Für den Otter und die Bildung

Die Anschaffung des Info-Mobil hat Kuno Kumpins stark voran getrieben. Es wird zur Ausbildung der Jungjäger eingesetzt und dient der Umweltbildung. Foto: Witte

Zehn Jahre lang hat Kuno Kumpins die Jägerschaft Rotenburg nach außen vertreten. Jetzt hat er seine Ämter abgegeben und kann sich nun ausschließlich seiner Passion, dem Jagen, widmen.

VON FARINA WITTE

Helvesiek – Das Jagen, sagt er, ist für ihn mehr als ein Hobby. „Das ist mein zweites Leben“, sagt Kuno Kumpins. Der ehemalige Schriftführer und Öffentlichkeitsbeauftragte der Jägerschaft Rotenburg ist naturverbunden aufgewachsen. In seiner Zeit als Berufsoffizier hatte er nie die Gelegenheit, einen Jagdschein zu machen. „Ich musste häufig umziehen, da war einfach nicht die Zeit dafür da“, erklärt er, warum er sich dem Hobby erst vor zwölf Jahren gewidmet hat. Und weil er nach seiner Pension mehr Zeit hatte, hat der Helvesieker sich Ende 2008 bereit erklärt, in die Vorstandsarbeit einzusteigen.

Der Faktor Zeit hat es ihm dann auch ermöglicht, die beiden großen Projekte, den Fischotterschutz und das Info-Mobil, voranzutreiben. „Der Fischotter unterliegt dem Jagdrecht“, informiert Kumpins. Dass bedeute gleichzeitig, dass die Jäger den Bestand und den Lebensraum pflegen, auch wenn die Bejagung verboten ist. Waren die Mardertiere bis 1910 in der Region ausgerottet, kamen sie nach und nach in den Landkreis zurück. Ein positives Zeichen. „Der Fischotter ist ein Indikator für gute Fischqualität“, weiß Kumpins. Mit der Wiederkehr der Tiere ging aber auch einher, dass mehr und mehr Opfer des Verkehrs wurde. Der Grund ist denkbar einfach. Zwar sind Fischotter gute Schwimmer, scheuen jedoch häufig Brücken. Kann er sie nicht trockenen Fußes auf einem Uferstreifen unterqueren, schwimmt er nicht unter ihnen hindurch, sondern klettert an Land. Er überquert die Straße und geht auf der anderen Seite wieder ins Wasser. „Mit der Rückkehr des Otters mehrten sich auch hier die Unfälle“, berichtet Kumpins.

So war bald die Idee geboren, etwas für den Schutz der Tiere zu tun, möglich wurde das aus Mitteln der Jagdabgabe, die im Landkreis 30 000 Euro pro Jahr beträgt. Diese geht an das Land, aber sie werden für etwaige Tier- und Naturschutzmaßnahmen verwendet. Kumpins übernahm die Antragstellung für die Gelder. Die Kreisjägerschaft bekam die Mittel – sechs Brücken konnten ottersicher gemacht werden. Als erstes bekam die Wümmebrücke der B 75 in Lauenbrück eine sogenannte Berme. Das sind künstliche Uferstreifen oder alternativ Laufbretter, mit deren Hilfe die Tiere unter der Brücke hindurch laufen können. Eine Berme in Form eines Kiesbettes ist auch an der Helvesieker Wümmebrücke und der Veersebrücke an der B 75. 28 495 Euro zahlte das Land aus den Mitteln der Jagdabgabe, der Landkreis übernahm weitere zehn Prozent. Mithilfe einer Aufkleber-Aktion und Geldern des Landkreises machte die Jägerschaft drei weitere Brücken passierbar für die Otter.

Sein letztes Projekt war das Info-Mobil. Der Wunsch war schon lange da, sagt Kumpins. Gerade in der Jungjägerausbildung habe man gesehen, dass die Menschen einen immer geringeren Bezug zu den Wildtieren haben. „Und sie kennen die Zusammenhänge kaum noch.“ Die einzelnen Hegeringe haben deshalb auch Aktionen für Kinder wie den Lernort-Natur in Visselhövede. Ein Info-Mobil, das Wissenswertes über die Natur und die Tierarten ausgestattet ist, fehlte noch. Seit bald zwei Jahren ist es nun im Einsatz. Ausgestopfte Tierarten, vom Fuchs bis zum Waschbären, hat die Jägerschaft dafür angeschafft. Aber auch Gehörne und Getreidesorten sind in Schubladen verstaut. Neben der Jungjägerausbildung kommt das Mobil auf Märkten zum Einsatz. Auch Schulklassen und andere Gruppen können sich die Tierarten anschauen. Das neueste, was Kumpins dazu beigesteuert hat, ist der ausgestopfte Wolf. Das Tier ist auf einer Autobahn überfahren worden. Kumpins konnte das Präparat über ein Institut in Berlin organisieren.

Als Anerkennung für die Vorstandsarbeit hat Kumpins die Verdienstnadel in Silber der Landesjägerschaft erhalten. Jetzt widme er sich noch mehr der Arbeit in seinem Jagdrevier am Bullensee. Dort schaut er regelmäßig vorbei.

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