Arbeitskreis engagiert sich für Rückzugsräume entlang von Ackerflächen

Landwirte und Politik setzen auf Dialog

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Der neue Arbeitskreis „Wegeseitenränder“ der Samtgemeinde Fintel setzt auf Dialog.

Lauenbrück - Von Hannes Ujen. Wegeseitenränder bilden in der Agrarlandschaft wichtige Rückzugsräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Durch die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft geraten sie aber immer mehr unter Druck und es kommt gelegentlich vor, dass entlang von Ackerflächen die meist in der öffentlichen Hand befindlichen Wegeränder umgepflügt werden. Dieses Thema hat auch der Landkreis Rotenburg auf seiner Agenda und die Kommunen aufgefordert zu handeln.

Der Arbeitskreis „Wegeseitenränder“ der Samtgemeinde Fintel hatte dazu am Montagabend zu einem Pressetermin in das Lauenbrücker Rathaus eingeladen. Vom Kreistag angesprochen wurde auch Arthur Thiel, seit März 2015 Landschaftswart für den Bereich der Samtgemeinde Fintel: „Ich habe gleich die Ortsbürgermeister angesprochen und wir holten zur ersten Beratung Mitglieder des Landvolksverbandes mit ins Boot. Ein wichtiges Kriterium ist nach wie vor, dass die Wegeränder nicht vor dem 15. Juli gemäht werden dürfen, damit die Tiere mehr Nahrungsgrundlagen haben.“

Festzustellen sei, so Thiel, dass in der Samtgemeinde Fintel viele Wege im Laufe der Jahre überpflügt wurden. Bei einer weiteren Besprechung im Juli 2016, erklärten sich die Bürgermeister von Fintel, Helvesiek, Lauenbrück, Stemmen und Fintel bereit, festzulegen, mit welchen Wegen oder Flurstücken man mit einer Überprüfung beginnen wolle. Der Grundgedanke sei, der Natur etwas zurückgeben, sodass dort eventuell Blühstreifen entstehen können.

Volker Behrens, Fachdienstleiter Bau und Planung, zeigte per Beamer entsprechende Luftbilder und Landkarten: „Mir ist aufgefallen, dass nach Einführung der Kaufmännischen Buchhaltung – wo jeder Quadratmeter Grund und Boden als Eigentum der Gemeinde bewertet werden muss – sich einiges im Landschaftsbild verändert hat und mit der Realität nicht mehr überein stimmt.“

Jürgen Rademacher, Bürgermeister von Vahlde: „Das Thema beschäftigt uns seit Jahren, die ursprüngliche Form zurückzugeben und auch Imker und Jäger mit einzubinden.“ Er habe selbst als Landwirt unbeabsichtigt einen Meter Weg mit übergepflügt, diesen aber dann auf eigene Kosten wieder hergestellt und einen Blühstreifen angelegt. „Wir wollen mögliche Korrekturen oder Veränderungen nur in Kooperation mit der Landwirtschaft, aber nicht mit der Brechstange durchsetzen“, so Rademacher

„Miteinander reden ist entscheidend“, betonte Fintels Bürgermeister Wilfried Behrens. „Was sinnvoll ist, kann man auch so belassen, wie es ist, denn im Laufe der Jahrzehnte sind Wege und Gräben durchaus verschwunden oder neu entstanden“, konstatierte Reinhard Trau, Bürgermeister von Stemmen. „Flurstücke sollen nicht kaputt gehen. Es kann nicht angehen, dass ein Weg quer durch die Schläge führt.“ Man ginge bei der Beurteilung mit aktuellen Landkarten des Katasteramtes vor, die mit exakten Luftbildern abgeglichen würden.

Angesprochen auf bewusstes Überpflügen der gemeindeeigenen Wege und dass damit in der öffentlichen Meinung oft eine Art „Landgewinnung“ einhergehe, stellte Cord Renken, Vorstandsmitglied des Landvolk-Kreisverbandes Rotenburg-Verden klar: „Wir Landwirte haben es gar nicht nötig, bis auf den letzten Meter umzupflügen und uns Anfeindungen auszusetzen. Unsere Ortsvertrauensleute sind ständig vor Ort aktiv, um etwaige Missverständnisse auszuräumen.“ Man solle, so Renken, „niemandem etwas überstülpen, aber wenn wir alle eine Sprache sprechen und etwas zusammen erreichen wollen. Dann kriegen wir nachher auch ein Ergebnis, mit dem wir alle wunderbar leben und es auch vorzeigen können.“

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