Noch kein Nachfolger in Sicht

Einzige Zahnärztin in Lauenbrück gibt Ende des Jahres ihre Praxis auf

Sie war mehr als 37 Jahre lang Zahnärztin in Lauenbrück – Ende Dezember geht Christiane Lichte in den Ruhestand.
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Sie war mehr als 37 Jahre lang Zahnärztin in Lauenbrück – Ende Dezember geht Christiane Lichte in den Ruhestand.

Lauenbrück – Ein kleines Stück Arztgeschichte in Lauenbrück geht zu Ende: Nach mehr als 37 Jahren hängt Christiane Lichte den Kittel an den Nagel und schließt ihre Zahnarztpraxis an der Lindenstraße. Mit 68 Jahren verabschiedet sich die gebürtige Hamburgerin Ende Dezember in den wohlverdienten Ruhestand. Ein Problem bleibt allerdings bestehen: Es gibt noch keinen Nachfolger.

Die Geschichte hinter der Praxis ist eine außergewöhnliche und zur Zeit ihrer Gründung auch eine riskante. 1983 war Jürgen Borngräber, der damalige Bürgermeister, darum bemüht, den Ort mit einem Arzt sowie einem Zahnarzt auszustatten und hat dafür eine Annonce ins Hamburger Abendblatt gesetzt. „Mein Vater saß daheim in seinem Stuhl und las das Blatt – und warum auch immer, guckte er bei den medizinischen Assistenzberufen nach, obwohl er Jurist war“, erzählt Lichte. „Jedenfalls waren es 1 000 Zufälle, aber mein Mann und ich waren auf der Suche, um uns niederzulassen – und dann ist mein Vater nach Lauenbrück runtergefahren, hat sich das Dorf angeguckt und gemeint, dass wir dort hinziehen könnten.“ Daraufhin habe sie den Bürgermeister angerufen, der sichtlich erfreut gewesen sei. „Denn Lauenbrück hatte zu der Zeit gerade einmal 1 600 Einwohner und kein Arzt wollte sich in einem so kleinen Dorf seine Praxis aufbauen“, blickt die Medizinerin zurück. Den gleichen Standpunkt hätten seinerzeit auch die Banken und kassenärztlichen Vereinigungen vertreten, die das Vorhaben zuerst gar nicht unterstützen wollten. „So viele haben behauptet, wir würden hier nie überleben, aber innerhalb von vier Wochen haben wir uns schließlich dazu entschlossen, hier zu bauen.“

Am 1. März 1984 war es dann endlich soweit. Übergangsweise wurde die erste Praxis am Lauenbrücker Kohlhofsweg eröffnet. Mit einem Ikea-Regal samt Studentenschreibtisch ging es ans Werk – nach gut vier Wochen gesellte sich schließlich die erste Arzthelferin hinzu. Drei Monate später stand dann auch schon der Umzug in die Praxis am heutigen Standort an. Dem allerersten Patienten, erinnert sich Lichte, habe natürlich auch gleich ein Backenzahn gezogen werden müssen. „Und das Ganze hat nun über 37 Jahre Spaß gemacht, allerdings habe ich jetzt ein gewisses Alter erreicht und muss mich verabschieden.“ Ein großes Problem der Zeit sei leider nur, dass sich kein Nachfolger finden ließe, bedauert sie. Viele Nachwuchskräfte würden sich heutzutage keine Einzelpraxis mehr zutrauen. Noch dazu gebe es wirklich viel Bürokratie. „Es gibt sehr strenge Hygienemaßnahmen, Qualitätsmanagement, Praxisbegehung – einfach Sachen, die einem doch sehr viele Beine stellen“, weiß Lichte.

In Fintel und Kirchwalsede hätten sich nach einiger Zeit Kollegen gefunden, weshalb man auch in Lauenbrück die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe. Immerhin würde ein großer Versorgungsaspekt mit der Schließung der Praxis wegfallen. Sie selbst sei jedenfalls schon aktiv auf der Suche. „Ich sage es jedem Patienten, habe es bei der Gemeinde auf die Homepage gesetzt und gebe es an alle weiter.“ Denn vor allem in Kombination mit der angrenzenden Hausarztpraxis sei der Standort einfach ideal, befindet die 68-Jährige.

Es ist auch körperlich sehr anstrengend – und so schön die Zahnmedizin ist, genauso organisatorisch ist sie auch. 

Christiane Lichte

Die Idee, die Arztpraxis zu erweitern, steht derweil bisher noch nicht zur Diskussion. Außerdem müsse erst einmal alles abgebaut werden und es sei zu früh, jetzt schon alles zu entscheiden, sagt Lichte. Auch auf halber Kapazität zu arbeiten, komme für die Zahnärztin nicht in Frage. „Ganz oder gar nicht. Es ist auch körperlich sehr anstrengend – und so schön die Zahnmedizin ist, genauso organisatorisch ist sie auch. Somit sitze ich auch am Wochenende zuhause und kümmere mich um die Bürokratie.“ Noch dazu könne man den Beruf schlecht in reduzierter Form ausüben: „Wenn morgens ein Zahn gezogen wird und am Nachmittag plötzlich ärztliche Hilfe benötigt wird, ist es nicht gerade günstig, wenn die Praxis geschlossen hat.“ Falls sich allerdings doch ein Nachfolger findet, sei sie bereit, bei Bedarf ihre Hilfe anzubieten.

Ein großes Lob möchte Lichte an ihre Patienten aussprechen „Deren Unterstützung war wirklich sehr gut. Heutzutage werden immer wieder Termine vergessen und nicht abgesagt, aber hier waren alle immer sehr zuverlässig“.

Bleibt noch die Frage, welchen Abenteuern sich die Zahnärztin ab dem kommenden Jahr stellen möchte. „Ich mache viel Sport, spiele Querflöte, lese gerne auch das ein oder andere Buch und möchte definitiv mehr Kultur erleben und reisen – natürlich nicht aber gleich in Corona-Zeiten. Vielleicht verbringe ich dann auch mal vier bis sechs Wochen auf den Kanarischen Inseln.“

Bis es so weit ist, steht die Zahnärztin aber erst mal weiterhin ihren Patienten zur Verfügung – bis zum 31. Dezember. „Es war eine wunderschöne Zeit, ich werde sie schrecklich vermissen.“

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