Samtgemeinde Fintel bezuschusst Einzelfahrkarten

Endstation: HVV-Aufnahme

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Reisende, die nur gelegentlich vom Lauenbrücker Bahnhof aus in den Metronom in Richtung Hamburg einsteigen, dürfen sich freuen: Ihre Einzelfahrkarten werden durch den HVV-Tarif günstiger.

Lauenbrück - Von Lars Warnecke. Nun also doch: Die Samtgemeinde Fintel wird den hälftigen Anteil der kommunalen Kosten für das Zeit- und Einzelkartenmodell im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) für den Bahnhof Lauenbrück übernehmen. Darauf verständigte sich am Donnerstagabend der Rat. Leicht gefallen war den Damen und Herren Lokalpolitikern die Entscheidung angesichts der derzeit angespannten Haushaltslage nicht. Aber, wie sagt man doch so schön: Wat mutt, dat mutt. Und die Kommune, quasi das Zünglein an der Waage, „mutt“, will sie das Vorhaben der Nachbargemeinde Scheeßel, für ihren Bahnhof auch Einzelkarten anzubieten, nicht blockieren.

Ratsherr Reinhard Trau (CDU) brachte die Zwangslage, in der sich die Samtgemeinde befindet, auf den Punkt: „Wir können gar nicht anders abstimmen, der ganze Landkreis wartet auf unsere Entscheidung.“ Und sein Fraktionskollege Jürgen Rademacher befand: „Wir sitzen da irgendwie in der Zwickmühle.“ Ähnlich formulieren wollte es Bürgermeister Tobias Krüger (parteilos) zwar nicht, sein Appell, einem kompletten HVV-Beitritt mit breiter Mehrheit zuzustimmen, fand jedoch Gehör.

Rückblick: Anderthalb Jahre ist es her, dass die Samtgemeinde aus finanziellen Gründen ihre Beteiligung lediglich auf die Zeitkarten beschränken ließ. „Wir haben in unserer Beschlussfassung aber auch festgehalten, dass wir mittelfristig uns selbstverständlich ebenfalls den Beitritt für die Einzelkarten wünschen“, rekapitulierte Krüger. Ursprünglich sei ein Zuschussbedarf von mehr als 90.000 Euro pro Jahr vorgesehen gewesen, „wir hatten aber schon damals gesagt, dass wir uns einen Betrag von 60.000 Euro vorstellen können“.

Hamburg macht einheitliche Lösung zur Bedingung

In der Zwischenzeit sei viel passiert: Der Verwaltungschef erinnerte an die intensiven Diskussionen, die in den Gremien des Kreises, aber auch in allen Kommunen stattgefunden hätten. „Gerade der Gemeinderat Scheeßel hatte sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt und eine von uns abweichende Beschlussfassung vorgenommen“, so Krüger. „Dort wurde klar formuliert, dass man einen vollständigen Beitritt für beide Karten herbeiführen wolle.“ Daraufhin hätten die übrigen Vertragspartner darauf hingewiesen, dass ein solches Tarifmodell – Zeitkarten für den Bahnhof Hamburg und dann plötzlich wieder Einzelkarten in Scheeßel – einfach nicht funktionieren würde. „In der Folge hat die Hansestadt Hamburg es als Bedingung formuliert, dass wir zu einer einheitlichen Lösung kommen mögen, um zu verhindern, dass der HVV-Beitritt für den gesamten Landkreis dann womöglich scheitert“, erklärte der Bürgermeister.

Nicht nur hätten Beratungen in den Gremien stattgefunden, nein, auch Fachleute hätten sich mit den Zahlen beschäftigt, die jetzt erstmalig für die einzelnen Bahnhöfe präzise den Finanzbedarf ermitteln konnten. Ergebnis: Während es für die Kommunen im Nordkreis nun teurer wird, als bisher angenommen, erwartet die Samtgemeinde eine deutliche Entlastung für die Zeit- und Einzelkarten. „Wir würden jetzt nur noch von einem jährlichen Betrag von 57.000 Euro reden.“ Einerseits, betonte Krüger, sei das für die Samtgemeinde in Anbetracht hoher Kosten im Kita-, Abwasser- Personalbereich immer noch eine ganze Menge Geld, aber begreift er den Beitritt auch als Chance: „Ich behaupte mal, dass man durch die Marke HVV, mit der wir werben können, das eine oder andere Baugebiet extra verkaufen können, sodass sich die finanzielle Situation irgendwie auch wieder einpendeln wird.“

4 000 Euro weniger?

Ein wichtiges Detail in diesem Zusammenhang ließ der Verwaltungschef nicht unerwähnt: „Der Landkreis hat mehrere Finanzierungsmodelle dargelegt, wie der feste Zuschuss des Landes jetzt auf das Finanzierungssystem aufgeteilt werden soll. Das Land hat seinen Festbetragszuschuss mit keiner Bedingung verknüpft, der Landkreis hat zunächst einmal gesagt, er würde das Geld nehmen und zunächst auf die Zeitkarten anrechnen.“ Das habe seinen Worten nach den Hintergrund, „dass eben gerade jene Kommunen, die das Zeitkartenmodell gewählt haben, jetzt nach der neuen Berechnung mit höheren Kosten rechnen müssen.“ 

Ihm zufolge gebe es aber sicher auch genauso gute Gründe zu sagen: Diese 388.000 Euro werden in das gesamte Paket eingebracht, so auch auf den Lauenbrücker Bahnhof verteilt. „Das würde für uns bedeuten, dass wir über 4 000 Euro weniger sprechen als die 57.000 Euro“, so Krüger. Sein Vorschlag, in der Beschlussvorlage zusätzlich noch eine Bitte an den Landkreis zu formulieren, dass die Mittel des Landes nach dieser sogenannten Variante B verteilt werden mögen, wollte denn auch niemand im Rat widersprechen.

Borngräber stimmt mit „Widerwillen“ zu

„Alles schön und gut“, befand Ratsherr Jürgen Borngräber (SPD). Ihm komme die ganze Angelegenheit jedoch eher wie ein Kuhhandel vor. „Wir haben damals gesagt, dass uns ein vollständiger Beitritt zu teuer wäre. Seltsamerweise hat die Kreisverwaltung aber nun einen anderen Vorschlag vorgelegt, der uns die Sache etwas günstiger erscheinen lässt.“ Dagegen sei nichts einzuwenden, „aber es ist seltsam, dass die Berechnung nun eine ganz andere ist“. Ja, auch er werde dem Beitritt zustimmen, „aus meiner Sicht mit etwas Widerwillen, aber wir wollen damit ja unseren Bürgern entgegenkommen“.

Weniger skeptisch äußerte sich Hans-Jürgen Schnellrieder (Grüne): „Ich bin froh, dass wir vorankommen, speziell auch mit Blick auf unsere Bauvorhaben in Fintel und Lauenbrück.“ Seiner Meinung nach sollte man eine Erweiterung der im Eigentum der Gemeinde Lauenbrück befindlichen Parkanlagen am Bahnhof anstreben.

Philine Homfeldt, die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde, brachte noch einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Wir haben die Nordpfade, ein Schwimmbad und den Landpark – vielleicht werden Bürger ja dadurch auch mal animiert, aus der anderen Richtung zu uns zu kommen.“

Für Hermann von der Wehl (CDU) steht fest: „Privatwirtschaftlich würde man so einen Beitritt gar nicht erst machen, weil die Ausgaben in keinem Verhältnis zu dem stehen, was die Karten nachher an Ermäßigung bringen.“ Dem fügte Ratsvorsitzender Rüdiger Bruns (SPD), eher ironisch, hinzu: „Privatwirtschaftlich würde man auch keine Kindergärten betreiben.“

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