Lebendiger Adventskalender: Lauenbrückerin begeistert mit spanischer Krippe

Das „Scheißerchen“ und der „Pinkler“ an der Wiege

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Skurrile Weihnachtsfiguren – links ein Pinkler, rechts zwei Scheißerchen.

Lauenbrück - Von Hannes Ujen. In Lauenbrück ist der „Lebendige Adventskalender“ fester und beliebter Bestandteil des Gemeindelebens. Wie in jedem Jahr am 8. Dezember zog gestern Abend wieder eine muntere Schar zum Haus von Esperanza Freude-Quade und Raymond Quade am Birkenweg. Nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Macht die Tür auf“ ging es schnurstracks hinein ins Wohnzimmer, wo die Hausherrin wieder ihre „Spanische Krippe“ aufgebaut hat.

„Ich finde sie zuerst! – Nein, ich!“, hört man die hereinstürmenden Kinder rufen. Wer damit gemeint ist? Es handelt sich um Caganer, zu Deutsch das „Scheißerchen”, und um Pixaner, den „Pinkler“. Die Besagten sind jedoch unter den mehr als 100 Menschen-, Tier- und Pflanzenfiguren in der dreidimensionalen Krippenlandschaft mit Gebäuden, Höhlen, Wegen, Plätzen, einem Wasserfall und einem See schwer zu finden. Die Kinder durchstöbern das Werk, dürfen die Figuren auch anfassen oder umwerfen. Dann hört man ein triumphierendes „Ich hab‘ ihn!“, und jetzt erst bewundern sie alle das Geschehen rund um das in der Wiege liegende Jesuskind. Die Figuren wirken äußerst lebendig, weil sie offensichtlich alle in Aktion, also nicht in starrer Haltung modelliert wurden – wie der Bäcker, der Kameltreiber oder der Hirte. Selbst die Gewänder der Figuren zeigen an, dass man auf dem Weg zur Krippe ist.

„Ich baue die Krippe jedes Jahr anders auf. Caganer und Pixaner sind immer irgendwo am Rande versteckt, aber sie gehören traditionell seit dem 17. Jahrhundert in Spanien dazu“, erläutert Freude-Quade, Tochter spanischer Eltern, die in Granada leben. Ihr Vater, der Kunstmaler Antonio Garcia Carrillo (84), übergab ihr die Krippe, die sie hegt und pflegt und auch mit neuen Figuren und Gegenständen ausbaut. „Was uns in Deutschland befremdlich vorkommen mag, hat in Spanien eine so lange Tradition, dass selbst die spanische Katholische Kirche die Anwesenheit des ‚Caganer‘ bei der Geburt Jesu stillschweigend toleriert“, weiß die Lauenbrückerin. Den Ursprung dieses Brauches spräche man dem neuen Zeitalter des Barock zu, das eine radikale ästhetische Hinwendung zu Natürlichkeit und Realismus propagierte. „Egal ob König oder Bettler – dann und wann müssen wir alle einmal aufs stille Örtchen. Diesem Drang konnten sich auch die Menschen vor 2015 Jahren sicher nicht erwehren“, resümiert Esperanza Freude-Quade und freut sich über das Interesse, das ihre spanische Krippe erneut in ihrem Heimatort gefunden hat.

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