Wie der Verkehrsverein der Samtgemeinde Fintel die Naherholung prägt

Mensch und Natur im Einklang

Im Schulterschluss für eine touristisch attraktive Samtgemeinde: Volker Steinbruch (l.) und Heino Peters können auf die Hilfe vieler Mitstreiter zählen, hoffen aber, dass sich noch mehr Bürger im Verkehrsverein engagieren.

Lauenbrück / Fintel – Heino Peters und Volker Steinbruch sind gut gelaunt. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, wo das Virus um sich greift und das öffentliche Leben lahmlegt. Beide sind sie im Vorstand des Verkehrsvereins der Samtgemeinde Fintel, einer gemeinnützigen Vereinigung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Naherholung in Lauenbrück, in Stemmen, Fintel, Vahlde und in Helvesiek mit ihren zur Verfügung stehenden Mitteln aktiv zu fördern. Ersterer ist der Vorsitzende, Steinbruch sein Stellvertreter. Bei der nächsten Hauptversammlung stehen Personalentscheidungen an – und schon jetzt zeichnet sich ab: Zur „Chefetage“, die mit Vertretern aus allen Mitgliedsgemeinden aufwartet, gesellt sich auf einigen Posten junges Blut hinzu. „Über unsere Zukunft werden wir uns wohl vorstandsseitig keine Sorgen machen müssen“, sagt der Lauenbrücker Peters. Wenngleich man sich in einem Verein, dessen Altersdurchschnitt immerhin bei rund 65 Jahren läge, immer über Nachwuchs freuen würde. Er selbst, 76 Jahre alt, wolle jedenfalls noch für zwei weitere Jahre die Geschicke lenken, wie er es die vergangenen zwölf Jahre getan habe – danach sei Schluss. „Gerade beim Thema Schulwald habe ich jetzt noch einmal meine Verantwortung gesehen“, begründet der pensionierte Pädagoge und ehemalige Leiter der Fintauschule seinen Entschluss.

Tatsächlich war Peters es, der die Zeichen der Zeit im Falle des Wäldchens schon recht früh erkannt hatte, maßgeblich die drohenden Betretungsverbote entlang des innerörtlichen Wümmeufers und der benachbarten Obstbaumwiese hinter der Grundschule im Zuge der Naturschutzausweisung durch den Landkreis in die Öffentlichkeit zerrte. „Die daraufhin breite Solidaritätsbekundung aus der Bevölkerung, man möge von solchen Verboten im Sinne der Naherholung doch bitte Abstand nehmen – diese Resonanz hat mich überwältigt“, sagt er. Nun soll das Ufer wenigstens auf einer Länge von 50 Metern zugänglich bleiben. Eine noch einzurichtende Badestelle, so das Zugeständnis der Naturschutzbehörde, würde es wohl möglich machen. Peters reicht das nicht. „Es soll das komplette Ufer betretbar bleiben.“ Dafür wolle er weiter als Verkehrsvereinsvorsitzender kämpfen – und sucht in diesen Wochen intensiv das Gespräch zur Politik auf Kreisebene.

Es wäre jedenfalls gut für den Wasserlehr- und für den Erlebnispfad „Rund um Lauenbrück“, findet Peters. Beides Wege, die den Schulwald durchqueren. Beides Projekte, die ihm und seinem Verein zuzuschreiben sind – mit dem selbst auferlegten Credo, Natur und Mensch in ein harmonisches Miteinander zu bringen. Und Projekte, die neben vielen anderen in einer ansprechenden, vor ein paar Jahren herausgebrachten Touristik-Broschüre Platz gefunden haben. Peters: „Über Jahrzehnte hinweg sind viele Lauenbrücker in ihrem Wald gewesen, und die Sauberkeit zeigt, dass man dort immer verantwortungsbewusst mit der Ressource Natur umgegangen ist, weil man sie erhalten will – ob von Jung oder von Alt.“

Nun hat die Samtgemeinde aber natürlich für Einheimische wie auch Auswärtige noch sehr viel mehr Reize zu bieten, als nur das kleine, für Freizeitaktivitäten sowie für schulische Projekte so attraktive Fleckchen Wald in der Lauenbrücker Ortsmitte. Den Landpark zum Beispiel. Oder, als kommerzielle Einrichtung, das Eurostrand-Resort in Fintel. „Wofür wir in erster Linie Werbung machen, sind die attraktiven Möglichkeiten zum Wandern oder Radfahren – alles im Sinne der Naherholung“, sagt Steinbruch. „Es geht nicht um irgendwelche Hotelgrößen, sondern um Ferienwohnungen.“ Tatsächlich, blickt er zurück, sei der Verein in den 1970er-Jahren vonseiten einiger Finteler Bürger gegründet worden, die ihre Wohnungen privat an Fremde vermieten wollten. In Lauenbrück formierte sich parallel ein Bündnis mit ähnlichen Bestrebungen. Jahrzehnte später drohte beiden Vereinen die Auflösung. Steinbruch war es, der das Ruder in die Hand nahm. „Ich habe damals in der Stadt gearbeitet und wusste die Naherholung auf dem Land zu schätzen“, begründet der 72-Jährige, warum er sich für den Fortbestand eines Verkehrsvereins – nun aber für die ganze Samtgemeinde – stark machte. Zunächst unter dem Vorsitz vom Finteler Hannes Schmidt, übernahm 2008 schließlich Heino Peters das Amt. Und der brachte noch einmal richtig Schwung in die Sache. „Nur die Bereitstellung von Quartieren und das Thema Wanderwege, für das ich anfangs auch intensiv mit dem Tourow zusammengearbeitet habe, das war mir zu wenig“, sagt der Vereinschef. Habe er schon zu Zeiten seines Schulleitertums eine Streuobstwiese an der Fintauschule angelegt, „habe ich danach mit der Initiierung und Unterstützung von Umweltprojekten im Grunde weitergemacht“.

Nur war und ist das natürlich nicht alles umsonst und ohne aktive Mithilfe anderer Stellen zu machen. „Da wir als Verein trotz Gemeinnützigkeit vom Finanzamt in Sachen steuerliche Absetzbarkeit bei Sponsoring nicht anerkannt werden und keine öffentlichen Gelder beantragen können, unterstützen uns die Gemeinden wie auch die Samtgemeinde selbst bei unseren Vorhaben sehr“, freut er sich. Beispielsweise, wenn es um bauliche und pflegerische Maßnahmen geht oder bei der jährlichen Übergabe von Apfelbäumen an die Erstklässler aus Lauenbrück und Fintel – laut Peters immer wieder ein „tolles Gemeinschaftserlebnis“. Und ebenso auf hiesige Firmen könne man sich mit Blick auf das Sponsoring dank freundschaftlicher Kontakte immer wieder verlassen.

Für ihn und seinen Mitstreiter, der sich vor allem um die Plakatierung kümmert, steht fest: Gerade das aktuelle Beispiel Wümmeniederung zeige, dass es sich lohnen würde, dem Verkehrsverein der Samtgemeinde beizutreten – „um sich für die Belange der Mitbürger einzusetzen“, wie Peters sagt. „Wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass da etwas bei rumkommen kann.“ Und Steinbruch ergänzt: „Im Grunde genommen sind wir jetzt wach geworden, ganz intensiv um neue Mitglieder zu werben.“ Immerhin werde der Naturschutz mit Betretungsverboten immer weiter vorangetrieben, „und deshalb brauchen wir diesen Verein, der sich ja auch für die Rechte des Normalbürgers einsetzt“.

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