Warten auf die Rechtsänderung

Stemmer Rat will für Baugebiet „Neuer Kamp“ auf die Bremse drücken

Das Plangebiet für den „Neuen Kamp“ an der Stemmer Lindenstraße.
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Das Plangebiet für den „Neuen Kamp“ an der Stemmer Lindenstraße hat eine Größe von rund 2,1 Hektar und wird derzeit noch als Ackerland genutzt.

Stemmen – Noch deutet nichts darauf hin, was auf der bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche an der Stemmer Lindenstraße passieren soll. Aber spätestens im Frühjahr 2022 sollen hier die ersten von maximal 20 Häusern hochgezogen werden. Das große Publikumsinteresse an der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend, auf welcher der Erschließungsplan zum Baugebiet „Neuer Kamp“ in trockene Tücher gebracht worden war, ließ jedenfalls erkennen:

Die Nachfrage an neuem Wohnbauland im Dorf ist groß. Und das, erklärte Ortsbürgermeister Reinhard Trau (CDU), sei angesichts der aktuellen Einwohnerzahl auch gut so. Immerhin habe Stemmen in den vergangenen zehn Jahren mehr als 100 Einwohner verloren. Stand jetzt seien es 828 – so wenig wie noch nie. „Die anderen Dörfer in der Samtgemeinde sind dagegen alle relativ kräftig gewachsen“, verdeutlichte Trau. „Von daher ist es auch angebracht, dass wir bei uns ein Baugebiet für den Eigenbedarf ausweisen.“

Bis es zur Fassung eines Satzungsbeschlusses kommt, dürfte aber noch reichlich Wasser die Wümme hinabfließen. Denn ebenso wie auf anderen Dörfern bereitet die Geruchsimmissions-Richtlinie (Girl) auch Stemmen einiges Kopfzerbrechen. Denn würde man der Planung die geltende Obergrenze von zehn Prozent der Jahresstunden zugrunde legen, wonach es im Dorf stinken darf, sei das Gebiet zunächst nur zu zwei Dritteln erschließ- und so am Ende bebaubar, stellte Trau in Aussicht. Nur hätte der Landkreis jetzt auch dazu geraten, das Verfahren für einige Monate ruhen zu lassen. Denn: „Im Baurecht zeichnet sich für Frühjahr eine Änderung ab, wonach dann künftig auch 15 Prozent zulässig wären.“ So, erläuterte der Bürgermeister, habe man den Plan später in einem Rutsch per Beschluss durch und müsse nicht zwei Klimmzüge machen. „In dem Fall hätten wir nämlich zwei Drittel der Fläche, die ganz normal als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen wäre, und ein Drittel, das man zunächst als Grünfläche darstellen müsste.“ Ein Prozedere, was die Sache nur unnötig verkomplizieren würde. Und noch einen positiven Effekt sieht der CDU-Mann im Abwarten: „Wenn wir jetzt weitergemacht hätten, wären wir im August in die Ausschreibung und damit in eine Hochpreisphase gekommen.“ So sei mit der Genehmigung aber wohl im Spätsommer zu rechnen, danach könne man unmittelbar mit der Ausschreibung starten. „Was den Kaufvertrag mit der Flächeneigentümerin betrifft, müssten wir eigentlich bis zum 30. Juni mit dem B-Plan fertig sein, sie ist aber bereit, die Frist bis zum Jahresende zu verlängern – von daher läuft uns da die Zeit auch nicht weg.“

Zum Erschließungsplan selbst verlor Carsten Dittmer vom beauftragten Ingenieurbüro mit Sitz in Zeven ein paar Worte. Demnach würden die Grundstücke über eine reine, 5,25 Meter breite und gepflasterte Anliegerstraße in U-Form erschlossen. Die Zufahrten erfolgten nach dem Rechts-vor-links-Prinzip über die Lindenstraße mit einem Schwerpunkt im südlichen Bereich. Für das Wohngebiet offiziell eine Spielstraße oder Tempo-30-Zone einzurichten, sei nicht angedacht. „Dort wird man eh nicht schnell fahren können, allein schon wegen den parkenden Autos und den Bauminseln, die dort zur Verkehrsberuhigung noch hinkommen“, so Dittmer. Trotzdem, verdeutlichte Ratsfrau Heidrun Schirmacher (SPD), würde sie eine verkehrsbehördliche Ausweisung durchaus begrüßen. „Für die Anrainer wäre es jedenfalls nicht nachteilig – erst recht nicht für junge Familien mit kleinen Kindern“, befand sie.

Über solche Details wird man sich im Rat sicher noch austauschen müssen. Ebenso darüber, ob es bei den jetzt geplanten Grundstücksgrößen bleibt. Denn, so Reinhard Trau, sei bisher ja nur das Baufenster festgelegt, sodass die Zuschnitte durchaus noch verändert werden könnten, bis es in die Verkaufsphase ginge. Allerdings warb er auch unbedingt dafür, die Parzellierung nachher nicht zu großzügig zu gestalten, um womöglich nicht genügend Leute bedienen zu können. „20 Bauplätze müssen auch erstmal zehn Jahre reichen, denn solange werden wir laut dem Raumordnungsprogramm kein neues Gebiet genehmigt bekommen.“ In Stein gemeißelt sei stattdessen schon jetzt die Grenze für das noch zu errichtende neue Regenrückhaltebecken, das sich an das Wohngebiet anschließen wird. „Die Fläche brauchen wir auch unbedingt“, betonte Volker Behrens vom Bauamt der Samtgemeinde Fintel.

Bekannt wurde in der Sitzung auch, dass der „Neue Kamp“ das erste Baugebiet in Stemmen sein wird, dem Glasfaseranschlüsse mit 100 MBit und mehr zur Verfügung stehen. Die erforderliche Technik für derart schnelles Internet sei bereits jetzt vor Ort vorhanden, hieß es. Bis dahin bleibt an der Lindenstraße aber noch der weite, unverbaute Blick über den Acker – und die Hoffnung, dass das Dorf ab dem nächsten Jahr wieder an Einwohnern zulegt.

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