Tag der Landfrauen und der Landwirtschaft in Stemmen

„Wir stehen an Eurer Seite“

Flagge zeigen: Mit Schildern gaben die Teilnehmerinnen aus den Landfrauenvereinen ihre Herkunft preis. - Fotos: Diercks

Stemmen - Von Bettina Diercks. Was werde ich, wenn ich keine Lebensmittel mehr bekomme? Na klar: Landwirt. Diese Antwort kitzelte das Bundesinstitut für Risikoforschung in einer ihren jüngsten Umfragen aus der Bevölkerung heraus. 80 Millionen Landwirte, 80 Millionen Fußballtrainer, darunter 70 000 Landfrauen, die im niedersächsischen Landesverband Mitglied sind. Der Rotenburger Zusammenschluss beging am Mittwoch in Stemmen den „Tag der Landfrauen und der Landwirtschaft“.

Im Fokus standen die Agrar- und Lebensmittelmärkte. Dazu hatten der Kreisverband der Landfrauenvereine Rotenburg und der Landvolk-Kreisverband Rotenburg-Verden Dr. Christian Schmidt von der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswissenschaft aus Hannover eingeladen.

Doch vorher wurde mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass Landfrauen für das leibliche Wohl ihrer Mitbürger zuständig sind. „Gegen dieses Klischee müssen wir immer wieder kämpfen“, sagte Irmtrud Hesse-Stegmann, Vorsitzende der Rotenburger Landfrauen. Verantwortlich würden sie vor allem für Aufklärung und Schulung zeichnen, was die Urproduktion von Lebensmitteln in der Landwirtschaft angeht und ebenso die Verwendung von Nahrungsmitteln.

Ilse-Marie Schröder vom niedersächsischen Landesvorstand sicherte in ihrem Grußwort dem Landvolk zu: „Wir stehen an Eurer Seite und kämpfen mit Euch für die moderne Landwirtschaft.“ Der Landesverband sei auch für sein politisches Engagement bekannt. Bei einem Gespräch mit Umweltminister Wenzel im Februar forderten die Landfrauen: „Wer mit dem Wolf leben will, muss ihm Grenzen setzen!“ Deshalb initiierten sie eine Unterschriftenaktion. „Wir sind traditionsbewusst, modern, kämpferisch“, so Hesse-Stegmann.

Schmidt leitete charmant über: „Ich freue mich, dass ich vor allem zu so vielen Frauen sprechen kann. Auch das ist ja nicht üblich. Sie sind mit Herz und Verstand unterwegs, das fehlt uns Männern manchmal, wenn wir so vor uns hin wühlen.“

Zurzeit fehle ein Stück weit die Fragestellung: „Was tut uns eigentlich gut? Was tut der Landwirtschaft eigentlich gut?“ Die Märkte würden immer weiter differenziert. Sie spreizten sich immer weiter auseinander. Es werde immer speziellere Lösungen für den Kunden geben. Schmidt: „Das ist für uns als Konsument natürlich super, weil wir immer mehr aussuchen können, wir haben immer mehr maßgeschneiderte Lösungen. Das ist aber für einen Erzeuger schwierig. Er muss entscheiden: Was mache ich denn für den Kunden? Mache ich es eigentlich richtig?“

Doch Schmidt fand ermutigende Worte: „Glauben Sie mir, alle Unternehmen in den verschiedensten Branchen kämpfen darum, wahrgenommen zu werden. Es mögen hier im Raum einige anders denken, dass Landwirtschaft zu viel diskutiert wird. Das ist ein riesiges Pfund, dass Landwirtschaft überhaupt wahrgenommen wird. Wir sind wer, als Branche.“ Die Menschen würden sich nämlich seit geraumer Zeit für die Landwirtschaft interessieren. „Da würde ein Marketingfritze sagen: Wie geil ist das denn? Da kommt ja von ganz alleine eine Diskussion hervor, die sich um Landwirtschaft rankt, die man ja nur noch steuern muss. Alle anderen müssen sich unglaublich anstrengen, um überhaupt bekannt zu werden. Es gibt ein hohes Interesse bei den Konsumenten“, so der Fachmann.

„Nicht alles ist Geld wert“

Die Forderung des Marketingexperten: „Wenn wir Landwirtschaftsmarketing machen möchten dann müssen wir als erstes anfangen, unsere Produkte zu kultivieren, in die Köpfe reinkriegen und an der Stelle auch selber etwas vormachen. Nicht alles, was gewünscht wird, ist Geld wert. Aber fast alles, was gewünscht wird, ist Geld wert. Auch da müssen wir kommunzieren, stärker zugreifen wollen. Wenn wir Landwirtschaft wertschätzen wollen, geht das genau über eine Sache ganz gut: den Preis, den wir auch gewillt sind, zu bezahlen.“

Und noch einen wertvollen Tipp gab Schmidt den Gästen mit auf den Weg: „Sie alle kennen die riesen Diskussion: Sind Ökoprodukte eigentlich gesünder? Natürlich sind sie gesünder, weil derjenige, der Ökoprodukte isst, sich wohler fühlt, wenn er sie isst. Die meisten Männer hier im Raum werden auch sagen: Bier ist gesund. Dann sitze ich mit meinen Kumpels zusammen und fühle mich wohl. Wenn Sie sich heute Abend wohlfühlen beim Essen, ist es fast egal, was sie essen, weil Sie ein seelisches und physisches Gleichgewicht im Kreise der Familie haben. Und da sollen wir als Landwirtschaft ermutigen, an der Diskussion teilzunehmen.“

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