Sparkasse Scheeßel stellt allgemeingültiges Bezahlsystem für E-Ladesäulen vor

Skepsis im Umweltausschuss

Mit einer solchen Ladesäule will die Sparkasse den Bezahlvorgang nach dem „Betanken“ von Elektroautos bundesweit vereinfachen.
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Mit einer solchen Ladesäule will die Sparkasse den Bezahlvorgang nach dem „Betanken“ von Elektroautos bundesweit vereinfachen.

Lauenbrück – Es könnte doch eigentlich ganz einfach sein: Man parkt sein Elektroauto vor einer E-Ladesäule, hält zum kontaktlosen Bezahlen die eigene Karte oder das Smartphone ans Display – und schon fließt zum Auftanken der Strom. Was sicher der Idealzustand wäre, sieht in der Realität hierzulande aber noch ganz anders aus. Denn ein allgemeingültiges Bezahlsystem, bei dem die ganz normale Kredit- oder Girokarte gleich welcher Bank zum Einsatz käme, das gibt es nicht. „Aus unserer Sicht und gewiss auch aus politischer ist das ein riesiges Problem“, sagt Jürgen Lange, Vorstandschef bei der Sparkasse Scheeßel. Gemeinsam mit seinem Kollegen Ralf Brockmann stellte der Banker jetzt im Umweltausschuss der Samtgemeinde Fintel ein Modell vor, welches bundesweit mehr Transparenz schaffen und auch für die Kommunen im Geschäftsgebiet des Scheeßeler Kreditinstitutes interessant sein könnte.

Denn, wie Brockmann zugespitzt vor den Mitgliedern ausführte: „Wenn man mit seinem E-Auto meinetwegen von Kiel nach München fahren möchte, braucht man dafür in etwa 26 Apps und 27 Karten.“ Zwar hätten die Energieversorger zur Einhaltung der sogenannten Ladesäulenverordnung untereinander vereinbart, dass Ladevorgänge im Prinzip mit jeder Karte möglich sein sollen, Stichwort E-Roaming, „aber das funktioniert ganz einfach nicht“, verdeutlichte er. So hätten die meisten Bezahlsysteme der Betreiber immer noch geschlossene Karten- oder App-Systeme jener Versorger, welche den Strom auch bereitstellen würden. Die Säulen selbst, die schon aufgestellt seien, ließen sich dann auf ein barrierefreies Bezahlsystem auch nicht ganz so einfach umrüsten. Brockmann: „Hier ist vor allem die Kreditwirtschaft aufgerufen worden, für ein Bezahlsystem zu sorgen, das jedermann quasi in seiner Tasche hat.“ Mittlerweile böte der Sparkassenverbund tatsächlich eine bundesweit einheitliche Lösung an, nämlich über eine eigene Einkaufsgemeinschaft. Die wiederum kooperiere mit einem in Deutschland etablierten E-Ladesäulenanbieter. Die ersten barrierefreien Strom-Tankstellen seien schon fix und fertig konfiguriert aufgestellt worden, im Raum Detmold, „und da funktionieren die einwandfrei“.

Mit der Absicht, den Kommunen im Geschäftsgebiet der Sparkasse Scheeßel solche Säulen zu verkaufen, seien er und sein Kollege indes nicht in den Ausschuss gekommen, versicherte Jürgen Lange. „Das ist auch gar nicht unsere Aufgabe, stattdessen wollen wir ganz unverbindlich einfach nur einen Impuls geben, wie man ein für alle zugängliches Bezahlsystem schafft.“

Und dieser Impuls, befand Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger, käme durchaus zur rechten Zeit. „Schließlich haben wir uns in der Politik schon über Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Mobilität auf lokaler Ebene unterhalten, aber auch über neue Dienstfahrzeuge der Verwaltung, die als E-Autos angeschafft werden könnten.“

Schön und gut, meldete sich Ausschussmitglied Hans-Jürgen Schnellrieder (Grüne) zu Wort. Dass die Samtgemeinde als möglicher Betreiber aber über die Bürger, konkret über deren Steuergelder, eine Ladesäule erwerben soll – laut Brockmann bewegen sich die Kaufkosten zwischen 15 000 und 20 000 Euro, alternativ könne eine solche Station aber auch für monatlich 280 Euro gemietet werden –, sei für ihn alles andere als unproblematisch. „Wenn der Energieversorger Geld damit verdienen will, muss er die Säule auch hinstellen.“ Tatsächlich, pflichtete Lange dem Grünen-Politiker bei, dürften für die Kommunen in der Tat keine Kosten entstehen. Eine solche Summe, stellte Tobias Krüger fest, sei jedenfalls schon eine große Hausnummer.

Skeptisch äußerte sich auch SPD-Ratsherr Werner Kahlke: „Ich bin davon ausgegangen, die Sparkasse würde uns eine Säule hinstellen und uns die 25 oder 30 Cent pro Kilowattstunde zur Refinanzierung abnehmen.“ Den von Brockmann und Lange vorgestellten Ansatz halte er jedenfalls für falsch – „gerade hier in der Fläche bei unseren kleinen Kommunen“. Für Michael Sablotzke, seinen Parteikollegen, sei die jetzige Elektro-Technologie eh nur „ein Zwischending“. Seiner Meinung nach gehöre die Zukunft aus rein ökologischer Sicht dem Wasserstoff-Antrieb. Denn: „Spätestens in fünf Jahren sind die in den E-Autos verbauten Akkus allesamt Schrott – dann werden wir Sondermüll ohne Ende haben.“

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