Piks mit Vorspiel

Frank Brockmann aus Fintel erlebt kleine Odyssee im Zevener Impfzentrum

Frank Brockmann mit seinen beiden Impfbüchern. „Dass der ältere Pass gültiger sein soll, als der neuere, finde ich schon verwunderlich“, sagt der Finteler.
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Frank Brockmann mit seinen beiden Impfbüchern. „Dass der ältere Pass gültiger sein soll, als der neuere, finde ich schon verwunderlich“, sagt der Finteler.

Fintel – Das habe er sich irgendwie doch ein bisschen anders vorgestellt, sagt Frank Brockmann (60) aus Fintel. Am vergangenen Samstag machte sich der Vorruheständler für seine Erstimpfung in Begleitung von Ehefrau Petra nach Zeven ins Impfentrum. Was der bekennende HSV-Fan dort erlebte, darüber kann er heute teilweise nur ungläubig mit dem Kopf schütteln.

„An sich ist das Angebot natürlich eine gute Sache“, sagt Brockmann, der aufgrund mehrerer Vorerkrankungen schon jetzt einen Termin bekommen hatte. „Manchmal habe ich bei meinem Besuch aber nur gedacht, wie unkoordiniert es doch dort zur Sache geht.“

Bereits bei seiner Ankunft sei ihm ein Aspekt negativ ins Auge gefallen: „Die Wege vom Parkplatz zum Zentrum sind schon recht weit und teilweise auch nicht gepflastert, sondern nur geschottert – für ältere Leute, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind, kann das durchaus eine Zumutung sein.“ Ebenso, dass man in der Warteschlange für betagtere Impflinge keine Sitzgelegenheiten vorgehalten habe, sei seiner Meinung nach eher unglücklich. „Da steht man ja auch erst mal eine halbe Stunde an.“

Als er an der Reihe gewesen sei, berichtet der frühere Logistik-Projektleiter beim Hamburger Spiegel-Verlag weiter, sei er zu seiner eigenen Überraschung nach dem Personalausweis gefragt worden. „Dabei stand im Einladungsschreiben ganz explizit, dass bei der Anmeldung wahlweise auch die Krankenkassenkarte oder ein Schwerbehindertenausweis genügen würden.“ Er habe Erstere gezückt, „da stehen ja auch mein Name und mein Geburtsdatum drauf – nur hat die Mitarbeiterin den gar nicht sehen wollen, sondern nach dem Perso verlangt“, schildert Brockmann. Den habe er dann auch vorgelegt – nur sei die Dame beim Blick auf sein Geburtsjahr erneut stutzig geworden. „Sie meinte, dass ich wegen meines Alters heute wohl ganz bestimmt nicht geimpft werden könne. Daraufhin habe ich ihr entgegnet, dass mir doch eine Einladung von der Landesregierung zugegangen sei.“

Manchmal habe ich nur gedacht, wie unkoordiniert es zur Sache geht.

Frank Brockmann

Daraufhin habe sich die Helferin erst bei den Kollegen erkundigen müssen. „Als sie wieder kam, waren ihre Gesichtszüge, soweit ich das unter der Maske erkennen konnte, zwar komplett entglitten, sie meinte aber, dann sei das wohl in Ordnung so.“

Nur in Ordnung, berichtet der Finteler, sei damit noch immer nicht alles gewesen. So habe die Frau von der Anmeldung doch auch noch sein offizielles, aber bereits 40 Jahre altes Impfbuch beanstandet. „Bei der Durchsicht meinte sie, sie könne damit nichts anfangen, weil darin ja keine Spalte für Covid-19 enthalten sei.“ Brockmann schmunzelt: „Wenn man schon vor so vielen Jahren eine solche Spalte im Buch eingerichtet hätte, wäre man doch ganz schön schon weit seiner Zeit vorausgewesen.“ Wie gut, sagt er, habe er noch ein älteres Dokument mitgeführt, in dem der Punkt „Besondere Schutzimpfung“ aufgeführt und das von der Sachbearbeiterin denn auch tatsächlich für tauglich befunden sei. „Dass das ältere Buch gültiger sein soll, als das neuere, finde ich schon verwunderlich.“

Seine kleine Odyssee sollte damit aber noch nicht beendet sein – habe er sich beim anschließenden Ausfüllen und Unterschreiben diverser Formulare, darunter eine Impf-Einverständniserklärung, doch einmal mehr erstaunt die Augen reiben müssen. „Da war doch ernsthaft die Rede davon, man habe von der Möglichkeit eines ausführlichen Gesprächs mit dem Impfarzt Gebrauch gemacht – wie hätte ich das aber mit gutem Gewissen unterschreiben sollen, wenn eine solche Unterredung zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht stattgefunden hat?“ Auf diese Frage habe ihm eine Betreuerin am Stehtisch jedenfalls keine zufriedenstellende Antwort geben können. Nur so viel: „Sie erklärte mir, das müsse man sofort machen, das sei ja der normale Weg – und außerdem hätte die Reihenfolge bis auf mich noch nie jemand infrage gestellt.“ Ihn allerdings interessiere nicht, was andere machen würden – „ich finde einfach, es ist die falsche Reihenfolge, woraufhin mir der Arzt im anschließenden Aufklärungsgespräch sogar recht gegeben hat“. Immerhin habe er auf dem Bogen vermerkt, dass es bei Unterschrift noch kein Arztgespräch gegeben habe. „Alles andere wäre ja auch kompletter Blödsinn gewesen.“ Im Nachhinein sei sein Eintrag dann korrekterweise wieder gestrichen worden.

Als „komisches System“ wertet Frank Brockmann im Rückblick den Wartebereich, die nächste Station der „Impfstraße“. Warum? „Die Platzierung reicht nicht etwa von links nach rechts, wie es nach der Reihenfolge der Ankömmlinge eigentlich logisch wäre, sondern ist meiner Ansicht nach doch ziemlich chaotisch, da man sich nach Belieben dorthin setzen kann, wo gerade ein Stuhl frei ist.“ Dennoch habe der Security-Mann seiner Beobachtung nach immer den Überblick behalten und die Menschen in richtiger Chronologie weiterverwiesen.

Die Impfung selbst, blickt Brockmann zurück, sei dann „ratzfatz“ erfolgt. Verabreicht worden sei ihm der Impfstoff von Astrazeneca, „und den habe ich bis jetzt auch wirklich gut vertragen“, sagt er.

In zwölf Wochen, Ende Juli, hole er sich im Zevener Impfzentrum seinen zweiten Piks ab. Dann beginnt für ihn – wie für alle Besucher – das Vorzeige- und Ausfüllprozedere von Neuem. Der 60-Jährige sieht dem Tag gelassen entgegen: „Ich bin ja jetzt wirklich schon auf alles Mögliche gefasst.“

Von Lars Warnecke

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