Perfekt vernetzt

Projekt „Auszeithöfe“: Akteure testen ihre eigenen Wohlfühl-Angebote in Lauenbrück und Scheeßel

Auf Wildkräuter-Exkursion: Landwirtin Sabine Bassen (2.v.r.) zeigt den Teilnehmern, dass auch Brenessel, Gundermann und Co. lecker sein können.
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Auf Wildkräuter-Exkursion: Landwirtin Sabine Bassen (2.v.r.) zeigt den Teilnehmern, dass auch Brenessel, Gundermann und Co. lecker sein können.

Scheeßel/Lauenbrück – Schon erstaunlich, was an Gaumenfreuden so alles am Wegesrand gedeiht – wenn man denn weiß, was überhaupt genießbar ist und wie man es richtig zubereiten soll. Sabine Bassen zumindest weiß es. Und sie gibt ihr Wissen über Wildkräuter gerne weiter. So auch an jene, die sie am Mittwoch auf ihrem Hof begrüßen konnte. Was die Scheeßeler Landwirtin und ihre Besucher aus den Landkreisen Rotenburg und Osterholz verbindet: Alle sind sie inzwischen vernetzt, man kennt sich.

Das war nicht immer so. Durch das Projekt „Auszeithöfe – Landerlebnis für Körper & Geist“ sei man aber zusammengerückt, sagt Vivien Ortmann von der Land-Touristik Niedersachsen (LTN). Ihr Verband hat die besagte Kampagne, die 2020 unter dem Einfluss der Pandemie eher im Stillen angelaufen war, ins Leben gerufen. Worum es geht? „Wir möchten neuartige, präventive Angebote schaffen, die naturnahe Hoferlebnisse mit Gesundheitsprogrammen verbinden“, klärt die LTN-Geschäftsführerin auf. Dafür bringe man im Schulterschluss mit den Toursitikverbänden beider Landkreise, also dem Tourow für Rotenburg und der Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser für Osterholz, verschiedene Ferienhöfe mit Akteuren gesundheitlicher, sozialer und naturnaher Dienstleistungen zusammen – eben in einem Netzwerk, in dem man sich wunderbar austauschen könne. „Zum Beispiel darüber, wie man das, was man alleine schon macht, gemeinsam in Form von Kombinationsangeboten im ländlichen Raum im Zuge der Daseinsvorsorge noch besser machen kann“, erläutert Ortmann.

Das sei jedenfalls das Ziel des vom Europäischen Sozialfonds geförderten Modell-Projekts, das bis September 2022 noch in den besagten Landkreisen zwecks Erprobung läuft und anschließend, nach einer Evaluierung und der Erarbeitung eines allgemeinen Leitfadens, auch auf ganz Niedersachsen ausgeweitet werden solle.

Erstmal geht es für die Teilnehmer aber jetzt unter Leitung von Sabine Bassen auf eine Kräuterwanderung. Susanne Heitmann ist auch mit dabei. Sie betreibt in Hellwege den Eichenhof mit angeschlossenem Café. Oder die Kinseologin Kirsten Westerndorf-Reiter aus Rotenburg, die das Waldbaden in ihren Katalog aufgenommen hat. Oder Daniela Raimann, die in Grasberg ein naturnahes Hotel führt. Beim in der Regel wenig beachteten Gundermann-Kraut macht die Gruppe halt. „Wenn die Leute wüssten, was da zu ihren Füßen so alles wächst, könnten die Supermärkte zu machen“, befindet Udo Fischer, der Tourow-Geschäftsführer. Mit Blick auf das illustre Netzwerk, das immerhin schon 45 Akteure zählt, sagt er: „Was da schon in mehreren Workshops an Austausch untereinander stattgefunden hat, dafür bin ich sehr dankbar.“ Dem kann Vivien Ortmann nur beipflichten: „Ob das nun ein Ferienhof ist, eine Pension, ein Hofcafé, ein Hofladen, wie ihn Sabine Bassen mit ihrem Kräuterstübchen und dem Melkhus betreibt, oder Waldbaden und Wanderungen – die Vielfalt, und das finde ich wirklich toll, ist enorm.“ Am schönsten, sagt sie, wäre es natürlich, wenn die Krankenkassen die ein oder andere Offerte, die sowohl für einen Tag wie auch an mehreren gelten könne, diese am Ende auch als niedrigschwelliges Präventionsangebot anerkennen würde. „Selbstverständlich ist es aber auch in Ordnung, wenn es sich um Angebote handelt, die nicht alle Kriterien der Kassen erfüllen.“ Weitere Interessenten könnten sich jedenfalls noch immer dem Netzwerk anschließen.

Entspannung im Landpark: Miriam Lütjen (l.) weiht die Gäste in die Kunst des Yoga ein.

Für die zehnköpfige Gruppe geht es als Nächstes in den Landpark Lauenbrück. Denn auch der ist Teil der „Auszeithöfe“. „Nachdem wir letztes Jahr fast ausschließlich mit digitalen Workshops gestartet sind, wollen wir unsere Angebote jetzt auch mal selber ausprobieren“, erzählt Sabine Arnd von der in Oldenburg ansässigen Land-Touristik. Am Eingang empfangen Parkmitarbeiterin Nina Grünewald und Miriam Lütjen die Gäste. Letztere ist Yoga-Lehrerin in Gnarrenburg, bietet demnächst gemeinsam mit einer Kollegin Yogawanderungen durch den Tierpark an. Wie das aussieht, davon machten sich die Teilnehmer gleich selbst ein Bild – mit der Möglichkeit, bei den Übungen einmal kräftig durchzuatmen inklusive.

Im September, nach den Sommerferien, treffen sich die Projektpartner für weitere Tests wieder – dann im Nachbarlandkreis Osterholz. Dort wie hier seien die Gegenden noch sehr landwirtschaftlich geprägt, die Leute hätten „eine extrem herzliche Art“, weiß Tourow-Chef Fischer zu berichten. Daher passe es auch einfach wie die Faust aufs Auge, Urlaub und Freizeit mit Gesundheitsangeboten zusammenzubringen.

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