Landtagswahl Niedersachsen 

Sozialdemokrat Tobias Koch aus Vahlde: Das Organisationstalent

In seinem Gemüsegarten in Vahlde kommt Landtagskandidat Tobias Koch fernab des Wahlkampfes und der Polizeiarbeit zur Ruhe. J Foto: Ujen

Vahlde - Von Joris Ujen. Es wirkt alles sehr aufgeräumt in den eigenen vier Wänden des Landtagskandidaten Tobias Koch (SPD). Der Vahlder gibt aber gleich zu Beginn des Gesprächs mit unserer Redaktion zu, dass „es normalerweise nicht ganz so ordentlich hier aussieht“.

Normalerweise putze er erst das Haus, wenn nach seinem Ermessen zu viel Staub dort liegt, gesteht der 32-jährige Polizeibeamte. „Deswegen übernimmt meine Freundin meistens den Putzdienst.“ Koch sei eher für die handwerklichen Arbeiten zuständig. Das liegt auch nahe, da der Vahlder vor seinem Polizeidienst eine Tischlerausbildung gemacht hatte. Nur ein kleiner Einblick in die noch recht junge, aber bereits umfangreiche Vita des Beamten.

Mitglied ist Tobias Koch in fast jedem Verein seines Dorfes. Im Sportverein sogar bereits seit seiner Geburt. „Mein Patenonkel meldete mich damals sofort an, so habe ich schon ein paar Urkunden sammeln können“, scherzt der Sozialdemokrat. Mit zehn Jahren wurde er zum Grünrock und trat dem örtlichen Schützenverein bei, wo er 2012 den Königstitel holte und vergangenes Jahr zum Erntemeister proklamiert wurde. Bei der Ortswehr ist er seit drei Jahren passives Mitglied und dem Freundeskreis Vahlde trat er im Jahr 2015 bei. Dieser Verbund unterstützt durch die Mitgliedsbeiträge viele Vereine, erzählt Koch, „und hat auch schon mal ein Fahrrad für eine Zeitungsausträgerin finanziert“.

Schaut man sich in Kochs Wohnzimmer um, entdeckt man eine Vielzahl an Büchern und DVDs. An sich nichts Besonderes. Für die heutige Zeit nicht mehr allzu gewöhnlich ist aber der Plattenspieler, der neben einer Auswahl an Vinylscheiben platziert ist. „Nostalgie pur. Wenn meine Kumpels vorbeikommen, hören wir uns gerne alte Platten an.“ Matthias Reim, Genesis oder Falco sind nur einige Interpreten, die sich auf Kochs Plattenteller regelmäßig drehen. Fußball gucken, speziell den Hamburger Sportverein, gehört ebenso dazu, wenn er einlädt.

Jahrelang Mitglied bei der JSG Fintau

Als Kind wollte der Vahlder Profi werden, „mir hat es dafür aber deutlich an Talent gemangelt“, gibt der Landtagskandidat zu. Daran änderte auch nicht die jahrelange Mitgliedschaft bei der JSG Fintau etwas. Regelmäßig tritt Koch auch heute noch für die ersten Herren oder die Altherren gegen das Leder. Ansonsten trifft er sich mit Freunden, spielt Tennis oder besucht in seiner Freizeit die Spiele der Basketballfrauen der Avides Hurricanes oder den Handballern des TuS Rotenburg.

Tobias Koch beschreibt sich als ehrgeizigen Typen und als Organisationstalent. Wenn etwas nicht nach Plan läuft, ärgert ihn das sehr, verrät er. Beim Aufzählen seiner Schwächen kommt ihm seine Freundin, die ebenfalls bei der Rotenburger Polizei arbeitet und gerade Feierabend hat, ungewollt zur Hilfe. „Tobias kann häufig nicht Nein sagen“, erzählt diese, wodurch das Interview kurzzeitig einer Paartherapie ähnelt, Koch ihre Aussage aber auch nicht abstreiten will. „Ich bin ein schlechter Verlierer“, ergänzt er. Er möchte halt immer gewinnen. „Du bist aber auch immer sehr entspannt“, pfeift sie dazwischen. „Dich kann so schnell nichts aus der Fassung bringen.“

Seine Freundin lernte er auf der Rotenburger Wache kennen und lieben. Seit zwei Jahren lebt sie mit ihm zusammen in einem Einfamilienhaus, Kochs Vater wohnt nur 200 Meter entfernt. Zur Erholung von all den vielen Tätigkeiten findet Koch seine Ruhe in der eigenen Sauna oder kümmert sich um die Pflege seines Gemüsebeets.

Praktikant bei Rotenburger Polizei

Vor seinem Dienstantritt als Polizist machte Koch 2004 seinen Gesellenbrief als Tischler, damals war er 20 Jahre jung. „Zu der Zeit hatten wir eine schlechte Konjunktur auf dem Bau. Deswegen machte ich mich auf die Suche nach etwas mit Zukunft“, erinnert er sich. In seinem Bekanntenkreis gab es einige Polizeibeamte. Koch war von diesem Beruf angetan, hatte bis dato aber nur einen Realschulabschluss. Und so bewarb er sich bei der Rotenburger Polizei als Praktikant, wo er drei Tage die Woche tätig war, die restlichen zwei Werktage drückte er in Lüneburg die Schulbank mit dem Schwerpunkt Verwaltung und Rechtspflege. „Das klappte ganz gut in der elften Klasse. In der Zwölften hatte ich nur noch Zeit für die Schule.“

2007 hatte Koch dann sein Fachabitur in der Tasche und begann noch im gleichen Jahr sein Bachelorstudium im Bereich Polizeivollzugsdienst in Nienburg. Nach drei Jahren Büffeln ging er dann samt Abschluss 2010 in den Streifendienst in Rotenburg. Ein halbes Jahr später wechselte der Sozialdemokrat in den Tatortdienst, eingesetzt im gesamten Landkreis. „Da ging es manchmal schon ans Eingemachte“, so Koch. Seit Ende 2013 ist er im Zentralen Kriminalitätsdienst tätig mit dem Schwerpunkt Umwelt- und Landwirtschaftsstrafsachen, aber auch Asylkriminalität wie beispielsweise illegale Einreise und Aufenthalt zählen zu seinen Aufgabengebieten.

Den Weg in die Politik fand Koch ähnlich wie in den Sportverein – nur nicht als Säugling, sondern als 21-jähriger junger Mann. Denn wieder war es sein Patenonkel, der an diesem Schritt nicht unbeteiligt gewesen war. Der arbeitete 15 Jahre lang ehrenamtlich im Vahlder Gemeinderat und als er aufhörte, fragte er seinen Neffen, ob er nicht Lust auf Kommunalpolitik hätte. „Ich habe mich auch damals schon für Politik interessiert und so fiel mir die Entscheidung nicht schwer“, erzählt Koch.

„Super Ergebnis“ bei der Kommunalwahl

Und so trat er 2006 eben jenem Gemeinderat und der SPD bei. „Da ich immer schon gerne Sachen organisiert und umgesetzt habe, war das für mich der logische Schritt.“ Koch stellte sich sogleich für die Kommunalwahl auf und konnte mit einem „super Ergebnis“ überzeugen. Fünf Jahre später konnte er sein Ergebnis sogar übertrumpfen. „Dann hatte ich immer mehr Lust bekommen und mehr Verantwortung im Gemeinderat übernommen.“

Sein nächstes Ziel, was er sich setzte, war ein Sitz im Samtgemeinderat Fintel sowie im Kreistag. Letzteres gelang ihm nicht, weil er mit Wilfried Behrens aus Fintel sowie Jürgen Borngräber aus Lauenbrück innerhalb der SPD zwei starke Konkurrenten um sich hatte. „Trotzdem war ich mit dem Ergebnis hochzufrieden.“ Die Zustimmung der Bürger aus Vahlde bescherte ihm zudem das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters – mit 31 Jahren. Koch: „Das hat mir viel Auftrieb gegeben.“

Nun kandidiert er für den Landtag. Sollte er nicht in diesen einziehen, werde er seine Polizeiarbeit fortsetzen, „die mir auch sehr viel Spaß macht“. Sollte es doch klappen, möchte er die innere Sicherheit stärken, indem mehr Beamte für den ländlichen Raum eingesetzt werden. Zudem möchte er sich gegen Fracking oder Verpressen einsetzen. „Die Gesundheit geht vor Profit“, lautet seine Einstellung dazu. Und: „Die ambulante Pflege muss gerade in unserer Heimat stark unterstützt werden. Denn unsere ältere Generation hat es verdient, in Würde zu altern.“

Der übergesetzliche Lärmschutz für Anwohner, insbesondere bei der Alpha-E-Trasse, sowie kostenlose Bildung für alle – das seien weitere wichtige Themen für ihn, unterstreicht der Vahlder.

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