„Poetry im Park“ in Lauenbrück

„Es muss stimmig sein“

+
Hauke Prigge in seinem Element – als Moderator begleitet der gebürtige Helvesieker den „Poetry im Park“ schon von Anfang an.

Lauenbrück - Von Lars Warnecke. Ohne diese Veranstaltung wäre die Region um ein kulturelles Standbein ärmer: Seit 2012 begeistert Jahr für Jahr „Poetry im Park“ mit frischen literarischen Texten.

Die regelmäßig gut besuchten Dichterschlachten beweisen, wie gerne sich das Publikum auch jenseits der Großstadt von selbstverfassten Texten unterhalten lässt. An diesem Freitag geht die Freiluftveranstaltung im Landpark Lauenbrück in ihre siebte Runde. Anlass für uns, mit dem gebürtigen Helvesieker, Cheforganisator und Moderator Hauke Prigge (28) über die moderne Form des Dichterwettstreits zu sprechen.

Herr Prigge, ist man als Slam-Poet eher ein moderner Sokrates oder Standup-Comedian?

Hauke Prigge: Gute Frage! Je nachdem, wo die Poeten ihren Schwerpunkt legen – ob eher humorvoll, eher philosophisch oder auch beides kombiniert. Aber vor allem ist die Slam-Bühne eines: Eine Chance für jeden Künstler, sich ganz zu zeigen und genau das zu sein, was man sein möchte – ohne große Reglementierungen in der Form.

Für Menschen, die noch nie auf einem Poetry-Slam waren: Was erwartet den Zuschauer dort?

Prigge: Kurzum gesagt: Ein moderner Dichterwettstreit – und das in der Premium-Variante. Wir haben wieder vier der besten Slammerinnen und Slammer des Landes plus einen Special Guest eingeladen, die ihre Texte – hoffentlich bei gutem Wetter – auf einer der schönsten Bühnen Deutschlands vortragen. Das Publikum ist die Jury und entscheidet über den Gewinner des Abends. Es kommen dabei wirklich immer alle auf ihre Kosten, egal ob man lieber lachen oder einfach nur mit Worten berührt werden möchte.

Ist der Slam als Kulturveranstaltung genauso anerkannt wie eine Theatervorstellung oder ein Konzert?

Prigge: Im Feuilleton der großen Zeitungen vielleicht nicht. Obwohl es auch immer wieder Anerkennung aus der „Hochkultur“ für Poetry Slam gibt. Es zählt halt immer noch zur Kleinkunst. Aber der Erfolg gibt uns recht. In Hamburg wird mit Slamveranstaltungen das Schauspielhaus schneller ausverkauft als bei großen Theaterproduktionen. Der Entertainment-Faktor ist halt beim Poetry Slam sehr hoch, dazu kommen eine Menge talentierter Leute, die sich in der Szene tummeln.

Die Slams im Landpark sind relativ schnell ausverkauft. Warum ist Ihrer Meinung nach das Interesse an den Veranstaltungen so groß?

Prigge: Ich kenne die Szene in Deutschland ganz gut und maße mir daher an zu sagen, dass wir eine der schönsten Veranstaltungen im Land machen. Von der Bühne und dem traumhaften Ambiente im Landpark bis hin zum Teilnehmerfeld der Slammer, das Jahr für Jahr wirklich Spitzenklasse ist. Ausverkauft bezieht sich ja auch nur auf den Vorverkauf – wo wir für schlechtes Wetter nur eine begrenzte Anzahl ausgeben. Bei gutem Wetter haben wir glücklicherweise Platz für jeden.

Wie hat sich die Slamszene in der Region in den vergangenen Jahren entwickelt?

Prigge: Ganz gut, würde ich sagen. Bei „Poetry im Park“ haben wir entschieden, uns auf überregionale Best-of-Slams zu fokussieren, daher hatten wir jetzt zwei Jahre keine lokalen Künstler mehr am Start. Aber soweit ich es mitbekomme, läuft ja der Wortfassetten-Slam in Rotenburg immer noch gut – und hier sind auch immer wieder Newcomer dabei plus tolle Leute aus dem Landkreis und aus ganz Niedersachsen/Bremen. Das ist ein sehr wichtiger Bestandteil für die Kulturszene der Region.

Was macht eigentlich einen guten Beitrag aus?

Prigge: Eine gelungene Integration von Text und Darbietung. Es muss stimmig sein. Und ich glaube, dass Authentizität ein sehr wichtiger Faktor ist. Kommt der Humor, das Gefühl, der Gedanke beim Publikum an, weil er oder sie es wirklich so gemeint ist? Menschen haben eine angeborene Antenne für Authentizität.

Gerade deutschsprachige Slams gelten als von humoristischen Inhalten dominiert. Weil gut unterhaltene Gäste auch hohe Punktzahlen verteilen?

Prigge: Ja, das ist wahrscheinlich so. Menschen wollen immer lachen. Ich glaube, da gibt es wenig Ausnahmen. Und das ist ja auch legitim. Auf ernstere Texte muss man sich einlassen, vielleicht triggern sie auch mal ein Gefühl, das man nicht so mag. Im Endeffekt können aber auch solche Texte sehr viel Positives im Publikum auslösen. Und wenn sie gut gemacht sind, haben sie genauso die Chance auf hohe Punkte.

Wie häufig kommt es vor, dass ein Auftritt überhaupt nicht beim Publikum ankommt und was ist die maximal abwertende Reaktion?

Prigge: Bei „Poetry im Park“ ist das noch nie vorgekommen. Ich habe es auf anderen Bühnen ein paar Mal erlebt, dass Leute wirklich sehr, sehr schlechte Texte gemacht haben. Meistens ist das Publikum allerdings wohlwollend und applaudiert zumindest verhalten – alleine für den Mut, sich auf die Bühne zu stellen. Anders ist es bei offenkundig rassistischen oder sexistischen Texten – da kommen auch schon mal Zwischen- oder Buhrufe und es wird auch von den Punkten her abgestraft.

Wie holen Sie die Künstler eigentlich nach Lauenbrück?

Prigge: Ich gucke immer, wer von den bekanntesten und besten Leuten noch nicht bei uns war – oder zumindest lange nicht mehr. Und dann achte ich außerdem auf eine möglichst gute Mischung des Line-Ups. Alle, die in Frage kommen, schreibe oder rufe ich an und frage sie, ob sie Lust und Zeit haben. Wir haben mittlerweile einen ganz guten Ruf, das hilft uns natürlich.

Wäre die Veranstaltung auch woanders denkbar?

Prigge: „Poetry im Park“ natürlich nicht. Das ist eine Landpark-Veranstaltung und gehört dort auch hin. Wir haben im letzten Jahr auch zwei Ausgaben gemacht – das füllt mich schon ganz gut aus. Generell liebe ich es aber, durch solche Abende zu geleiten und ich habe ja auch schon andere Veranstaltungen in Deutschland moderiert, zum Beispiel ein Politikfestival oder Events an meiner alten Hochschule.

Im aktuellen Teilnehmerfeld befindet sich nur eine Frau. Woher kommt die Dominanz von Männern auf der Bühne?

Prigge: Tendenziell gibt es einfach mehr Männer als Frauen in der Szene. Keine Ahnung, ob Männer es sich einfach mehr trauen oder nicht – auf jeden Fall sind sie nicht besser oder schlechter als Frauen. Ich hatte auch probiert, andere Frauen zu bekommen, aber die bekanntesten Slammerinnen sind oft sehr gut gebucht. Generell probiere ich aber vorrangig, den Künstler oder die Künstlerin zu sehen und nicht anhand der Tatsache einzuladen, ob jemand eine Frau oder ein Mann ist.

Wer ist Ihrer Ansicht nach der beste Slammer?

Prigge: Da kann ich keine Antwort geben. Die Güte eines Künstlers ist unglaublich relativ. Wer allerdings wissen möchte, wer an diesem Freitag für einen selbst der beste Slammer des Abends ist, darf gerne zu „Poetry im Park“ kommen.

Ausverkauft - Vier Karten in der Verlosung

Was Berlin, Kiel, Jena, Dortmund und Bremen gemeinsam haben? Alle fünf Städte sind mit einem Slammer vertreten, wenn am Freitag ab 19.30 Uhr zum siebten Mal der „Poetry im Park“ im Lauenbrücker Landpark steigt. Zwar ist die Veranstaltung schon ausverkauft, sollte das Wetter aber mitspielen (wovon die Macher ausgehen), findet sie wie gewohnt Open Air statt – entsprechend werden dann noch mehr als 700 Tickets zum Stückpreis von 15 Euro (ermäßigt zwölf Euro) an der Abendkasse erhältlich sein. 

Im Dichterwettstreit treten dieses Mal gegeneinander an: Paul Bokowski (Berlin), Helge Albrecht (Kiel), Rita Apel (Bremen) und Friedrich Herrmann (Jena). Außer Konkurrenz betritt darüber hinaus Sulaiman Masomi, laut den Veranstaltern einer der profiliertesten Slammer des Landes, die Bühne. 

Für „Poetry im Park“ verlosen wir zweimal zwei Karten. Einfach bis Donnerstag, 14. Juni, 12 Uhr, unter dem Stichwort „Slam“ eine E-Mail an redaktion.rotenburg@kreiszeitung.de schicken. Den vollständigen Namen und die Telefonnummer nicht vergessen! Die Gewinner werden von uns benachrichtigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

CHP-Kandidat Ince erkennt Erdogan-Sieg bei Türkei-Wahl an

CHP-Kandidat Ince erkennt Erdogan-Sieg bei Türkei-Wahl an

Kreisfeuerwehrtag des Heidekreises in Brochdorf

Kreisfeuerwehrtag des Heidekreises in Brochdorf

Wie werde ich Fachangestellter in der Bibliothek?

Wie werde ich Fachangestellter in der Bibliothek?

Tag des Sports in Sulingen

Tag des Sports in Sulingen

Meistgelesene Artikel

Ein Festival, mit dem jeder gut leben kann

Ein Festival, mit dem jeder gut leben kann

US-Austauschschüler erleben erstes Festival „made in Germany“

US-Austauschschüler erleben erstes Festival „made in Germany“

Hurricane Festival: Tote Hose im Kernort

Hurricane Festival: Tote Hose im Kernort

Hurricane-Festival geht nach drei Tagen und mit mehr als 100 Bands zu Ende

Hurricane-Festival geht nach drei Tagen und mit mehr als 100 Bands zu Ende

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.