Lauenbrücker Fintauschule führt Medienprofil für gesamte achte Jahrgangsstufe ein

Soziale Gerechtigkeit: I-Pads für alle

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Die Klassenlehrer der zukünftigen achten Klassen an der Fintauschule, Frank Lehmann (l.) und Hendrik Kapteina, freuen sich auf den Einsatz der Tablets.

Lauenbrück - Von Ulla Heyne. Schüler A hört sich die englische Textpassage zum dritten Mal an, während B interaktiv Vokabeln lernt. C dagegen lässt sich einzelne Wörter von dem kleinen flachen Kasten vorsprechen. In Biologie werden virtuell Frösche seziert, die gemachten Hausaufgaben erreichen den Lehrer über das Internet. Alles Science Fiction? Nicht mehr lange. Als eine der ersten Schulen im Landkreis führt die Fintauschule zum nächsten Schuljahr die Arbeit mit I-Pads ein – für den gesamten achten Jahrgang.

Dass der Vorschlag von Schulleiter Helgo Mayrberger vor einem Dreivierteljahr bei den Schülern auf ungeteilte Begeisterung stieß, war für niemand eine Überraschung. Bei den Eltern sah es etwas anders aus. Auch wenn sich der Schulelternrat geschlossen und bei einer Elternbefragung 90 Prozent der Eltern dafür aussprachen – die Bedenken der verbleibenden rund zehn Prozent nimmt Mayrberger ernst, schließlich sind die Geräte von den Elternhäusern selbst zufinanzieren.

Der medienaffine Rektor suchte das Gespräch, bei Infoabenden, aber auch persönlich, entwickelte Finanzierungsmodelle. Zwischen dreien können die Eltern derzeit wählen: Eigene Anschaffung neu oder gebraucht, Sammelbestellung zu Sonderkonditionen oder Mietkauf. Doch auch einkommensschwache Familien sollen nicht ausgegrenzt werden – schließlich wird das neue Medienprofil genau aus diesem Grund für den gesamten Jahrgang eingeführt: „In der Vergangenheit haben Schüler sozial benachteiligter Familien in der achten Klasse nicht die ‚Laptopklasse‘ angewählt, sondern den Schwerpunkt ‚Ernährung‘, der nicht mit Anschaffungskosten für so ein Gerät verbunden war“, hat Mayrberger beobachtet. Spätestens seitdem ist ihm klar: „Teilhabe an Bildung darf nicht am Geld scheitern“ – und die Medienkompetenz seiner Schüler ist für ihn ein entscheidendes Kriterium, später an der Gesellschaft teilzuhaben. Deshalb warb er Fördergelder ein – und stieß bei der Samtgemeinde auf offene Ohren.

So wurde ein Sozialpool eingerichtet, aus dem auch unterstützungsberechtigte Familien sich die Miete des Tablets des High-End-Herstellers leisten können. Dass es I-Pads sein sollten, war den Kollegen bereits aus der Laptoparbeit klar: „Arbeitsergonomie, die Abstimmung von Hard- und Software – alles spricht dafür“, so der Schulleiter. So beschäftigt auch das Kollegium sich seit einem halben Jahr mit den kleinen, praktischen Tablets, die in vielen Anwendungsbereichen fast einen PC ersetzen, ihm manchmal sogar über sind, „etwa, wenn man mal eben schnell Fotos vom Versuchsaufbau machen und mit eigenen Anmerkungen versehen will“, erläutert Lehrer Frank Lehmann. Er verspricht sich eine „bessere Binnendifferenzierung und individualisierte Hausaufgaben“. Sein Kollege Hendrik Kapteina ergänzt: „Außerdem werden über das Tablet verschiedene Lernkanäle angesprochen.“

Nicht alle Kollegen sind so medienaffin – „aber darum geht es auch gar nicht“, so Mayrberger. Vorstellbar sei, wie jetzt schon ältere Schüler als „Medienpaten“ den Lehrern zur Seite zu stellen, wie das jetzt bereits beim Projekt „Zeitung machen“ erfolge, „außerdem sollen gute alte Tugenden wie das Führen einer Mappe oder handschriftliche Arbeit keineswegs abgelöst, sondern nur ergänzt werden!“ Doppelt-anschaffungen bei den Schulbüchern werde es allerdings nicht geben: „Da entscheiden wir dann von Fall zu Fall entweder für die gedruckte oder die elektronische Version.“

Schon jetzt ist die mit dem „Schule n21+“ der niedersächsischen Initiative für Medien in der Schule ausgezeichnete Bildungseinrichtung an vorderster Front im Einsatz neuer Medien: Vom Kalender mit Klassenarbeitsterminen, Vertretungsplänen über den Hofdienst, Arbeitsblätter und Schülerfirma bis zu den Jahrbuchartikeln sind sämtliche Daten aufdem schuleigenen Server abgelegt.

Ob die I-Pads als Argument im Kampf um Schülerzahlen dienen? „Obwohl das Medienprofil ja noch nicht öffentlich vorgestellt haben, gibt es schon einige Anfragen“, so Mayrberger, „Ziel ist für uns aber nicht Schülertourismus, sondern hier ein möglichst gutes Angebot zu machen.“ Dass dies auch Schüler aus anderen Bereichen anzieht, kann er sich allerdings durchaus vorstellen.

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