Zwei junge Menschen erleben aufregendes Bufdi-Jahr an der Fintauschule

Lehrerjob? Läuft bei ihnen!

Der Eindruck täuscht: Obwohl Bufdi-Beauftragter Sascha Murso im Hintergrund sitzt, wurden Nicolas Grese und Kristina Rukhaber stets an der langen Leine gelassen.
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Der Eindruck täuscht: Obwohl Bufdi-Beauftragter Sascha Murso im Hintergrund sitzt, wurden Nicolas Grese und Kristina Rukhaber stets an der langen Leine gelassen.
  • Lars Warnecke
    vonLars Warnecke
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Lauenbrück – Von der Schulbank ins Lehrerzimmer – für gewöhnlich ein langer Weg. Ein Lehramtsstudium will eben Weile haben – fünf Jahre mindestens, die 18-monatige Referendariatszeit für angehende Lehrkräfte noch gar nicht mit eingerechnet. Dass Kristina Rukhaber (21) und Nicolas Grese (19) allen Gesetzmäßigkeiten zum Trotz heute schon im Lehrerzimmer sitzen, quasi auf Augenhöhe mit dem Kollegium, ohne auch nur ein einziges Mal eine Uni von innen gesehen zu haben, dürfte auf den ersten Blick irritieren. Aber genauso ist es. Fuß gefasst haben beide in der Fintauschule Lauenbrück. Nein, so ernst steht es um den Lehrermangel dann doch noch nicht, als dass Rukhaber und Grese ganz ohne Staatsprüfung auf die Schülerschaft „losgelassen“ werden dürften. Aber sie packen im Alltag schon kräftig mit an, jeder auf seine Art, als Bundesfreiwilligendienstler. Als sogenannte „Bufdis“.

Missen möchte keiner der beiden sein Orientierungsjahr an der Oberschule. „Mich haben die gesammelten Erfahrungen auf jeden Fall bekräftigt, das zu machen, was ich schon immer machen wollte“, sagt Kristina Rukhaber aus Lauenbrück mit Blick auf ihr Studium, das sie nun im Herbst aufnehmen wird. Früher sei sie selbst hier, an der Habichtallee, zur Schule gegangen, habe danach ihr Abi drangehängt. Wie es für sie gewesen sei, nach vier Jahren wieder an ihre alte „Penne“ zurückzukehren? „Komisch war es anfangs schon, seine alten Lehrer plötzlich duzen zu dürfen“, sagt sie. Wenigstens habe sie sich räumlich gleich gut zurechtfinden können.

Anders erging es da schon ihrem Bufdi-Kollegen, der am Gymnasium in Tostedt sein Abitur machte, für den die Fintauschule entsprechend ein völlig neues Terrain gewesen sei. „Ich war schon im alten Schuljahr ein paar Tage hier – zum Einarbeiten“, erinnert sich Nicolas Grese an die Staffelübergabe mit den Vorgängern. Eigentlich habe er immer Sport und Englisch auf Lehramt studieren wollen – dass ihm Geografie statt Sport aber wohl besser liegen würde, das habe er erst im Laufe der letzten Monate herausgefunden. Ob er die gymnasiale Richtung einschlagen wird oder doch die Haupt- und Realschule vorzieht, darauf habe er sich derweil noch nicht festlegen können. Kristina Rukhaber, die eigenen Angaben zufolge Französisch und Geschichte studieren möchte, dagegen schon: „Auf jeden Fall Realschule!“ Warum? „Anders als am Gymnasium, wo man den Schülern Aufgaben gibt und sie oft selber lernen lässt, stellt man sich hier noch richtig vor die Schüler, leitet den Unterricht und wirkt als Lehrer unterstützend mit.“ Diesen Eindruck habe sie im Laufe der Zeit jedenfalls bekommen – bei ihren zahlreichen Hospitationen im Klassenraum. „Und siehe da: Plötzlich waren wir nicht mehr Kristina und Nico, sondern Frau Rukhaber und Herr Grese“, wirft ihr Mitstreiter schmunzelnd ein.

Und was sagt Herr Murso, der Bufdi-Betreuer, über seine beiden Schützlinge, die bald die Schule quasi ein zweites Mal verlassen werden? „Die haben das richtig gut gemacht“, findet Sascha Murso (36), der stellvertretende Rektor. Dafür habe allein schon die Tatsache gesprochen, dass man sie ständig im Schulgebäude habe suchen müssen, wenn ihr Typ gerade gefragt war. „Für mich ein gutes Zeichen, dass sie auch immer beschäftigt waren.“

Nein, langweilig sei ihr Orientierungsjahr, das monatlich vergütet wurde, ganz sicher nicht gewesen, beteuern die beiden Bufdis. Schließlich hätten sie neben den Unterrichtsbesuchen, bei denen sie jede Menge Tipps von den Lehrern bekommen hätten, unter anderem auch AGs selber leiten und die Schulbücherei beaufsichtigen dürfen. Grese: „Einigen Schülern haben wir auch ganz konkret unter die Arme greifen können – zum Beispiel beim Vokabelabfragen.“ Etwas, das ihm persönlich besonders viel Spaß gemacht habe.

Das hört sich nach langer Leine an. Und so sei es ja auch gedacht, sagt Sascha Murso, der mit der Lauenbrückerin und dem Buchholzer bald schon die fünfte Bufdi-Generation verabschieden wird. Er spricht von Einrichtungen, die solch jungen Kräften in Anbetracht zu erwartender Mehrbelastungen durchaus auch skeptisch gegenüberstehen würden. Für ihn habe das Ganze aber auch etwas mit Auftragserfüllung zu tun: „Im Endeffekt helfen sie nachher ja einem im Schuldienst als vollwertige Kollegen auch wieder – es ist also eine Entlastung, die es abzuwägen gilt.“ Was ihn verblüfft habe: Beide Bufdi-Vorgänger würden inzwischen auch auf Lehramt studieren – allerdings Haupt- und Realschule und nicht, wie von ihnen zu Beginn ihrer Arbeit an der Fintauschule angedacht gewesen sei, Gymnasium.

Was Nicolas Grese und Kristina Rukhaber neben all den gesammelten Erfahrungen noch mitnehmen werden: Während ihrer Bufdi-Zeit haben sie an sechs Wochenenden auch den Übungsleiterschein gemacht, der sie zuletzt befähigte, in der Schulturnhalle auch Sport-AGs zu leiten. „Der gilt ja noch ein paar Jahre“, freut sich Grese über das zusätzliche Bonbon. Dass Corona den geplanten Ablauf ihres einjährigen Schnupperaufenthaltes ein bisschen durcheindergewirbelt hat, sei ihm zufolge gar nicht so schlimm. „Klar, ich habe mich schon auf die Skifreizeit in Südtirol gefreut, die noch auf dem Programm geständen hätte, aber eigentlich konnten wir nach der Zwangspause relativ schnell schon wieder hier loslegen“, sagt er.

Ein Wermutstropfen bliebe laut Murso am Ende aber doch: Gebührend verabschieden werde man sich von den beiden Bufdis dieses Mal nicht können. „Wie auch, wenn wir das nicht mal mit unseren Abgängern tun können?“ Bewerbungen für einen Bundesfreiwilligendienst im Schuljahr 2020/21 würden ihm noch nicht vorliegen. Wer Interesse habe und mindestens 18 Jahre alt sei, könne sich also gerne bei der Samtgemeinde Fintel melden.

Auch in der Schulbücherei hat Rukhaber viel zu tun – Zeit zum Lesen nimmt sie sich trotzdem.

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