Stemmer Besitzer schaltet die Polizei ein / Zeugin entdeckt Blutlache

Jäger erschießt Rassekatze

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Jörn Rogge an der Stelle, wo die Zeugin eine Blutlache entdeckte.

Stemmen - Von Ulla Heyne. Im kleinen Ort Stemmen schien die Welt noch in Ordnung – jedenfalls bis Montag. Da ließ Jörn Rogge seine drei Katzen wie jeden Morgen um sechs Uhr morgens nach draußen. Maine-Coon-Katze „Lemon“ kehrte nicht wie Schwester „Lara“ wie gewohnt um 7.30 Uhr zurück. Was der Bauingenieur zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Das zweijährige Tier war von einem ortsansässigen Jäger erschossen worden.

„Fast zwei Tage habe ich nach ihr gesucht, sonst reagiert sie auf Pfiff“, erzählt Rogge noch sichtlich erschüttert. Am Dienstagnachmittag habe er den Jäger, den er von Feiern her kennt, angerufen. „Ich dachte, sie sei vielleicht in eine der Fallen gegangen, die beim Melkschuppen aufgestellt sind“, sagt der 46-Jährige Stemmer.

Der Betreiber einer Jagdschule habe lapidar geantwortet: „Die brauchst du nicht mehr zu suchen, die habe ich erschossen. War ein bisschen weit von den Häusern entfernt.“ Laut Jagdgesetz dürfen streunende und wildernde Tiere, die sich in einer bestimmten Entfernung vom Wohngebiet aufhalten, geschossen werden. Für Rogge eine unfassbare Tat: „Wir hatten über die Katzen gesprochen, er wusste, wo die Tiere hingehören.“ Abgesehen von der Rechtmäßigkeit des Abschusses, über den die Staatsanwaltschaft zu entscheiden hat, zielen Rogges Vorwürfe auf die zwischenmenschlichen Spielregeln ab: „Wir kannten uns, er hätte mich vorher anrufen sollen, bevor er ein zahmes Haustier erschießt.“ Der Jäger mochte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht zu den Vorwürfen äußern. Die Tat hat er jedoch im sozialen Netzwerk „Facebook“ öffentlich zugegeben. Er habe mehrfach darauf hingewiesen, dass er schießen müsse, wenn er die Katzen weiter als 500 Meter entfernt vom nächsten Wohnhaus antreffe.

Für ihn war „Lemon“ eine wildernde Katze, die er zuletzt zwei Tage vorher zurück ins Dorf gescheucht habe. Für Rogge eine Schutzbehauptung: „Er hat mich nie darauf angesprochen, dass meine Katze streunt.“ Die Frage, wo genau „Lemon“ erschossen wurde, dürfte für Polizei und Staatsanwaltschaft, so sie sich des Falls annimmt, beschäftigen. Eine Zeugin hatte am Montag gegen 7.45 Uhr beim Spaziergang eine Blutlache gefunden, mitten auf dem Weg, der vom Melkschuppen ins Dorf führt, nur zirka 200 Meter vom Ort entfernt. „Ob die von einer Katze stammt, weiß ich nicht“, erzählt Zeugin Susanne Dürr.

Rogge fühlt sich auch von den Jagdschutzgesetzen im Stich gelassen: „Die Beweislast liegt ganz klar beim Besitzer. De facto können die Jäger machen, was sie wollen. Das kann nicht im Sinne des Gesetzes sein.“ So habe der Schütze den Tierkadaver mitgenommen und auch auf Nachfrage nicht ausgehändigt, zum Tatort äußert er sich nicht. Ob die Tat rechtens war, beschäftigt nun die Polizei – Rogge hat Anzeige erstattet. „Wir prüfen die Klage“, so Polizeisprecher Heiner van der Werp, „nötigenfalls auch durch Ermittlungen vor Ort. „Wenn alle Beweise vorliegen, geht der Fall an die Staatsanschaft.“ Dort werde entschieden, ob Anklage erhoben wird. Immerhin liegen auch von der Gegenseite Anzeigen vor – wegen Verleumdung und Sachbeschädigung des Autos.

Rogge wiederum beklagt, dass die von ihm aufgehängten Plakate, in denen er die Tat unter Nennung von Namen schildert, immer wieder entfernt werden. Dabei geht es ihm nicht primär um eine finanzielle Entschädigung für die rund 1000 Euro teure Rassekatze: „Sie war wie ein Kind-Ersatz, das kann man mit Geld nicht wieder gut machen“, sondern um Genugtuung, eine schriftliche Entschuldigung. Und: „Es darf nicht sein, dass Haustiere abgeknallt werden, nur weil sie mal einen Meter zu weit gehen. Das muss aufhören!“

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