Der scheidende Samtgemeindebürgermeister Michael Niestädt blickt auf acht Amtsjahre im Rathaus zurück

„Nie aus dem Bauch heraus“

Und Tschüss: Michael Niestädt räumt seinen Chefsessel im Rathaus. Mitnehmen wird er auch ein Bild der Vahlder Künstlerin Sabine Geddert, das jahrelang in seinem Büro hing. - Foto: Warnecke

Lauenbrück - Von Lars Warnecke. Jetzt heißt es Abschied nehmen: Nach acht Jahren geht die Amtszeit von Fintels Samtgemeindebürgermeister Michael Niestädt zu Ende: Am Donnerstag kommender Woche wird sein Nachfolger Tobias Krüger in einer Sondersitzung des Samtgemeinderates vereidigt. Am Freitag wird Niestädt offiziell verabschiedet. Wir haben den scheidenden Bürgermeister zu seiner Amtszeit und seinen künftigen Plänen befragt.

Herr Niestädt, wie waren die letzten Tage im Amt?

Michael Niestädt: Wie immer: verschiedene Sitzungen, Bearbeitung von Akten und Gesprächstermine. Außerdem habe ich ja noch ein paar Tage und muss unbedingt mit dem Aufräumen meines Arbeitsplatzes beginnen.

Was hat den Ausschlag gegeben, nicht ein zweites Mal anzutreten?

Niestädt: Ich hatte mir persönlich vorgenommen, ein Jahr vor Ablauf der Amtszeit zu entscheiden, ob ich dieses Amt auch noch sechs weitere Jahre so ausüben kann, wie ich mir das vorstelle. Dabei bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich eine Pause bräuchte, um diesem Amt für die weitere Zeit gerecht zu werden. Nach verschiedenen Gesprächen habe ich dann aber feststellen müssen, dass es als Bürgermeister nicht möglich ist, eine Auszeit zu nehmen, ohne die Mitarbeiter erheblich zusätzlich zu belasten, damit die Arbeit in der Samtgemeindeverwaltung so erledigt wird, wie das die Bürger und die Ratsmitglieder erwarten.

Jetzt sitzen Sie zum letzten Mal in Ihrer Eigenschaft als Bürgermeister beim RK/VN-Interview. Geben Sie zu, dass Sie auch froh sind, wenn es dann jetzt bald mal gut ist mit Presseterminen?

Niestädt: Nein. Ich gebe zu, dass die Samtgemeinde Fintel mit ihren Einrichtungen zu selten in den Medien präsentiert wird; aber zu konkreten Themen war ich immer gesprächsbereit.

Aber Sie können Abschied nehmen von öffentlichen Repräsentationspflichten...

Niestädt: Sie scheinen den Eindruck gewonnen zu haben, dass ich mich vor den Repräsentationspflichten gedrückt habe. Das kann ich so nicht bestätigen. Auch als Bürgermeister einer relativ kleinen Samtgemeinde wird man so oft zu Jubiläen, Veranstaltungen oder Einweihungen eingeladen, dass man sich entscheiden muss, ob man nicht auch mal absagt, um die Verwaltungsarbeit zu erledigen. Seit dem Ende der Eingleisigkeit in der niedersächsischen Kommunalverwaltung ist der Bürgermeister sowohl als politischer Repräsentant als auch als hauptamtlicher Chef der Verwaltung gewählt. Dadurch fallen automatisch mehr Repräsentationstermine an.

Wenn Sie auf die acht Jahre als Samtgemeindebürgermeister zurückblicken: Was war Ihre beste Entscheidung?

Niestädt: Zunächst muss ich mal aufklären, dass ich als Bürgermeister zwar oft entscheide, aber diese Entscheidungen kommen nicht aus dem Bauch heraus. Sie sind von den Mitarbeitern gut vorbereitet. Die für mich besten Entscheidungen lagen im Bereich der freiwilligen Leistungen, die ja oftmals dem engen Finanzrahmen zum Opfer fallen. Die Einrichtung des Landkinos in der Fintauschule in Lauenbrück war schon klasse. Was hier mit den Ehrenamtlichen und der Schülerfirma der Fintauschule auf die Beine gestellt wurde, kann sich wirklich sehen lassen. Mein absolutes Highlight war übrigens der Film „Monsieur Claude und seine Töchter“, den wir dann gemeinsam mit unseren französisch-sprechenden Flüchtlingen auf Französisch gesehen haben.

Gab es auch eine Entscheidung, von der Sie heute sagen würden, dass Sie die lieber nicht getroffen hätten?

Niestädt: Natürlich gab es die. An erster Stelle steht der Einsatz für eine Busverbindung zwischen Fintel und Tostedt. Da habe ich auf die engagierten Bürgerinnen und Bürger gehört, die sich total sicher waren, dass die Hamburg-Pendler diese Busverbindung annehmen würden. Leider musste ich dann den Kritikern Recht geben – und wir haben diese Busverbindung nach der Probephase von zwei Jahren wieder einstellen müssen.

Wo liegt aus Ihrer Sicht als scheidender Bürgermeister das größte Problem in der Samtgemeinde?

Niestädt: Das größte Problem liegt nicht in der Samtgemeinde, sondern in der Metropolregion Hamburg. Leider ist es uns seit Jahren immer noch nicht gelungen, in den Hamburger Verkehrsverbund aufgenommen zu werden. Ich habe das Gefühl, dass die Metropolregion Hamburg ein zu abstraktes Gebilde ist, das zu sehr nach den Interessen Hamburgs ausgerichtet ist. Und die Verhandlungen der Landkreise, die nicht im HVV sind, dauern mir einfach zu lange.

Was kann man dagegen tun?

Niestädt: Es wird eine meiner letzten Amtshandlungen sein, dem Land Niedersachsen und der Stadt Hamburg einen Beschluss des Samtgemeinderates mitzuteilen, dass wir nicht mehr länger warten wollen und dass man uns so behandeln möge, wie die Kommunen in den Landkreisen Stade, Harburg, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg.

Wo liegt die größte Stärke der Kommune, auch und gerade für die Zukunft? Was muss man ausbauen?

Niestädt: Die Stärke liegt in der Verschiedenheit der Mitgliedsgemeinden, die einerseits von der Bahnanbindung in Lauenbrück und andererseits vom Tourismus profitieren. Fintel hat in unserem Landkreis die höchsten Übernachtungszahlen und erfüllt aufgrund seiner Infrastruktur die Funktionen eines Grundzentrums. Die drei kleineren Mitgliedsgemeinden ergänzen die beiden Grundzentren und bieten eine dörfliche Wohnumgebung. Für die Zukunft sollte neben der Optimierung des öffentlichen Personennahverkehrs versucht werden, die Zahl der Arbeitsplätze vor Ort zu erhöhen.

Hatten Sie manchmal nicht den Eindruck, mit den fünf Mitgliedsgemeinden, die alle ihre eigenen Wünsche und Ideen haben, einen Sack Flöhe hüten zu müssen?

Niestädt: Nein. Das Problem sind die bürokratischen Hemmnisse, dass wir praktisch alles sechsfach erledigen müssen. Alles andere haben wir fast immer einvernehmlich zwischen den Mitgliedsgemeinden und der Samtgemeinde gelöst. Manchmal hat es eben etwas länger gedauert.

Sehen Sie die Samtgemeinde insgesamt gut aufgestellt?

Niestädt: Ja, durchaus.

Wenn man ihrer Amtszeit eine Überschrift geben würde – welche würden sie wählen?

Niestädt: Gut gelaufen ...

Zum Schluss: Was machen Sie ab nächstem Donnerstag?

Niestädt: Nach fast 40 Jahren im öffentlichen Dienst und insgesamt acht Jahren im Traumberuf als hauptamtlicher Bürgermeister habe ich gemerkt, dass ich etwas verändern muss. Ich werde mir eine Auszeit nehmen und mich dann mit den verschiedenen Anfragen befassen, die ich bereits erhalten habe. Als erstes werde ich dann wieder Bürgerbus fahren.

Aber Sie werden in Rotenburg wohnen bleiben...

Niestädt: Sicher.

Kurz noch zu Ihrem Nachfolger: Ist Tobias Krüger der Richtige?

Niestädt: Natürlich. Er ist doch auch von den Bürgern gewählt worden! Ich hätte ihn auch gewählt.

Mehr zum Thema:

Proklamation beim Schützenfest in Aschen

Proklamation beim Schützenfest in Aschen

40 Jahre Städtepartnerschaft Bonnétable und Twistringen gefeiert

40 Jahre Städtepartnerschaft Bonnétable und Twistringen gefeiert

BVB feiert Ende des Finalfluchs

BVB feiert Ende des Finalfluchs

Bilder: So ausgelassen war die BVB-Pokalfeier 2017

Bilder: So ausgelassen war die BVB-Pokalfeier 2017

Meistgelesene Artikel

Kulturinitiative Rotenburg startet mit Open-Air-Sommerfestival die Freiluftsaison

Kulturinitiative Rotenburg startet mit Open-Air-Sommerfestival die Freiluftsaison

Riesige Trödelmeile in Westerholz

Riesige Trödelmeile in Westerholz

Viel Bewegung und Informationen

Viel Bewegung und Informationen

Sie will es ein weiteres Mal wissen

Sie will es ein weiteres Mal wissen

Kommentare