Landatelier im Landpark geht an den Start

Migrantinnen machen Mode in Lauenbrück 

Die Teilnehmerinnen des Projekts Landatelier für Migrantinnen im Landpark Lauenbrück mit Initiatorin Katharine von Schiller (3.v.l.).

Lauenbrück - Von Ursula Ujen. Keine schnell gestrickte Idee, nein, letztendlich hat Katharine von Schiller zwei Jahre investiert, um ihre Vorstellungen von einer Integration von Migrantinnen durch Arbeit im ländlichen Raum in ein tragfähiges und finanziell abgesichertes Konzept zu fassen. Die Chefin des Landparks Lauenbrück freute sich nunmehr sichtlich, die ersten drei Teilnehmerinnen des Projekts „Landatelier für Migrantinnen im Landpark Lauenbrück“ zu begrüßen.

Im Zeitraum von zwölf Monaten können bis zu zwölf Frauen unter sachkundiger Anleitung Handarbeiten erlernen oder vervollkommnen, die zu einer professionellen Ausbildung im textilen Bereich hinführen sollen. Das besondere am Landatelier-Projekt ist, dass Kinder der Teilnehmerinnen mitgebracht werden können. Diese werden gleichzeitig vom Naturerlebnispädagogen des Parks betreut und an Zusammenhänge von Flora und Fauna herangeführt – wobei der Kontakt zum Tier wie beispielsweise mit Eseln eine vermittelnde Rolle spielt.

Grundlagen des Strickens

Bei der Vorstellungsrunde waren die deutschen Teilnehmerinnen erstaunt über die teilweise sehr guten Sprachkenntnisse der Frauen, die erst seit ein bis zwei Jahren in Deutschland leben. Fertigkeiten im Stricken, Häkeln oder Schneidern lagen sehr unterschiedlich vor, sodass ganz individuell mit dem Handarbeiten begonnen wurde.

Voll motiviert ließen sich die 27-jährige Saide Nagisade aus Helvesiek sowie die 30-jährige Samira Abdollahi aus Fintel (beide gebürtig aus Afghanistan) von Ausbilderin Nesrin Kaya vom Team „Made auf Veddel“ die Grundlagen des Strickens erklären.

Viel Spaß bei der Arbeit

Die von der Elfenbeinküste stammende 38-jährige Marie Joseph Kouame probierte gleich nach Anleitung von Kerstin Rauer-Dahlke an einem Stoffstück aus, wie man fachgerecht Heftreihen und Nähte anfertigt. Das Handarbeiten machte den Frauen offensichtlich Spaß, denn die Übungen wurden mit vielen fröhlichen Kommentaren und Gelächter begleitet.

Die fünfjährige Ayda ließ sich auch nicht lange bitten und machte sich mit Landpark-Mitarbeiter Mark Schönert auf zum Eselgehege. „Neben dem beruflich qualifizierenden Aspekt möchten wir auch das Zwischenmenschliche durch Kommunikation und Freude am gemeinsamen Arbeiten fördern“, betonte von Schiller. „Dazu kommt, dass die Frauen durch die Kinderbetreuung ganz entspannt ihrer Arbeit nachgehen können. Individuell angefertigte Servietten, Handtücher und Schürzen, die von Samira Abdollahi angefertigt wurden, können übrigens bereits jetzt über den Landart-Shop im Landpark bezogen werden (www.landart.shop).

„Made auf Veddel“

Das Projekt, das von der Hamburger Designerin Sibilla Pavestedt begleitet wird, läuft zunächst für ein Jahr und wird über den Landkreis Rotenburg sowie diverse Sponsoren finanziert. Inspiriert wurde Initiatorin Katharine von Schiller durch den Verein „Made auf Veddel“, der 2008 durch Sibilla Pavenstedt im Stadteil Hamburg-Veddel gegründet wurde – mit dem Ziel, handgefertigte hochwertige Mode sowie Accessoires in Zusammenarbeit mit Frauen mit Migrationshintergrund sowie geflüchteten Frauen herzustellen.

Zum Team im Landatelier Lauenbrück gehören professionelle Fachkräfte und Unterstützer: Von „Made auf Veddel“ sind die Schneidermeisterin Kerstin Rauer-Dahlke und die Ausbilderin Nesrin Kaya dabei, die Designerin Johanna von Frieling aus Riepe sowie Sprachmittlerin Michaela Mache und Landpark-Naturerlebnispädagoge Mark Schönert vervollständigen die Betreuergruppe.

Das Ziel: Ein Netzwerk mit Strahlkraft schaffen

Katharine von Schiller hat eine Vision: „Mein Nahziel ist es, Migrantinnen in ein Projekt zu integrieren, in dem sie durch Arbeit und Engagement Wertschätzung erfahren und durch das sie ihre Chancen auf ein Praktikum oder noch besser eine Ausbildung vergrößern. Ihr Fernziel sei es, „im ländlichen Raum ein übergreifendes Netzwerk mit Strahlkraft zu schaffen, das benachteiligten Menschen mit und ohne Migrationshintergrund – egal, ob sie eine Ausbildung oder deutsche Sprachkenntnisse haben – eine reale Perspektive im Arbeitsmarkt zu bieten“.

Um das Landatelier erfolgreich zu machen, sei zwar der erste Schritt getan, dennoch bittet von Schiller alle die Integration fördernden Bürger, Institutionen und Unternehmen, dieses Projekt bekannt zu machen und durch Anmeldungen von Teilnehmerinnen und deren Kindern (sekretariat@landpark.de) oder mit weiterem Sponsoring zu helfen. „Hilfreich wäre es beispielsweise, wenn für den Fahrdienst zum Landpark eine langfristige Lösung, zu Beispiel ein Kleinbus, gefunden würde, aber auch jede andere Unterstützung ist herzlich willkommen.“

Freuen würde sich das Team auch über Migrantinnen, die einfach mal ohne jegliche Verpflichtung montags von 14.30 bis 17.30 Uhr im Restaurant „Landhof“ des Landparks vorbeischauen (Telefon 04267 /954760).

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Kindergartenfest Bücken

Kindergartenfest Bücken

Meistgelesene Artikel

Maisfeldfete ein großer Erolg

Maisfeldfete ein großer Erolg

Senior tötet Wespen mit Gasbrenner

Senior tötet Wespen mit Gasbrenner

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Kommentare