Gut besuchte Infoveranstaltung in Stemmen

Risiken und Chancen von Windparks 

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Zwischen den Besuchern und den Experten Christiane Looks (v.l.), Matthias Elsner, Lothar W. Meyer und Hans-Jürgen Schnellrieder kam es zu einer lebhaften Diskussion.

Stemmen - Von Wieland Bonath. Sturmtief „Sebastian“ passte am Mittwochabend zum Thema: „Windkraft rund um die Samtgemeinde Fintel?“Der Ortsverband Fintel von Bündnis 90/Die Grünen mit seiner Vorsitzenden Gabriele Schnellrieder hatte in das Hotel Landgut Stemmen zu einer Bürgerversammlung eingeladen.

Erneuerbare Energie, Windkraft, geplante Windparks, zum Beispiel am Hammoor nördlich von Fintel – ein Dauerbrenner mit einer Fülle von Diskussionen über Gesundheits- und Naturschutz, mit Fragen, ob der Bau von immer mehr Windkraftanlagen notwendig ist oder zunehmend zur Belastung wird. Entsprechend gut besucht war der Infoabend.

Schnellrieder, die auch an der Spitze des Kreisverbandes der Grünen steht, begrüßte Experten, die mit einer wahren Informationsfülle aufwarteten und mit ihrem Fachwissen die Besucher teilweise überforderten: Matthias Elsner, Experte für Energiesystem (Landesverband „Vernunftkraft“), Prof. Dr.-Ing. Lothar W. Meyer (Nordmetall GmbH) und Dr. Christiane Looks (Naturschutzbeauftragte für den südlichen Bereich des Landkreises).

Umfassende Information der Bürger

Moderator Hans-Jürgen Schnellrieder betonte zu Beginn der Veranstaltung, dass es an diesem Abend nicht um den Austausch der Meinungen von Gegnern und Befürwortern der Windkraft gehe, sondern um eine umfassende Information der Bürger.

Die Grünen hatten im Zusammenhang mit der Planung von weiteren Windrädern unter anderem auf fehlende Transparenz hingewiesen und gesagt: „Wir fordern von den Gemeindeverwaltungen und den politischen Vertretern, dass alle Bürger – auch die der angrenzenden Gemeinden – Gelegenheit erhalten, sich über die Risiken und Chancen von Windparks in ihrer Nähe zu informieren. Wir wünschen uns von den Verantwortlichen, dass eine weitere Abstimmung über den Flächennutzungsvertrag erst nach einer umfassenden Aufklärung erfolgt.“ Die Grünen, heißt es weiter, seien der Meinung, dass „die Bürger ein Recht auf Mitentscheid haben, wenn derartig einschneidende Baumaßnahmen in der Dorfentwicklung vorgenommen werden“.

Looks, die im Rahmen ihres Ehrenamtes gleichzeitig Mitglied des Umweltausschusses ist, wies auf das vor vier Jahren vom Landkreis beschlossene Regionale Raumordnungsprogramm hin. Ebenso habe der Kreistag beschlossen, ein Klimaschutzkonzept zu erstellen. Der Kreis habe festgelegt, 1,3 Prozent der Gesamtfläche für „raumbedeutsame“ Windkraftanlagen zur Verfügung zu stellen. Etwa die Hälfte von der vom Land Niedersachsen angestrebten Fläche für erneuerbare Energie. Die Planungshoheit, so die Naturschutzbeauftragte weiter, hätten die Kommunen im Landkreis Rotenburg nach einer Befragung dem Kreis überlassen.

Tabuzonen für Windräder

Die Naturschutzbeauftragte ging außerdem auf die vom Kreistag festgelegten Kriterien im Zusammenhang mit der Errichtung von Windkraftanalgen ein. Natur- und Landschaftsschutzgebiete, FFH-Gebiete, Biotope, Waldflächen und Moore – alles Tabuzonen für Windräder. Der Mindestabstand zu bebauten Gebieten belaufe sich auf 1 000 Meter. Eine Entfernung, die bezogen auf den Nachbarlandkreis Verden mit 750 Metern unterschritten werde.

Um die Lebensräume der Vögel durch Windenergieanlagen (Vogelschlag) zu minimieren, wurden Schutzzonen unterschiedlicher Größe festgelegt. Werden beispielsweise seltene Schwarzstörche beobachtet, dann dürfen im Umkreis von zehn Kilometern keine Windräder errichtet werden.

Looks: „Wenn von uns der schonende Umgang mit dem Regenwald gefordert wird, dann müssen auch wir in Deutschland verantwortlich handeln“. Sie warb bei den Besuchern um eine ehrenamtliche Mitarbeit im Arten-Erfassungsprogramm des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Chancen und Nachteile der erneuerbaren Windenergie, Auswirkungen auf die Gesundheit, die Reaktionen der Industrie auf offensichtliche Probleme, diese Themen gehörten zu den Inhalten der Referate der beiden anderen Experten des Infoabends, Matthias Elsner und Lothar W. Meyer. Ein Austausch mit Zuschauermeinungen, Besucher waren auch aus benachbarten Landkreisen nach Stemmen gekommen, schloss sich an.

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