Nordpfade: Rüdiger Bruns lernt beim Wandern den Landkreis erst richtig kennen

Die Schönheit vor der Haustür

Auch wenn sie nicht in voller Blüte steht, bietet sie für Rüdiger Bruns einen schönen Anblick: die Vareler Heide.

Fintel - Von Stephan Oertel . Rüdiger Bruns dachte, den Landkreis Rotenburg gut zu kennen. Doch erst beim Wandern ist ihm so richtig bewusst geworden, wie schön es hier zum Teil ist. Selbst in seiner Heimatgemeinde Fintel, in der er fünf Jahre Bürgermeister war, entdeckte er Neues. Der 78-Jährige ist alle 24 Nordpfade abgelaufen. Manche mehrmals. Und er hat noch viel vor.

Es war eine eher spontane Idee, die Bruns zum Wandern brachte. Aus dem Freundeskreis kam der Vorschlag, entlang des europäischen Fernwanderwegs E 1 Deutschland zu erkunden. „Ich wollte dann gleich von Syrakus zum Nordkap“, sagt der Finteler. „Wollte“, fügt er schmunzelnd hinzu. In mehreren Etappen legte die Gruppe in unterschiedlicher Stärke immerhin eine Strecke von Norddänemark bis Genua zurück. „Da ist die Wanderleidenschaft erblüht“, erinnert sich Bruns. Mehr als 30 Jahre ist das her.

Seither ist er viel auf Schusters Rappen unterwegs gewesen. Unter anderem auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela und weiter bis zum Atlantik - bevor Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ einen kleinen Hype auf diese Strecke auslöste. Den Weg bis Basel habe er sich weitgehend selbst erschlossen.

Die in der Regel zehn bis 30 Kilometer langen Nordpfade sind für ihn eine Art Training für größere Touren. Sehen und sich bewegen: Das sind seine Haupttriebfedern beim Wandern. Die Rundwege im Landkreis Rotenburg bieten sich dafür hervorragend an. Unterwegs gebe es immer etwas zu entdecken. Zum Beispiel den Bereich rund um die Haxloher Erde fast direkt vor seiner Haustür. Den habe er natürlich gekannt, sagt Bruns. Aber wie schön es dort zum Teil ist, das habe er erst bei der Wanderung über den Nordpfad richtig wahrgenommen.

Ähnlich erging es ihm an anderen Orten. Als er noch Kreistagsabgeordneter war, ist er viel im Landkreis Rotenburg herumgekommen. Nicht zuletzt als Mitglied im Dorferneuerungsausschuss, der den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ begleitet. „Ich dachte immer, dass ich den Landkreis ganz gut kenne“, bemerkt der Finteler. Die landschaftliche Schönheit und Vielfalt habe sich ihm so richtig aber erst auf den Nordpfaden erschlossen.

Der ehemalige Lehrer gerät ins Schwärmen, wenn er an Abschnitte der Oste in Zeven und Sittensen denkt, an die Weite bei Bremervörde, die Bullenseen bei Rotenburg oder an die Sanddüne bei Everinghausen. Welcher sein Lieblingsweg ist? Bruns muss darüber nur kurz nachdenken: der Nordpfad „Wümme und Vareler Heide“. „Den bin ich schon drei Mal gelaufen.“ Besonders der Bereich der Wümme in Scheeßel und die Heide kurz hinter dem beschaulichen Örtchen Varel seien wunderschön.

Wenn er seine Wanderschuhe geschnürt hat, macht er sich meistens alleine auf den Weg. Manchmal verbindet er die Tour mit einem Termin und geht zumindest einen Teil des Nordpfads. Wie es am besten passt. Der 78-Jährige genießt es, in der Natur unterwegs zu sein. Dabei bekomme er auch ein Gefühl für die Geschichte, fügt er hinzu. Er mag es, sich vorzustellen, wie die Menschen hier einst lebten. So zeugen Hügelgräber von urzeitlichen Kulturen. Und wer sich etwas genauer umsieht, könne zum Beispiel erkennen, warum die Wassermühle in Federlohmühlen gerade dort gebaut worden ist. Bruns mag Geschichte.

Als er bei Elm an den alten Siedlungsstellen im Moor vorbei gelaufen ist, habe er ein Bild davon bekommen, wie sich Menschen dort einst zu Tode gequält haben, um irgendwie über die Runden zu kommen. Auf dem Nordpfad „Wümmeniederung“ wiederum seien ihm Stufen aufgefallen, die auf eine frühere Wasch- oder Badestelle hindeuten. Und bei Bartelsdorf steht der lange Steg aus Eichenbohlen dafür, welchen Aufwand Menschen früher betrieben haben, um über das Moor zur Kirche zu kommen. Auf dem Nordpfad „Kirchsteg - Moore - Bäche“ können Wanderer diesen Weg nachverfolgen.

Für jene, die sich nicht so sehr mit der Geschichte beschäftigt haben, finden sich Infotafeln an einigen Sehenswürdigkeiten. „Sehr gut“, findet der gebürtige Mecklenburger diesen Service. Wie er auch die Beschilderung der Wege fast überall für vorbildlich hält. Die sei so gut, dass man schon fahrlässig wird, sagt er und lacht. Den Tourenbegleiter des Touristikverbands „Tourow“ hat er für alle Fälle immer dabei.

Seiner Wanderleidenschaft möchte Rüdiger Bruns noch lange frönen. Ziele gibt es genug. Den rund 300 Kilometer langen Wanderweg von Loccum ins thüringische Volkenroda möchte er gerne zurücklegen. „Den will ich schon seit 20 Jahren gehen.“ Auch würde es ihn reizen, erneut die Alpen zu überqueren. Das habe er schon mal mit einem seiner Enkel gemacht.

Ein Traum wäre es zudem, den Pilgerweg von Santiago de Compostela nach Fintel zu Fuß zurückzulegen. Er wäre dann, wenn auch in Etappen, wie die früheren Pilger diesen Weg hin und zurück gelaufen. „Die waren früher ein Jahr lang unterwegs.“ Auch um für solche Touren fit zu bleiben wird er weiterhin die Nordpfade aufsuchen. „Das sind alles schöne Wege - und sie sind nicht weit weg“, sagt er.  zz

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