Jäger ist fassungslos

Todesfalle Weidezaun: Bänder werden Damhirsch zum Verhängnis

Ein erbärmliches Bild: Diesen Damhirsch hätte ein qualvolles Ende erwartet, wäre es von seinem Leiden nicht mit dem Gnadenschuss erlöst worden. Foto: Steinke

Immer wieder verenden Wildtiere durch die Unachtsamkeit von Menschen. Ein tragischer Fall hat sich jetzt im Landkreis Rotenburg ereignet.

  • Ein junger Damhirsch verfängt sich in einem Weidezaun
  • Alle Befreiungsversuche scheitern
  • Unachtsamkeit von Weidebesitzern

Lauenbrück - Der Hirsch ist restlos „verkabelt“. Rund um das Geweih ist alles vollgehängt mit den Litzen (stromführende Schnüre), die von einem Weidezaun stammen. Für das Tier sind sie zu einer tödlichen Falle geworden, wie der Leiter des Hegerings Lauenbrück, Hubertus Steinke, berichtet.

Seinen Worten nach sei es im Revier schon der zweite Fall innerhalb kürzester Zeit gewesen, bei dem ein Hirsch der Unachtsamkeit und Nachlässigkeit von Menschen zum Opfer gefallen ist. „Diesmal passierte es aber nicht mitten im Wald, sondern in Lauenbrück, auf einer Wiese in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Wohngebiet“, sagt Steinke. Dort habe sich das Tier offenbar in einem Kunststoffgeflecht, wie es an manchen Zäunen befestigt ist, verheddert.

Damhirsch hat sich wohl mehrere Tage gequält

Aufmerksam gemacht worden sei der zuständige Jagdpächter von einem Anrufer, der ihm von der Sichtung eines umherirrenden Damhirsches in der Nähe seines Hauses berichtet habe. Das Tier, sagt er, solle fürchterlich geschrien und geklagt haben. Steinke: „Wahrscheinlich hat es sich da schon über mehrere Tage gequält.“ Sofort sei er ausgerückt – in der Hoffnung, den Hirsch noch lebend einzufangen und ihm die Litzen mitsamt Zaunpfählen abzuschneiden. „Denn alleine schaffen es die Tiere nicht mehr, sich zu befreien“, weiß er von anderen Beispielen. 

Versuche, sich durch pendelnde Kopfbewegungen und Sprünge aus der Verschlingung zu befreien, machten alles immer noch schlimmer. „Da steckt viel Kraft hinter.“ Am Ende des Dramas würden die Tiere sich auf schreckliche Weise erdrosseln. „Als ich am Schauplatz eintraf, war der arme Junge mehr tot als lebendig, also habe ich ihn von seinen Qualen mit einem Fangschuss erlösen müssen.“

Appell an Weidebesitzer: Zäune kontrollieren

Für den Vorfall findet Hubertus Steinke deutliche Worte: „Es ist ein Trauerspiel, das fassungslos und sauer macht. Wie oft muss sich solch eine Tragödie noch wiederholen, damit im Umgang mit den Schnüren endlich ein Umdenken und ein Handeln stattfindet?“ Er appelliert daher noch einmal eindringlich an die Besitzer und/oder Nutzer von Weiden (zum Beispiel Pferdehalter und Landwirte), ihre unzerreißbaren Bänder akribisch zu kontrollieren und jetzt im Winter am besten komplett abzunehmen. 

Wenn die Drähte im Sommer unter Strom seien, könne dem Wild nichts passieren. Auch ein intakter Maschendrahtzaun sei kein Problem, weil das Wild davon zurückfedern würde. „Gefährlich für das Damwild wird es immer dann, wenn am Zaun irgendwo etwas lose herabhängt und sich das Wild, welches ja nur seinem Spieltrieb folgt, darin mit dem Geweih verheddern kann“, erklärt der Helvesieker. Rehe, weiß er, würden beispielsweise sich normalerweise erst gar nicht an die Zäune herantrauen.

Drama auch in Fintel: Hirsch verfängt sich

Übrigens: Fast zeitgleich zu dem Vorfall in Lauenbrück habe sich in der Nähe von Fintel ein ganz ähnliches Drama mit einem auf den ersten Blick hoffnungslos verhedderten Damhirschen abgespielt, berichtet der Hegeringleiter. Dort aber sei es gelungen, das Tier gerade noch rechtzeitig aus seiner potenziell tödlichen Verstrickung zu befreien.

Ein ähnlicher Fall ereignete sich vor einem Jahr in Dörverden - dort hatte sich ein Damhirsch in einem Schafsdraht verfangen und musste erlöst werden. 

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