Volle Punktzahl für Wintels

Poetry im Park mit neuem Format „Dead or Alive“

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Hauke Prigge (l.) gratuliert Poetry-Slammer Florian Wintels (r.) zu Gold und Jasper Diedrichsen, alias Erich Kästner, zu Silber.

Lauenbrück - Von Ursula Ujen. Der Dauerregen am Freitag ließ den Veranstaltern letztendlich keine Wahl – alle Beteiligten hatten auf Wetterbesserung gehofft, doch zwei Stunden vor Öffnung der Abendkasse stand fest: Das sechste Poetry im Park muss vom romantischen Platz unter der alten Thingeiche in die Orangerie des Landparks Lauenbrück umziehen.

Die 200 Poetry-Fans störte das schlechte Wetter allerdings eher weniger und man hatte den Eindruck, dass durch das notwendige Zusammenrücken ein positives, beinahe euphorisches Gemeinschaftsgefühl entstand. Und selbst diejenigen, die nur im Nebenraum oder gar draußen unter großen Schirmen einen Platz gefunden hatten, nahmen das gelassen in Kauf. Schließlich wollten sie unbedingt dabei sein, wenn der Dichterwettstreit zum ersten Mal im Format „Dead or Alive“ ausgetragen wird. Dabei treten Slammer mit ihren selbst verfassten Texten gegen Schauspieler an, die Texte von bekannten Literaten vortragen.

Nach einstimmendem Saxofonspiel von Edwin Bohlmann und Begrüßung durch die Gastgeber Friedrich-Michael und Katharine von Schiller wurde Moderator Hauke Prigge vom Publikum auf die Bühne applaudiert. Nach Erklärung der Spielregeln und Auswahl der Jury brachte er die Gäste mit seinem „Mike-Warmer-Text“ über die Mutation von Bösewichten wie Darth Vader zu harmlosen, eilfertigen Spießern mühelos „schon mal auf Temperatur“.

Famos akzentuierte Performance

Immer im Wechsel performten dann die Alive-Künstler (Slammer Marvin Ruppert, Fabian Navarro, Sandra da Vina und Florian Wintels) und die „Dead“-Künstler (Schauspieler Lisa Parise alias Annette von Droste-Hülshoff, Hinnerk Köhn alias Falco, Gina Bonse alias Bertolt Brecht und Jasper Diedrichsen alias Erich Kästner) im ersten Durchgang mit Jury-Wertung ihre Beiträge. Trotz hervorragender schauspielerischer Darbietungen der Brecht- und von-Droste-Hülshoff-Lyrik und –Satire (unter anderem „Der Fisch Fasch“ und „Die Vogelhütte“) trafen die moderneren Kästner- und Falco-Beiträge („Abendgesang des Kammervirtuosen“ und „Jeanny“) mehr den Geschmack des Publikums und kamen ins Finale.

Poetry im Park im Landpark Lauenbrück

Sandra da Vina traf mit ihrem kritisch-ironischen Text „Kind, geh mal an die frische Luft“ als ehemaliges Ruhrgebietskind den Nerv des Publikums. Ebenso Marvin Ruppert, der in der „Traurigen Liebesgeschichte aus meinem Leben“ mit den Ansprüchen seiner Freundin kämpft, mehr aus sich herauszugehen. Schließlich machten bei den „Alive“-Slammern jedoch Fabian Navarro und Florian Wintels das Rennen. Mit seiner Interpretation von „Der Knabe im Moor“ und der Empfehlung an Dichterin von Droste-Hülshoff „Annette, chill mal, du machst dir zu viel Kummer“, riss Navarro die Gäste zu Lachsalven hin. Der heimliche Favorit Florian Wintels erfüllte mit seiner Poesie „Was kostet Geld“ voll die Erwartungen der Zuschauer und lieferte eine temporeiche, haargenau getaktete und famos akzentuierte Performance ab.

„Alive“-Team freut sich über Sieg

In der Pause genossen die Gäste die heimelige Atmosphäre im Restaurant-Trakt: Bei prasselndem Kaminfeuer und netten Gesprächen unter Poetry-Fans ließ man es sich bei Snacks und Getränken gut gehen. „Ich hab ja immer noch auf gutes Wetter gehofft und einen Picknickkorb dabei“, verriet Kerstin Behrendt aus Rockstedt, die zum vierten Mal in Lauenbrück dabei war. Ihre Freundin Maika Maetze aus Zeven hatte noch besser vorgesorgt: Mit Motorradkombi und Gummistiefeln ausgerüstet wollte sie draußen dem Regen trotzen. „Aber der Sekt schmeckt uns auch hier drinnen, denn Poetry im Park ist immer schön. Außerdem finden wir: Je enger, je slammer!“ Nach der Pause traten die vier Finalisten und Besten aus den Teams „Alive“ und „Dead“ mit Fabian Navarro, Florian Wintels sowie Erich Kästner und Falco gegeneinander an. Alle legten sich noch einmal richtig ins Zeug: Während Falco seinen Wiener Schmäh versprühte, beklagte Erich Kästner seine nicht vorhandenen Gefühle zu einer Frau. Fabian Navarro machte als Wien-Neubürger seinen schweren Stand als „Piefke“ deutlich und Florian Wintels entwarf mit „Es war einmal ein Wald – die Rebellion der Natur“ ein Untergangsszenario. Wintels erhielt für diesen Beitrag die volle Punktzahl – das zweite Mal in der Geschichte des Poetry im Park. Nach der finalen Abstimmung durch das Publikum standen als Einzelsieger Slammer Florian Wintels, gefolgt von Jasper Diedrichsen alias Erich Kästner fest. Insgesamt konnte sich das Team „Alive“ über den Sieg freuen.

Nach der Siegerehrung durch das Ehepaar von Schiller entließ Hauke Prigge die Poetry-Fans in die immer noch regnerische Nacht mit der freudigen Nachricht: „In diesem Winter gibt es zum ersten Mal ein Weihnachts-Poetry-Slam im Landpark Lauenbrück.“

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