern man sich über zwei, drei Jahre einen Puffer aufgebaut habe. „Aber in der Vorlage steht 2008 – das ist jetzt 14 Jahre her“, erwiderte Oppermann. Und für den Bürger würden solche Beteiligungen „langsam auch mal schwer unerträglich“, wie sie es formulierte. Licht ins Dunkel konnte zu der Thematik nicht gebracht werden. „Wir würden es nochmal im Protokoll erläutern“, versprach Samtgemeindebürgermeister Sven Maier.

Zahl der Gruben steigt

Und die Beschlussempfehlung an den Rat? Die fasste der Fachausschuss einstimmig – ebenso jene, die sich in einem gesonderten Tagesordnungspunkt um die Abwasserentsorgung aus abflusslosen Gruben sowie des Fäkalschlamms aus sogenannten Hauskläranlagen dreht. Auch zu den hierfür anfallenden Gebühren hat die Kämmerei neue Berechnungen angestellt. Eine Besonderheit, auf die Mahnken zu sprechen kam: „Hier werden nur die Kosten der Abwasserreinigung auf der Kläranlage angesetzt – alles, was mit dem Kanal zu tun hat, wird rausgerechnet, weil der auf den Grundstücken anfallende Schlamm von einer Spezialfirma abgefahren wird.“ Da aber auch dieser Dienstleister seine Kosten kräftig erhöht habe, die 4,28 Euro in die Kalkulation mit eingerechnet worden seien, habe man die Gebühren auch für solche Anlagen anpassen müssen.

Warum die Zahl solcher Gruben in der heutigen Zeit überhaupt noch steigen würde, wollte Detlef Meenke (CDU), beratendes Mitglied im Ausschuss, wissen. „Entscheiden etwa die Ortschaften, wenn kein Anschluss besteht, was dort gebaut wird?“ In der Gemeinde Scheeßel hätten jedenfalls schon alle Hauseigentümer auf das Kanalnetz umstellen müssen. Wie Jochen Intelmann erklärte, komme es in der Samtgemeinde immer darauf an, wo gebaut würde: „In geschlossenen Ortslagen gibt es einen Anschlusszwang – aber wenn man weiter draußen ist, wo es kein Kanalnetz gibt, kommt man an solchen Gruben nicht drumherum.“

Gutes Beispiel, ergänzte der Samtgemeinde-Kämmerer, sei etwa der Neubau von Ställen, denn auch für die müssten WCs vorgehalten werden. „Und dann kann so eine Zahl auch schon mal steigen.“

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