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Neuer Bezirksförster Ulf Wahlers übernimmt in herausfordernder Zeit

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Von: Ulla Heyne

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Ulf Wahlers vor einem Stapel Baumstämme
Einer, der auf Kommunikation und Vermittlung setzt: der neue Bezirksförster Ulf Wahlers aus Lauenbrück. © Heyne

Mit Uwe Wahlers gibt es in Scheeßel einen neuen Bezirksförster. Und er übernimmt in einer herausfordernden Zeit, wie er im Gespräch erzählt. Wir stellen den Lauenbrücker vor.

Lauenbrück – Ein Teil der Sturmschädenbewältigung ist abgearbeitet, „der Neue“ hat etwas Zeit für ein Gespräch. Dass dabei ständig das Handy vibriert, ist für Bezirksförster Ulf Wahlers normal – Stress gehört eben zum Alltag. Ist das, was als Zwölfjähriger mit dem Geschenk einer Kettensäge begann und über „Holz machen“ in der Freizeit zur Lust an der Beschäftigung mit und im Wald wurde, nach wie vor sein Traumberuf? Der Lauenbrücker lacht. Er lacht viel – freundlich zu sein, kommunikativ und menschenzugewandt, das kommt einem in diesem Amt zugute.

Die Vorstellung vom einsamen Naturburschen, der allein durch den Wald stapft – ein Klischee, „genauso wie das vom Förster Rombach vom Forstenhaus Falkenau, wenn es das denn je gab“, meint der 36-Jährige. Spätestens die „Kalamitäten“, also Naturereignisse wie Klimawandel, Stürme und Borkenkäfer, haben den vermeintlichen Traum vom „bezahlten Waldspaziergänger“ härter und zeitintensiv gemacht, besonders im neuen Beritt mit kleinen Flächen und vielen Eigentümern zwischen Waffensen, Söhlingen, Brockel und Sittensen.

Schließlich schielen viele private Waldbesitzer, für die er Ansprechpartner, Berater und Dienstleister ist, auch auf die Erträge. Sicherlich gäbe es auch solche, für die der Naturschutz im Vordergrund stehe, „aber zum Beispiel Landwirte müssen dann auch schon mal eine schlechte Ernte mit den Erträgen für Holz gegenfinanzieren“. Die vorherzusagen und entsprechende Tipps bei der Aufforstung zu geben, sei heutzutage jedoch nicht einfach: Die globale Vernetzung sei so fortgeschritten, „dass es Auswirkungen auf den heimischen Markt hat, wenn in Litauen nach einem Sturm die Holzpreise fallen oder Container nach Asien vollgemacht werden müssen, damit sie nicht leer zurückfahren“.

Fahrzeit reduziert, aber das Netzwerk fehlt noch

Auch deshalb ist der gelernte Forstwirt Verfechter des Genossenschaftsprinzips, dem sich die meisten Privatwald-Besitzer in der Kreis-Waldmärkerschaft Rotenburg zusammengeschlossen haben: „Gebündelt lassen sich einfach langfristigere Verträge aushandeln und eine bessere Vermarktung erwirtschaften“, sagt einer, für den die Berufsbezeichnung nicht ohne Grund „Wirtschaft“ im Titel trägt. Nur rund die Hälfte der Zeit kann der zweifache Vater tatsächlich im Wald verbringen, der Rest verbringt er im Büro auf dem heimischen Hof in Lauenbrück und auf der Straße. Die Fahrzeiten haben sich allerdings reduziert, seit der gebürtige Stemmener seine Stelle in Visselhövede gegen die durch die Pensionierung seines Vorgängers Rainer Schild in Scheeßel freigewordene eintauschte.

Übrigens zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt: Mehrere Stürme erforderten schnelle Entscheidungen, das Telefon stand nicht mehr still. „Da wäre es gut gewesen, wenn man vorher schon ein funktionierendes Netzwerk wie in Vissel hätte aufbauen können“. Dort war er zu allem Überfluss in den letzten Monaten auch noch kommissarisch in Doppelfunktion tätig.

Pauschale Diskreditierungen machen ihn wütend

„Den ersten Eindruck kannst du nicht nachholen“, pflegt er seinem Auszubildenden zu predigen – in seinem Job geht es auch um Vertrauen, darum, die Ratsuchenden vom eigenen Lösungsvorschlag zu überzeugen. Ein richtig oder falsch gebe es dabei aber nicht; „jeder setzt andere Prioritäten oder gelangt auf anderen Wegen zum Ziel“, weiß der Hobby-Jäger.

Auch deshalb machen ihn pauschale Diskreditierungen seines Berufsstandes etwa durch „Fach-Promis“ wie Peter Wohlleben wütend: „Wir sind keine Verbrecher und Geldscheffler, sondern mit Herzblut dabei.“ Das Thema Wald, es sei in der öffentlichen Diskussion mit einer Emotion besetzt, die es nicht haben solle. „Bei der Pflanzung vieler Wälder nach dem Zweiten Weltkrieg war die Dynamik des Klimawandels nicht absehbar.“

Dazu komme, dass die schönste Theorie vor Ort nicht unbedingt umsetzbar sei: „Jeder Ort ist anders – hier haben wir unterschiedliche Ansprüche, unterschiedliche Verordnungen für unterschiedliche Schutzgebiete und große Dienstbezirke.“ Er allein ist für eine Fläche von 4 000 Hektar und 400 Waldbesitzer Ansprechpartner. „Das ist schon ein gewisser Druck, der auf einem lastet.“ Auch die Öffentlichkeit mitzunehmen, ist ihm wichtig, „aber da kommt wieder der Faktor Zeit ins Spiel“. Und wie aufs Stichwort surrt wieder das Handy – es soll an diesem Arbeitstag nicht das letzte Mal sein.

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