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Über den Wolken mit Hund: Hobby-Pilotin nimmt ihren Mini-Husky mit

Die Breezer CR, ein Ultraleichtflugzeug, ist Isabella Schminkes ganzer Stolz. Und natürlich ihre Hündin Kira, die heute nicht dabei sein kann.
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Die Breezer CR, ein Ultraleichtflugzeug, ist Isabella Schminkes ganzer Stolz. Und natürlich ihre Hündin Kira, die heute nicht dabei sein kann.

Lauenbrück – Ein kalter Dezembermorgen auf dem Flugplatz in Lauenbrück. Ratternd fährt das Rolltor des Hangars zurück. Dahinter ist er geparkt, der ganze Stolz von Isabella Schminke. Eine Breezer CR, Baujahr 2009. Das motorbetriebene Einpropeller-Ultraleichtflugzeug hat sich die 28-Jährige von ihrem eigenen Geld gekauft. Eine Maschine chartern, sagt die Key-Account-Managerin, das sei für sie nicht infrage gekommen.

„Man weiß ja nicht, wie die vorher behandelt wurde – zudem ist man so auch viel flexibler, muss sich nicht ständig absprechen.“ Schminke öffnet das Cockpit und weist auf die Rückbank. Moment mal, ein fest verbautes Körbchen plus Decke? Für wen mag das Interieur wohl reserviert sein? „Wenn ich fliege, dann nur mit Kira“, erzählt die Hobby-Pilotin, die vor einem Jahr, nach einer dreimonatigen Ausbildung, in Lauenbrück bei einem Privatlehrer ihren Flugschein gemacht hat.

Kira – das ist ihre Hündin, ein putziger, hierzulande eher selten gehaltener Mini-Husky. Seit Februar, als sie den damals acht Wochen alten Welpen zu sich holte, sind die beiden unzertrennlich – und das eben auch über den Wolken, in bis zu 10 000 Fuß Höhe, immerhin rund 3 000 Meter. „Ich wollte immer einen Hund, der stark vom Wolf kommt – ein normaler Husky wäre für mein Flugzeug zu groß gewesen, also brauchte ich einen kleineren.“

Heute ist Schminke, die ursprünglich aus Frankfurt stammt, lange in Düsseldorf gelebt hat, später an die Ostsee zog, um heute – aus Liebe zur Fliegerei – in Lauenbrück zu wohnen, ausnahmsweise mal ohne Kira zugegen. „Die ist noch bei meinen Eltern, ich hole sie aber in den nächsten Tagen wieder ab.“ Und natürlich, wenn das Wetter mitspielt, wolle sie auch das mit ihrer Maschine, die es auf bis zu 270 km/h bringe, erledigen. Entfernung: 330 Kilometer Luftlinie.

Für sie als passionierte Pilotin, die vor allem im Sommer fast jeden Tag vom Flugplatz aus startet, wie sie mit leuchtenden Augen sagt, sei es von Anfang an natürlich gewesen, die Hündin mit an Bord ihres Tiefdeckers zu nehmen. „Natürlich habe ich mir vorher beim Tierarzt Gewissheit geholt, dass das auch okay ist, denn es gibt natürlich auch Hunde, die mögen das Fliegen gar nicht.“ Heute aber, nachdem sich Kira an die luftigen Höhen gewöhnt habe, wolle sie am liebsten schon gleich einsteigen, wenn sie das Flugzeug erspähe – und das ganz ohne Leckerli.

Unzertrennlich, selbst über den Wolken: Die Mini-Husky-Dame im Arm ihres Frauchens.

Ohne Training, verrät die Neu-Lauenbrückerin, habe das Ganze natürlich aber nicht geklappt. „Da muss man Schritt für Schritt anfangen.“ Dafür habe sie ihre eigene Flugausbildung quasi auf ihre Vierbeinerin gemünzt – in Form von sogenannten Platzrunden, in denen das Starten und Landen, aber auch das Abkippen in einer Höhe von 800 bis zu 5 000 Fuß geübt wird. „Der erste Flug mit ihr dauerte zwei Minuten, um zu gucken, wie sie sich macht“, berichtet Schminke. Und siehe da: Seelenruhig habe ihre Begleiterin das Körbchen in Beschlag genommen und friedlich geschlummert. „Früher hat sie wirklich die ganze Zeit über nur geschlafen, inzwischen guckt sie sich aber neugierig die Welt von oben an.“

Natürlich, betont die Hobbypilotin, die von Berufs wegen schon seit fünf Jahren im Homeoffice arbeitet und gerade daher die nötige Zeit für Hund und Fliegerei findet, gelte es beim Mitführen eines Hundes im Flieger unbedingt ein paar Regeln einzuhalten. Welche das sind? „Bei der Landung sollte man schon sehr früh mit dem Sinkflug beginnen, da die Tiere mit ihren Ohren, anders als bei uns Menschen, nicht den Druck ausgleichen können“, erklärt Schminke. Zweieinhalb Meter pro Sekunde – das sei für sie ein aushaltbares Maß. Und selbstverständlich gilt im Cockpit aus Sicherheitsgründen Anleinpflicht, „wegen möglicher Luftlöcher, Stichwort Schwerelosigkeit, aber auch, dass mir der Hund nicht einfach so ins Cockpit springen kann.“

Ich wollte immer einen Hund, der stark vom Wolf kommt – ein normaler Husky wäre für mein Flugzeug aber zu groß gewesen, also brauchte ich einen kleineren.

Isabella Schminke

Dass Kira während eines Fluges ihre Ohren in die Luft umstellt, habe seinen Grund: „Dadurch minimieren Hunde den Geräuschpegel – so ein Propeller ist ja auch ziemlich laut“, klärt ihr Frauchen auf.

In dem einen Jahr, in dem Isabella Schminke nun schon ihre Fluglizenz besitzt – zunächst nur für Deutschland, demnächst wolle sie ihren Schein auf ganz Europa ausweiten –, habe sie schon die ganze Republik überflogen. „Manchmal bin ich mit meiner Süßen auch viereinhalb Stunden am Stück unterwegs – bis zur Grenze nach Österreich etwa, so lange reicht eine Tankfüllung nämlich.“

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Wie sang Reinhard Mey doch einst: „Über der Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Und ja, das stimme sogar, sagt die 28-Jährige. Das Freiheitsgefühl, wenn sie sich in ihre Breezer setze und abhebe, sei wirklich unbeschreiblich. Bleibt nur noch die interessante Frage, was sie denn unternehme, wenn Kira, die fliegende Mini-Husky-Dame, mal unterwegs ihr Geschäft zu verrichten habe. Schminke lacht. „Überhaupt kein Problem, es gibt ja schließlich überall Flugplätze, wo man für einen Gassigang spontan landen kann.“

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