Antrag der Grünen-Fraktion nur zur Kenntnis genommen

Alles beim Alten in Sachen pestizidfreie Kommune

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Auf den umstrittenen Wirkstoff Glyphosat wird in der Samtgemeinde Fintel auch jetzt schon verzichtet – ohne offizielle politische Anweisung des Rates.

Lauenbrück - Von Lars Warnecke. Die Entscheidung der EU, das umstrittene Ackergift Glyphosat für fünf weitere Jahre zuzulassen, hat die Diskussion um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln neu entfacht. Auch in der Samtgemeinde Fintel. In einem Antrag der Grünen im Rat, der jetzt in der Sitzung des Umweltausschusses auf der Tagesordnung stand, fordert die Fraktion auf Grundlage eines vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erarbeiteten Ratgebers: Die Samtgemeinde soll „pestizidfreie Kommune“ werden.

„Wir wollen es festgeschrieben wissen, dass die Samtgemeinde bei der Unterhaltung ihrer Straßen, Liegenschaften und sonstiger Grundstücke gänzlich auf den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln wie etwa das umstrittene Glyphosat verzichtet und damit eine Vorbildfunktion für ihre Bürger übernimmt“, erläuterte Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Schnellrieder mit eigenen Worten. 

Er begründet den von ihm unterzeichneten Antrag mit bekannten Argumenten. Viele Pflanzenschutzmittel stünden im Verdacht, Krebs zu erregen. Die Pestizide zerstörten Lebensräume und Nahrungsquellen für nützliche Insekten wie Honigbienen und Schmetterlinge, aber auch für Vögel. „Weltweit und auch in Deutschland erleben wir einen zunehmenden Verlust der Artenvielfalt. Grund dafür ist vor allem die intensive Landwirtschaft“, meint Schnellrieder.

Kahlke: „Wir wissen noch gar nicht, was auf uns zukommt“

Deutschlandweit haben sich bereits 160 Städte und Gemeinden gegen den Einsatz von Glyphosat und andere Pestizide bei der Pflege ihrer Grün- und Freiflächen entschieden. „Nur entscheiden brauchen wir heute nichts“, gab Volker Behrens von der Samtgemeindeverwaltung zu bedenken, schließlich würden gemäß dem Pflanzenschutzgesetz Pestizide von der Kommune schon seit längerer Zeit gar nicht mehr zum Einsatz kommen.

Ratsherr Werner Kahlke warnte davor, dem Antrag in seiner Gesamtheit nachzukommen. „Wir wissen noch gar nicht, was auf uns zukommt“, so der SPD-Mann. „Sollte es zum Beispiel einmal bei uns zu einer Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners kommen, wie es in unserer Nachbargemeinde der Fall ist, wären uns dann die Hände gebunden.“ Solange es nicht nottäte, Pestizide einzusetzen, sei seiner Meinung nach allem Genüge getan. Und auch Steffen Florin (CDU) mahnte zur Vorsicht: „Was passiert, sollte in unserer Abwasserbeseitigungsanlage ein Schadnagerproblem auftreten? Rattengift dürften wir dann ja auch nicht mehr benutzen.“

„Die Gemeinde handelt seit Jahren wie eine pestizidfreie Kommune“

Schon in den Räten der Mitgliedsgemeinden hatte der Grünen-Antrag die Runde gemacht – mit dem Ergebnis, dass wenigstens die Lauenbrücker in einer Bürgerinformation darauf aufmerksam gemacht hatten, wie sie zu dem Thema stehen. Darin heißt es wörtlich: „Die Gemeinde handelt seit Jahren wie eine pestizidfreie Kommune. Auf den gemeindeeigenen Pachtflächen ist den Pächtern vertraglich untersagt, Pestizide einzusetzen. Die öffentlichen Flächen werden zudem nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt.“ Ein Wortlaut, den man so auch in einer Bürgerinfo der Samtgemeinde aufnehmen müsse, befand Schnellrieder, der bekräftigte, dass er mit einem solchen Kompromiss „gut leben“ könne.

Am Ende nahm der Fachausschuss den Antrag, wie von der Verwaltung empfohlen, nur zur Kenntnis. Ob die Samtgemeinde dem Beispiel der Lauenbrücker folgen wird, konnte nicht geklärt werden. Kahlke: „Es kann diesbezüglich ja gerne ein neuer Antrag eingereicht werden, danach steht dem grundsätzlich auch nichts entgegen.“

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