Theatergruppe Stemmen unterwegs auf den Spuren der Emanzipation

„Nieder mit dem Manne!“

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Die Theatergruppe Stemmen schraubte die Stimmung im Saal auf Höchstwerte.

Stemmen - Von Hannes Ujen. „Wir sind die Frauen-Befreiungsfront“, riefen in den 70er-Jahren die rebellierenden Frauen von New York bis Berlin. Auch in einem kleinen Dorf in Norddeutschland heißt die Parole „Nieder mit dem Manne – es lebe die Frau!“, herausgegeben von der energischen Bäuerin Telse Groth (Angelika Meyer-Lünsmann). Genau damit beginnt der Schwank „Dree Vadders för een Söhn“, den die plattdeutsche Theatergruppe Stemmen am Wochenende im Landgut Stemmen präsentierte.

Telses Ehemann Hinnerk (Carsten Brase) ist schon längst zu einem schüchternen Pantoffelhelden geworden, der sich von ihr wie ein Zirkuspferd herumkommandieren lässt: „Fenster up, Fenster to, Stohl hier henn, Stohl dor henn.“ Sogar Pastor Anton Möller (Horst Oehlschläger) ist verzweifelt: „Dat Wief ward een Gefohr för de ganze Gemeinde.“

Kein Wunder, denn auch seine „Huushollersch“ ist bereits vom Emanzipationsvirus befallen, ebenso wie Bauer Markus Eggers (Martin Kopp) Frau Marie (Ulrike Lüdemann-Fitschen). Otto (Werner Harms), Knecht auf dem Schulten-Hoff, hat seine liebe Not mit der quirligen Magd Gesche (Elsa Schönfeld), die ihn unbedingt heiraten will. Auch sie geht voll emanzipiert zu Werke und verfolgt ihr Ziel gnadenlos.

Die Situation ändert sich spontan, als Hinnerks „unehelicher“ Sohn Michael (Michel Schönfeld) erscheint, um seinen leiblichen Vater zu suchen. Telse verwechselt ihn glücklicherweise mit Jan, den sie für ihre Tochter Sabine (Therese Behrens) als Bräutigam auserkoren hat. Hinnerk, Otto und Markus steht das Wasser bis zum Hals, denn sie sind alle drei der Vaterschaft aus alten Hamburger Partyzeiten verdächtig. Nur mit Hilfe einer List, nämlich dem fingierten Rendezvous im Bauernschrank, gelingt es ihnen, Telse in eine pikante Situation zu manövrieren, die sie als Frauenrechtlerin unmöglich macht.

Gegenüber Hinnerk kommt sie zu der Einsicht: „Von nu an hebbt wi beide dat Seggen – jeder een up sin Platz.“

Zum 30-jährigen Bestehen nach dem Wiedereinstieg in das Theatergeschehen gelang dem Team der Theatergruppe Stemmen beste ländliche Theaterkunst, vom Publikum mit viel Szenenapplaus und donnerndem Schlussbeifall belohnt.

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