Runder Tisch zur besseren Versorgung schwangerer Asylbewerberinnen und Wöchnerinnen

„Können wir gar nicht mehr leisten“

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Trotz einiger bestehender Angebote ist es schwierig, den gesetzlich verankerten Betreuungsbedarf schwangerer Flüchtlinge zu decken.

Lauenbrück - Von Ulla Heyne. Sprachbarrieren, Überlastung, kulturelle Unterschiede, Bürokratie in der Kostenübernahme und mangelnde Strukturen – die Probleme bei der Betreuung schwangerer Flüchtlingsfrauen und junger Mütter sind vielfältig.

Grund genug für die derzeit in Vahlde ansässige Hebamme Mara Jäger, viele Beteiligte zur Vernetzung und Erörterung der Probleme und möglicher Abhilfe an einen Tisch zu holen. Rund 25 mit der Betreuung schwangerer Flüchtlingsfrauen befasste Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund sind der Einladung der Hebamme in den Lauenbrücker Ratssaal gefolgt, darunter Vertreter der Samtgemeinde Fintel, ehrenamtliche Betreuer und zahlreiche Kolleginnen Jägers. Und die machten deutlich, dass die zusätzliche Belastung neben der allgemeinen Überlastung nicht zu wuppen sei. „Wir haben eh schon zu wenig Hebammen und müssen sogar Frauen ablehnen, die sich erst in der 20. Schwangerschaftswoche bei uns melden – das können wir gar nicht mehr leisten“, sprach die Scheeßelerin Birgit Große vielen Kolleginnen aus der Seele. Der Vorschlag von Margret Seddig, die offiziellen Stellen in die Pflicht zu nehmen und die Einstellung einer Hebamme für schwangere Flüchtlinge einzufordern, stieß auf allgemeinen Konsens.

Momentan, das machten die meisten Redebeiträge deutlich, versucht man, den Missständen mit eigenen Mitteln beizukommen – Übersetzungs-Apps und Karten mit Infos über Blasensprung und Kaiserschnitt statt Dolmetschern, Hinzuziehung von zumeist nicht entlohnten Ehrenamtlern oder, wie der Rotenburger Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Hans-Peter Hagenah es schilderte, die Hinzuziehung mehrsprachiger Mitarbeiter im Rotenburger Diakoniekrankenhaus.

Er machte deutlich, dass es vor allem an Strukturen fehle: „Wir haben es schon erlebt, dass eine Schwangere wegen eines Beinbruchs zu uns in den Kreißsaal geschickt wurde.“

Der Vorschlag der Moderatorin des Abends, Angela von Beesten, den Forderungen an höherer Stelle Druck zu verleihen – in Form eines offenen Briefs an Organe wie Landkreis, Jugend- und Sozialamt sowie deren Einbindung in weitere Treffen –, fand bei den meisten Anwesenden Anklang. Allen gemeinsam: Der Wunsch nach Vernetzung, Kooperation und unbürokratischer Hilfe zum Wohl der oft durch Flucht oder Vergewaltigung traumatisierten Asylbewerberinnen.

„Viele wissen gar nicht, dass ihnen Möglichkeiten wie später Abbruch oder Adoptionsfreigabe offen stehen“, berichtete Jäger. Ebenso sei die Unkenntnis über Schwangerschaftsbetreuung so groß, dass die Anfragen nach einer Hebamme häufig zu spät kämen. Hier wolle man bei den Gemeinden für größeres Mitdenken und frühzeitiges Handeln werben.

Aber auch einige positive Beispiele wurden vorgestellt. So berichtete eine Hebamme aus dem Heidekreis von unbürokratischen Zusagen der Kostenübernahme durch das Sozialamt; eine Ehrenamtlerin in Tarmstedt berichtete von Patenschaften für Schwangere und Begleitungen bis in den Kreißsaal. Doch auch hier offenbarten sich potenzielle bürokratische Hürden – wie die Entbindung von der Schweigepflicht.

Das dominierende Element des gut zweistündigen Treffens: Die allgemeine Ratlosigkeit angesichts der immensen Herausforderungen. Und die Erkenntnis: „Dieses Treffen ist seit zehn Jahren überfällig“, wie Jäger es zuspitzte.

Der nächste runde Tisch ist in zwei Monaten geplant.

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