Lärm und Staub - das passt nicht

Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf

Neun Saisons lang haben Doris und Hermann Norden ihre Gäste mit Eiscreme und Milchshakes bewirtet. Am 3. Oktober öffnet das Paar die Lütje Isdeel zum letzten Mal.
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Neun Saisons lang haben Doris und Hermann Norden ihre Gäste mit Eiscreme und Milchshakes bewirtet. Am 3. Oktober öffnet das Paar die Lütje Isdeel zum letzten Mal.

Fintel – Seit acht Jahren schon ist sie ein stets beliebter Treffpunkt, für die Einwohner wie auch für viele Auswärtige – die Lütje Isdeel in Fintel. Wo sonst, wenn nicht Op’m Block, neben dem Wümmeradweg gelegen, kann man sich neben Vanille, Erdbeere und Schoko auch so ausgefallene Eiskreationen wie Griechischer Joghurt mit Honig oder Raspberry Cheesecake schmecken lassen, dabei an manchen Sommerabenden, lauschige Live-Musik genießen und ganz nebenbei mit den Betreibern in gemütlichem Ambiente über Gott und die Welt schnacken?

Nur: Eine weitere Saison, das ist klar, wird es nach dieser nicht mehr geben. Jedenfalls nicht mit Doris und Hermann Norden als Gastgeber – und nicht am bekannten Standort. „Wir haben uns dazu entschieden, unser Geschäft aufzugeben“, sagt das Ehepaar. Leicht habe man sich die Entscheidung wahrlich nicht gemacht. „Wir und unsere Gäste sind über die vielen Jahre ja schon zu einer Art Familie zusammengewachsen“, berichtet die 58-Jährige mit gebrochener Stimme.

Warum also der Schritt, wo doch das schnuckelige Eiscafé heute mehr denn je floriert? Die Gerüchteküche, so Hermann Norden, habe im Ort schon kräftig gebrodelt – allerdings sehr zum Missfallen seiner Frau und ihn. „Da hieß es zum Beispiel, wir würden die Segel streichen, weil manche Gäste zu uns zu unfreundlich seien.“ Das sei natürlich aber völliger Unsinn. „Wer sich bei uns direkt erkundigt hätte, wie es einige netterweise auch schon getan haben, der wüsste jetzt auch über den wahren Grund Bescheid.“

Und der findet sich in direkter Nachbarschaft zum Eisgarten mit der markanten Holzhütte. „Eigentlich sind es ja zwei Gründe“, sagt die gelernte Entspannungspädagogin Doris Norden, die sich eigenen Worten nach 2013, unterstützt von ihrem Partner, mit der Isdeel einen Lebenstraum erfüllt habe. So sei demnächst, wenn am Burvagsweg neue Wohnungen entstehen und die ersten Häuslebauer im Finteler Baugebiet „In den Drohn“ zu Werke gehen, an gleich zwei Stellen für lange Zeit mit ordentlich Lärm zu rechnen. Nur den wolle das Paar sich, aber vor allen seinen Gästen nicht zumuten. „Wir liegen mit unserem Betrieb quasi zwischen beiden Großbaustellen – es käme also keiner mehr zur Ruhe“, sind die Nordens überzeugt. Dabei würde das Publikum genau die doch an der Lokalität so schätzen. Darüber hinaus sei der zu erwartende Baustaub mit Lebensmitteln, wie man sie eben anböte, in keinster Weise zu vereinbaren. Sand auf dem Tresen? Unvorstellbar. „Wir haben also gar keine andere Möglichkeit, als dichtzumachen.“

Die markante Holzhütte kennen selbst viele Besucher aus Hamburg und Bremen, die das Ambiente zu schätzen wissen.

Und die Bürger? Viele hätten traurig auf die seit gut drei Wochen nun schon bekannte Nachricht reagiert, berichtet Doris Norden, hätten sich mitunter sogar ganz rührig bemüht, für das Ehepaar eine Lösung an anderer Stelle in Fintel zu finden. „Nur uns gibt es nur Op’m Block – das hier ist ja auch unser Wohnsitz, wo man zwischendurch schnell mal private Sachen wie den Haushalt oder aber die Büroarbeit erledigen kann.“

Auf das Isdeel-Eis, das zweimal wöchentlich von einer Manufaktur frisch angeliefert wird, werden die Fans aus nah und fern aber wohl auch in Zukunft nicht verzichten müssen, was auch ganz im Sinne des Paares ist: „Es hat schon Gespräche mit mehreren Interessenten gegeben, die das gerne fortführen möchten“, erzählt der Ehemann, der von Berufs wegen eigentlich Landwirt ist. Nur sei es eben nicht ganz leicht, einen geeigneten Standort in Fintels Ortsmitte zu finden. „Wir sind jedenfalls sehr bemüht, hier noch eine vernünftige Lösung herbeizuführen.“

Zum letzten Mal geöffnet sein wird die Lütje Isdeel am 3. Oktober – am Tag des regulären Saisonendes. Es wird ein leiser, unspektakulärer Abgang sein. Hermann Norden nimmt seine Liebste, der er im Service oft und gerne unter die Arme gegriffen hat, in den Arm. „Alles hat seine Zeit – und jetzt ist die Zeit, dass es nicht mehr ist. Das Leben geht trotzdem weiter.“ Und Doris Norden erklärt: „Wir möchten uns in diesem Zusammenhang, noch einmal recht herzlich bei unseren Gästen für die schöne Zeit mit vielen netten Gesprächen und die jahrelange Treue bedanken.“

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