Theologe Maik Schwarz spricht über Einfluss von Religion und Politik

Konfliktherd Jerusalem

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Der Theologe Maik Schwarz.

Fintel - Von Hannelore Rutzen. Vom alltäglichen Leben in Jerusalem wird nur selten berichtet. Dabei ist dieses mit seinen Konflikten aus Religionen und Politik ein wichtiger Faktor, um die schwierige Situation der dort lebenden Menschen zu verstehen. Maik Schwarz kennt die Aspekte aus persönlichen Gesprächen mit Israelis und Palästinensern. 18 Monate lang arbeitete und lebte der evangelische Theologe „intensiv“ in Jerusalem. Von seinen Erfahrungen und Eindrücken berichtete er nun vor rund 60 Zuhörern im Haus der Begegnung in Fintel.

„Zehn Maßeinheiten Schönheit sind auf die Welt hinabgestiegen, Jerusalem hat neun davon“, so heißt es überschwänglich in einem jüdischen Sprichwort aus dem zweiten Jahrhundert. Aber mit der Schönheit der gut 5000 Jahre alten Stadt gab Schwarz sich nicht zufrieden: In seinem knapp 90-minütigen Vortrag widmete sich Schwarz den Fragen, „wie es mit Jerusalem angefangen hat, wie es heute aussieht, und wie dieser Ort zu seiner Bedeutung gelangen konnte.“

Der 30-jährige Theologe studierte an der Hebräischen Universität, begleitete als Kandidat des Predigtamtes die Studierenden des Studienjahres von „Studium in Israel“ und arbeitete vor Ort in der evangelischen Gemeinde. Er teilte den Alltag mit Israelis, Palästinensern und „internationalen“, religiösen wie nicht-religiösen Menschen, und gewann auf diese Weise viele Einsichten.

Schwarz tauchte mit den Zuhörern in die Geschichte des Landes ein, machte die Komplexität und Schwierigkeiten sichtbar. Er kam auf das Jahr 1948 zu sprechen, in dem völkerrechtlich legitimiert – durch das Völkerbundsmandat für Palästina von 1922 und den UN-Teilungsplan für Palästina 1947 – Israel als repräsentative Demokratie proklamiert wurde.

Bereits 1918, als Palästina von Großbritannien erobert wurde, sollte es nach Wunsch des Britischen Empire aus einem arabischen und einem jüdischen Teil bestehen. Israel sollte ebenfalls in mehrere Zonen aufgeteilt werden und ebenso die Hauptstadt Jerusalem in einen jüdischen und einen arabischen Teil. Hier begann der Konflikt zwischen den Juden, die eine neue Heimat finden und gemeinsam einen jüdischen Staat aufbauen wollten, und den dort seit über tausend Jahren ansässigen Palästinensern.

Dieser flammt bis heute immer wieder auf. Flüchtlinge kamen ins Land, insbesondere auch nach dem Zusammenbruch der Ostblockländer. Viele Juden waren es, die in Israel eine neue Heimat suchten. Nach viermaligem Vermittlungsversuch durch die Vereinten Nationen konnte ein Waffenstillstand erreicht werden. Aber es gab immer wieder Untergrundkämpfe, die bis zum Sechstagekrieg und darüber hinaus anhielten.

Nach diesem Krieg befanden sich von den einst 800000 Arabern, die an der West Bank, dem israelisch-palästinensischen Grenzstreifen, lebten, nur noch etwa 170000 Menschen dort. Der Rest war tot oder geflüchtet. Die Bevölkerung zählte 85 Prozent Juden, sechs Prozent Christen und neun Prozent Araber.

Trotz der offiziellen Waffenruhe kam es immer wieder zu Spannungen, die sich auch auf umliegende Staaten bis in die heutige Zeit ausweiteten.

Viele Fragen hatten die Finteler an den Referenten. Zusammenfassend antwortete dieser: „Es gibt zwischen den Menschen immer wieder Ansätze, Frieden zu schließen, aber es werden auch immer wieder Gründe gefunden, das zu verhindern.“ Manche Menschen würden meinen, all die Probleme lösen zu können, in dem sie der einen Seite – den Israeliten oder Palästinensern – alleine die Schuld zuschöben.

Schwarz: „Das greift zu kurz, und Selbstmordattentate sind kein Mittel. Die Situation ist komplexer. Ich habe dort gelebt und weiß, die meisten Menschen wollen Frieden und kämpfen dafür.“ Das mache ihm Mut und Hoffnung.

hr

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