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Maik Lucht aus Vahlde engagiert sich im „Helfer vor Ort“-Projekt

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Von: Lars Warnecke

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Maik Lucht mit einer Rettungs- und einer Reanimationstasche.
Maik Lucht mit einer Rettungs- und einer Reanimationstasche. Dieses Equipment braucht es für die Helfer vor Ort. © Warnecke

Im Falle eines Herz-Kreislauf-Stillstandes zählt jede Minute. Um eine schnelle Hilfe zu ermöglichen, noch vor Eintreffen des Rettungswagens, gibt es in Vahlde die sogenannten Helfer vor Ort. „Wir ersetzen aber nicht den Rettungsdienst“, erklärt Gründer Maik Lucht.

Vahlde – Sie reanimieren bei medizinischen Notfällen oder Unfällen – und das alles ehrenamtlich. Und sie sind oft schneller vor Ort als der Rettungsdienst. Aber: „Wir ersetzen ihn nicht“, betont Maik Lucht. Wir – das sind die Helfer vor Ort. Was die mit dem kleinen Vahlde am äußeren Rand zur Kreisgrenze zu tun haben? Vor gut fünf Jahren ist die speziell für medizinische Notfälle geschulte und ausgerüstete Gruppe aus der örtlichen Feuerwehr hervorgegangen. Lucht, selbst freiwilliger Brandschützer, hat sie ins Leben gerufen – eben mit dem Ziel, die Zeit bis zur ersten medizinischen Versorgung deutlich zu verkürzen.

Von einer Versorgungslücke, die es zu schließen gilt, möchte er nicht sprechen, stattdessen von einer Gewährleistung: „Die gesetzliche Rettungsfrist durch den Rettungsdienst von 15 Minuten wird in unserer Samtgemeinde zwar in den allermeisten Fällen eingehalten, die Eintreffzeit der örtlichen Einsatzkräfte liegt jedoch, durch die geringere Fahrzeit, oft deutlich darunter“, sagt der 48-Jährige. Dadurch könnten wichtige, oft auch lebensrettende, Maßnahmen in der Regel um drei Minuten schneller eingeleitet werden. „Und diese Minuten sind bei einer Reanimation bereits oft schon ausschlaggebend.“

Regelmäßige Übungsabende

Als ausgebildeter Rettungssanitäter weiß Lucht, wovon er spricht. Inzwischen, sagt er, hätten sich mehr als 16 Personen der ehrenamtlich tätigen Einheit angeschlossen – Kameraden aus den Wehren in Ostervesede, Fintel, Vahlde, Helvesiek, Stemmen und Launebrück ebenso wie Angehörige aus den Reihen der DLRG Fintel. An jedem zweiten Donnerstag trifft man sich im Vahlder DGH, gleich nebenan vom Feuerwehrhaus. Dann heißt es unter Luchts Leitung: Üben, üben, üben. Für diesen Zweck haben die Helfer sich bereits zwei Reanimationspuppen zugelegt. Und auch eine Rettungs- sowie eine Reanimationstasche zählen zum Equipment, das die Mitglieder sich auf eigene Kosten anschaffen mussten.

Denn: Offiziell anerkannt hat der Landkreis die Helfer vor Ort selbst nach so vielen Jahren, in denen Lucht sein Herzensprojekt schon einige Male vorgestellt hat, nicht. Das könnte sich bald ändern. „Die Mühlen mahlen langsam, man muss nur in Ruhe abwarten“, zeigt sich der Berufsschullehrer zuversichtlich. Er weiß auch schon von mehreren Feuerwehren zu berichten, die mittlerweile mit den Hufen scharren würden. „Die sagen, wenn es einer von uns schafft, würden sie auch mitmachen.“ Was ihn in diesem Zusammenhang persönlich nachdenklich stimmt: Bundesweit nur neun Landkreise hätten noch nicht dieses Helfer-Prinzip als festen Bestandteil der Rettungskette bei sich verankert. „Und wir sind immer noch einer davon – das ist traurig.“

Einen scharfen Einsatz als Helfer vor Ort hatten wir auch schon.

Maik Lucht

Dennoch: In Vahlde sei man bereits in einem sehr weiten Stadium angekommen. Vier Mitglieder, berichtet der gebürtige Tostedter, habe man etwa schon zu Sanitätern ausbilden können – in einem von den Johannitern angebotenen 80-Stunden-Kurs. Mit dabei als ärztlicher Prüfer: Jochen Surmann aus Fintel. Und: „Einen scharfen Einsatz als Helfer vor Ort hatten wir auch schon – das war 2020 bei der Fete op de Wisch.“ Damals sei man zur alten Schleuse zwischen Vahlde und Lauenbrück alarmiert worden – als sogenanntes Vorkommando, wie es im Fachjargon heißt. „Dort soll sich ein tiefbewusstloses Mädchen befunden haben – das haben wir gerettet“, erinnert sich Lucht.

Herzdruck-Massage und stabile Seitenlage: Teilnehmer eines Truppmann-1-Lehrgangs lernen Erste Hilfe.
Herzdruck-Massage und stabile Seitenlage: Teilnehmer eines Truppmann-1-Lehrgangs lernen Erste Hilfe. © -

Inzwischen reicht sein Engagement weit über Vahldes Grenzen hinaus. Vor einem Jahr ist er aufgrund seiner Expertise offiziell zum Hauptausbilder für Erste Hilfe in der Samtgemeinde Fintel ernannt worden. Dabei richtet der 48-Jährige den Fokus vor allem auf die Feuerwehren selbst, deren Mitglieder gemäß der Feuerwehrunfallkasse (FUK) alle zwei Jahre einen Auffrischungskurs absolvieren müssen. „Ich werde auf jeden Fall noch viel herumreisen“, sagt er. Erst neulich habe er sein Wissen im Rahmen von zwei Truppmann-1-Lehrgängen weitergeben können – an den Feuerwehrnachwuchs aus der Samtgemeinde und der Gemeinde Scheeßel. Unterstützung erhielt er dabei von Kollegen aus der Helfer-vor-Ort-Gruppe.

Und auch an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Rotenburg, wo Lucht Metalltechnik unterrichtet, hat er schon – bezogen auf das ihm so wichtig erscheinende Thema – Spuren hinterlassen, indem er dort vor zehn Jahren einen Schulsanitätsdienst aufgebaut hat. „Den führe ich mittlerweile mit immer 25 Schülern“, berichtet er. Dabei reichten die Einsätze – bis zu 60 seien es pro Jahr – von kleinen Schnittverletzungen über Krampfanfälle bis hin zu Herzinfarkten.

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